Die folgende Predigt wurde von Pf. i. E. Uwe Nold (Markusgemeinde Konstanz) am 25.04.2026 bei der Morgenandacht der Synode des Kirchenbezirks Süddeutschland gehalten. Ihr diente eine Predigt von Pastorin Cornelia Trick (+) von der Evangelisch-methodistischen Kirche aus dem Jahre 2004 als Grundlage, die unter dem folgenden Link nachgelesen werden kann. Bruch und Aufbruch, Apostelgeschichte 15,36-41: Inspirierende Predigten und Aufsätze. Der Ehemann der verstorbenen Autorin, Dr. Ulrich Trick, hat freundlicherweise in die Veröffentlichung der Predigt auf unserer Plattform eingewilligt.
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen. Amen.
Apostelgeschichte 15,36-41
36 Nach einigen Tagen sprach Paulus zu Barnabas: Lass uns wieder aufbrechen und nach unsern Brüdern und Schwestern sehen in allen Städten, in denen wir das Wort des Herrn verkündigt haben, wie es um sie steht. 37 Barnabas aber wollte, dass sie auch Johannes mit dem Beinamen Markus mitnähmen. 38 Paulus aber hielt es nicht für richtig, jemanden mitzunehmen, der sie in Pamphylien verlassen hatte und nicht mit ihnen ans Werk gegangen war. 39 Und sie kamen scharf aneinander, sodass sie sich trennten. Barnabas nahm Markus mit sich und fuhr nach Zypern. 40 Paulus aber wählte Silas und zog fort, von den Brüdern der Gnade Gottes befohlen. 41 Er zog aber durch Syrien und Kilikien und stärkte die Gemeinden.
Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Wege. Amen.
Liebe Synodalgemeinde, die Werbekataloge von Center Parcs, großen Feriensiedlungen mit Erlebnisbad, zeigen erstaunlich wenig von den Parks selbst. Auf fast allen Fotos sind stattdessen Menschen abgebildet, die glücklich lächeln, miteinander Hand in Hand laufen, sich kuscheln, mit Kindern spielen oder die Landschaft genießen. Die Strategie der Werbefachleute scheint aufzugehen. Die Center Parcs haben gewaltigen Zulauf. Aber auch in Center Parcs wird gestritten, fliegen die Tassen, verletzen sich Menschen. Center Parcs sind keine Paradiese auf Erden.
Wir könnten als Gemeinden Jesu Christi auch solche Werbebroschüren herausbringen. Statt Kirchengebäuden, Bekenntnistexten, Veranstaltungskalendern wären in diesen Prospekten glückliche Christen abgebildet, die einander in den Armen liegen, einander segnen und Gutes tun, Verletzte am Straßenrand liebevoll versorgen und Kindern bei den Hausaufgaben helfen. Aber ich glaube, wir würden uns dabei unehrlich fühlen.
Sicher, Jesus verheißt seiner Gemeinde, dass sie das vorgezogene Paradies auf Erden ist. Sie lebt mit dem Geist Jesu, bekommt von ihm die Kraft zur Liebe und zur Versöhnung und ist darum bemüht, in der Umgebung diese Liebe wirken zu lassen wie ein Licht in der Dunkelheit. Doch mit Worten des Apostels Paulus müssen wir auch bekennen, dass wir das Gute, das wir tun wollen, nicht tun, sondern das tun, was wir eigentlich gar nicht wollen [1]. Der Geist Gottes wirkt in uns und kämpft oft genug gegen unser und auch mein Ich, das nicht lieben, sondern Recht behalten will, das nicht den gemeinsamen Weg in der Mitte sucht, sondern den eigenen Weg gehen will.
Mich treibt diese Erfahrung um, auch gerade im Blick auf unsere Kirche. Und dann ist für heute im Feste-Burg-Kalender die vorhin zitierte Bibelstelle vorgesehen. Lukas schrieb die Apostelgeschichte als Dokumentation der ersten Gemeinden. Dabei beschönigte er nichts. Er erzählt nicht nur die Erfolgsgeschichte, sondern auch von Konflikten, Verfehlungen und Spaltungen, und macht dabei gleichzeitig deutlich, dass es Gottes Wege sind, die nicht wie eine Autobahn schnurgerade zum Ziel führen, sondern sich über Abfahrten, Weggabelungen, Sackgassen und Einbahnstraßen winden, um dennoch das Ziel Gottes zu erreichen. Diese Brüche machen mir Mut, auch auf den schwierigen Wegabschnitten durchzuhalten und aufmerksam zu werden auf Gottes Wirken in ihnen. Die Apostelgeschichte berichtet in unserem Text von zwei Missionaren, die zu engen Freunden wurden:Paulus und Barnabas.
Sie wurden von der Jerusalemer Urgemeinde als von Gott beauftragt erkannt, neue Gemeinden in Kleinasien zu gründen. Sie wurden miteinander ausgesandt. Die Erfahrungen dieser Missionsreise brachten die beiden immer stärker zusammen. Sie erlebten Wunder, Bekehrungen, Bedrohungen, Gefängnisaufenthalte und in allem Gottes Beistand und seine Fürsorge für sie. Als Helfer hatten sie Johannes Markus dabei, den Barnabas aus Jerusalem mitgebracht hatte. Ganz neu war für sie die Erfahrung, in einer Gemeinde jüdische und von Hause aus griechische Christen zusammenzuführen. Dabei gab es Herausforderungen.
Die griechischen Christen hatten andere kulturelle und religiöse Vorkenntnisse. Sie nahmen Jesus Christus als ihren Retter an, ohne vorher jüdisch zu werden. Die jüdischen Christen sahen darin Gottes Willen und forderten sie nicht auf, nach jüdischen Ritualgeboten zu leben. Offensichtlich war dieses Miteinander für Johannes Markus, den jüdischen Christen aus Jerusalem, eine Bedrohung seines Verständnisses von Jesus Christus. So stellt die Apostelgeschichte fest, dass er das Missionsteam unterwegs verlassen hatte.
Paulus und Barnabas sind wohl unterschiedlich damit umgegangen. Für Paulus widersprach das Verhalten klar dem Auftrag Jesu Christi, der alle Menschen retten wollte, ohne Rücksicht auf ihre Herkunft. Er hielt Johannes Markus für einen Verräter des Evangeliums. Barnabas, den die gemeinsame Herkunft aus der Jerusalemer Gemeinde mit Johannes Markus verband, mochte seinen Rückzug aus der Missionsarbeit anders interpretiert haben. Für ihn war Johannes Markus noch nicht so weit für die Heidenmission. Er wollte Johannes Markus auf jeden Fall nicht verlieren für die Missionsarbeit, sondern ihn in Liebe gewinnen. Dafür war er bereit, Kompromisse einzugehen.
Das führte zum Bruch: Barnabas wollte Johannes Markus mitnehmen, aber Paulus lehnte es ab, noch einmal mit ihm zusammenzuarbeiten; denn er hatte sie auf der vorhergehenden Reise in Pamphylien im Stich gelassen und die Zusammenarbeit abgebrochen. Es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung, und Paulus und Barnabas trennten sich. Barnabas fuhr mit Markus nach Zypern, Paulus aber wählte sich Silas als Begleiter. Eine Klärung wurde nicht herbeigeführt.
Wir hätten vielleicht etwas anderes erwartet. Dass Paulus und Barnabas, die doch schon so viel mit Jesus Christus erlebt haben, vorbildhaft Einheit leben. Schon gar angesichts des weiten Missionsfeldes müsste es doch zur Versöhnung kommen. Davon allerdings erfahren wir nichts – und ich möchte unterstellen, dass Lukas mit der größten Freude von einer Versöhnung geschrieben hätte, wäre sie denn passiert. Auch erfahren wir nichts von Gottes direktem Eingreifen.
Ich versuche mal, Barnabas‘ Argumente nachzuzeichnen: Da ist jemand neu in die Mitarbeit eingestiegen. Er kennt die Gemeinde noch nicht besonders gut. Und dann versagt er, wirft das Handtuch und verschwindet für Wochen in der Versenkung. Barnabas geht ihm nach, versucht ihn wiederzugewinnen und ihm eine zweite Chance zu geben. Paulus dagegen sagt: Dieser Dienst ist zu heikel. Da setzen wir unsere ganze Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Da darf es keinen Fehler geben, das muss 100% laufen. Lassen wir ihn nur nie wieder an diese Aufgabe. Wo es um Jesus selbst geht und sein Evangelium, das ohne Voraussetzungen jedem Menschen gilt, kann es keine Kompromisse mehr geben.
Doch beide Kontrahenten beharrten auf ihrem Standpunkt, sie bewegten sich nicht mehr auf ein gemeinsames Ziel zu. Nach menschlichen Maßstäben war die Mission gegen die Wand gefahren. Das Dreamteam zerbrach, die Zukunft war mehr als fraglich. Nicht so aus Jesu Perspektive. Jesus stellte sich den beiden an die Seite und ging mit ihnen in eine neue Zukunft. Statt die Mission zu beenden, verdoppelte sie sich um 100%. Paulus gewann einen neuen Mitarbeiter, Silas, und Barnabas zog mit Johannes Markus los.
Im Nachhinein erschien der Bruch wie ein Geburtshelfer einer neuen Epoche. Paulus gründete neue Gemeinden und weitete seine Heidenmission bis nach Europa aus. Barnabas wiederum übernahm offenbar die Betreuung in den schon gegründeten Gemeinden, angefangen in Zypern. Auch er zog sich nicht zurück aus dem Missionsgeschäft, sondern investierte neu und fand seinen Weg. Der Streit und die menschliche Sturheit, die einer Versöhnung im Weg stand, konnte Gottes Wirken nicht aufhalten.
Sicher war Gott nicht auf einen Streit angewiesen, um sein Bodenpersonal zu vervielfachen. Aber es sind seine Wege, die aus unserer Schuld und unserem Versagen Neues wachsen lassen. Wir sind nicht in der Lage, diesen Frieden, den Gott uns verheißt, selbst auf die Beine zu stellen. Wir mögen die besten Motive für unser Handeln haben, so wie sie ja auch Paulus und Barnabas hatten. Und doch fahren wir den Karren an die Wand, weil wir in unserem sündigen Wesen nicht von unseren Positionen herunterkommen.
Doch Gottes Sohn Jesus Christus ist für diese Schuld gestorben und auferstanden. Er kann sie tilgen. Daraus wächst ein neuer Anfang, ein neuer Weg, der Gottes Weg entspricht. Auch wenn wir oft das Gegenteil tun von dem, was Gott von uns erwartet. Wir leben in der Gemeinde nun mal nicht miteinander wie im Paradies. Doch Gott liebt uns so sehr, dass er aus unseren menschlichen Brüchen neue Wege in die Zukunft führen lässt, um sein Ziel für diese Gemeinde zu verwirklichen.
Was ich von diesem Streit in Antiochien lernen kann:
• Wahrheit (Paulus) und Liebe (Barnabas) führen in Konflikte, die zu Brüchen führen können.
• Ich kann den Frieden in der Gemeinde mit allen Fasern meines Herzens wollen und doch habe ich ihn nicht in der Hand, bewirke ich gegen meinen Willen das Gegenteil.
• Eine Teamarbeit in der Gemeinde ist ein großes Gottesgeschenk. Sie dient nicht in erster Linie dazu, dass ich mich wohl fühle, sondern dass ich die Sache Jesu voranbringe.
Ein Werbekatalog für die Gemeinde sollte unbedingt auch die Geschichte von Paulus und Barnabas aufnehmen. Hier sehen wir, wie Gottes Liebe sich von der Idylle einer Ferienhaussiedlung unterscheidet. Wir werden nicht nur gestreichelt und gekuschelt, sondern dürfen ihm vertrauen, dass er auch dann in die Zukunft führt, wenn es bei uns kracht und wir menschlich gesprochen am Ende sind. Vertrauen wir auf ihn, dass er uns den rechten Weg weist. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
[1] Römer 7
Das Beitragsbild wurde von der Redaktion mit Hilfe der KI ChatGPT erstellt. Der Titel „Getrennte Wege: Paulus und Barnabas“ ist nicht Teil der ursprünglichen Predigt.
