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LCMS-Synode 2026: Beschlüsse mit Signalwirkung für die SELK

Eine Einordnung relevanter Ergebnisse von Thomas Hartung, Thomas Krüger und Michael Sommer

Die 69. Synodalversammlung der Lutheran Church—Missouri Synod (LCMS) tagte vom 18. bis 23. Juli 2026 in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona. Die mit rund 1,3 Millionen Gemeindegliedern größte Partnerkirche der SELK beriet unter dem Leitwort „Christ Is Risen Indeed“ („Christus ist wahrhaftig auferstanden.“) zahlreiche innerkirchliche und gesellschaftliche Fragen. Mehrere Beschlüsse betreffen unmittelbar die internationalen Kirchenbeziehungen und damit auch die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche.

Kirchengemeinschaft mit Lutheran Mission-Australia

Die Synode erkannte u.a. die Kirchengemeinschaft mit der  Lutheran Mission–Australia (LM-A) an. Die LM-A entstand 2024 als Abspaltung von der Lutheran Church of Australia and New Zealand (LCANZ), nachdem diese im „Way Forward Project“ den langen Diskussionsprozess um die Frauenordination in einer Kompromisslösung beigelegt hatte. Die LM-A umfasst nach eigenen Angaben etwa 1.000 Gemeindeglieder in 22 Gemeinden; die LCMS hatte ihre Entstehung unterstützt. (Zum Nachlesen im Convention Workbook, S. 336)

Die Anerkennung der LM-A ist damit nicht nur eine Erweiterung des internationalen Partnerkirchennetzwerks, sondern zugleich Ausdruck der wachsenden Spannungen zwischen der LCMS und ihrer bisherigen australischen Partnerkirche. Sie zeigt, dass die LCMS in Konflikten innerhalb anderer lutherischer Kirchen nicht neutral bleibt, sondern die Bildung konservativer Gegenstrukturen aktiv fördert.

Direkter Antrag gegen die Kirchengemeinschaft mit der SELK

Von besonderem Interesse für die SELK ist, dass der Synode eine Eingabe vorlag, die ausdrücklich die Beendigung der Kirchengemeinschaft mit der SELK wegen der in unserer Kirche stattfindenden Diskussion über die Frauenordination forderte. Zu einer solchen Sanktion kam es nicht. Der Antrag floss jedoch in die umfassendere Resolution 5-04 „To Address Concerns with Partner Churches“ ein. (Beschlossener Text in „Today’s Business“ Ausgabe 1, S. 99)

Darin nennt die Missouri Synode verschiedene Entwicklungen in einzelnen Partnerkirchen, die sie als problematisch bewertet. Dazu zählen die Diskussion über die Frauenordination, Aufgaben von Frauen, die nach Auffassung der LCMS zu Verwechslungen mit dem Pfarramt führen (hierzu zählt das Amt der Pastoralreferentin in der SELK), Kirchengemeinschaft ohne vollständige Lehrübereinstimmung, Mitgliedschaften im Lutherischen Weltbund, apostolische Sukzession, weitreichende ökumenische Zusammenarbeit sowie unionistische und synkretistische Praktiken. (Ursprünglicher Antrag 5-08, Convention Workbook S. 340)

Die Synode beauftragte ihren Präsidenten, diese Fragen gemeinsam mit seinem Team für Kirchenbeziehungen und der Kommission für Theologie und Kirchenbeziehungen (CTCR) in den kommenden drei Jahren weiterhin „direkt und dringend“ mit den Partnerkirchen zu bearbeiten und der nächsten Synode Bericht zu erstatten. Konkrete Sanktionen oder Veränderungen bestehender Kirchengemeinschaften wurden nicht beschlossen. Die Resolution bestätigt jedoch ausdrücklich die Praxis der LCMS, auf innerkirchliche Entwicklungen ihrer Partner einzuwirken.

Frauenordination erneut abgelehnt

Mit Beschluss von Resolution 5-08 bekräftigte die Synode, dass das Hirtenamt nach Auffassung der LCMS ausschließlich qualifizierten Männern vorbehalten sei. Die Ordination von Frauen widerspreche der „klaren Lehre der Heiligen Schrift“. Zugleich würdigt der Beschluss den Dienst von Frauen und nennt zahlreiche haupt- und ehrenamtliche Tätigkeiten, in denen sie ihre Gaben einbringen sollen. (Beschlossener Text in „Today’s Business“ Ausgabe 1, S. 104)

Bemerkenswert ist der Hintergrund der Resolution: Zu den zugrunde liegenden Eingaben gehörten auch Forderungen, das seit Jahrzehnten bestehende kirchliche Frauenwahlrecht wieder abzuschaffen und Frauen von der Tätigkeit in Vorständen und Ausschüssen auszuschließen. Der beschlossene Text weist diese weitergehende Position zurück. Dass dieser Antrag auf die Tagesordnung der Synode gelangte, deutet auf tatkräftige Bestrebungen in der LCMS hin, die Rolle von Frauen in der Kirche weiter zurückzudrängen. (Ursprünglicher Antrag 5-35, Convention Workbook S. 357)

Debatte um Schriftlesungen im Gottesdienst

Dies zeigt auch Resolution 5-09A zum öffentlichen Verlesen der Heiligen Schrift. Ausgangspunkt war ein älterer CTCR-Bericht, der ausdrücklich festhält, dass Lesungen aus der Bibel zum Priestertum aller Gläubigen gehören und es kein apostolisches Verbot gebe, das Frauen vom Lesen im Gottesdienst ausschließe. Dennoch empfahl der Bericht, die Lesungen im regulären Hauptgottesdienst in der Regel dem Pastor vorzubehalten. Der zunächst vorgelegte Antrag wollte dies zur offiziellen Empfehlung der LCMS an ihre Gemeinden machen, beschlossen wurde allerdings ein abgemilderter Text. Demnach wird eine endgültige Entscheidung (noch) nicht getroffen. Stattdessen sollen die Fakultäten der beiden theologischen Seminare insbesondere 1. Timotheus 4,13 untersuchen; die Ergebnisse werden vom Rat der Präsidenten ausgewertet und der nächsten Synode vorgelegt. (Beschlossener Text in „Today’s Business“, Ausgabe 3, S. 325-326)

Die Tatsache, dass es diverse Anträge an die Synod Convention gab, Frauen als Lektorinnen in Gottesdiensten abzuschaffen, zeigt die starken Tendenzen innerhalb der LCMS, die Mitwirkung von Frauen im kirchlichen Leben weiter einzuschränken.

Rassismus und christlicher Nationalismus

Neben den kirchenpolitischen Fragen befasste sich die Synode auch mit gesellschaftlichen Entwicklungen. Mit Resolution 4-08A verurteilte sie erneut jede Form von Rassismus als Sünde und beauftragte die CTCR, sich künftig intensiver mit Themen wie Rassismus, Antisemitismus und christlichem Nationalismus auseinanderzusetzen und dazu theologische Orientierungshilfen zu erarbeiten. Ziel sei es, Gemeinden Ressourcen zur Förderung von Buße, Versöhnung und christuszentrierter Einheit an die Hand zu geben.

Angesichts aktueller gesellschaftlicher Debatten in den USA gehört dieser Beschluss zu den bemerkenswerten neuen Akzenten der Synode. Die letzte Tagung der 15. Kirchensynode der SELK hatte mit der gleichen Zielsetzung die Einrichtung einer Arbeitsgruppe beschlossen, die hoffentlich bald ihre Arbeit aufnimmt.(Beschlossener Text in „Today’s Business“, Ausgabe 2b, S. 291)

Grußwort aus der SELK

SELK-Bischof Hans-Jörg Voigt nahm als Gast an der Synode teil; sein Grußwort wurde in den Synodalunterlagen veröffentlicht. Darin sprach er offen über die Auseinandersetzung um die Frauenordination in der SELK. Immer mehr jüngere Pastoren stünden nach seiner Darstellung auf der Seite einer biblischen Begründung gegen die Frauenordination. Zugleich verwies er auf die von der 16. Kirchensynode eingesetzte Einheits- sowie Trennungskommission und ließ offen, ob am Ende alle Gemeinden in der SELK verbleiben würden. (Sammlung der Grußworte an die Synod Convention, Grußwort von Bischof Voigt auf S. 222)

Bedeutung für die SELK

Die Anträge an die Synod Convention machen deutlich, dass die Entwicklung der LCMS zu einer Theologie der Unterordnung der Frau weitergeht und dass es starke Bestrebungen in der LCMS gibt, dass Frauen künftig eine noch geringere Rolle als bisher in dieser Kirche spielen werden. Andererseits wird deutlich, dass die LCMS die Ablehnung der Frauenordination als wesentlichen Teil ihrer Identität versteht und diese Haltung unbedingt in allen internationalen Partnerkirchen durchsetzen will – andernfalls werden bestehende Partnerschaften beendet.

Die SELK muss sich angesichts der zunehmenden Verschärfung dieser theologischen Gender-Ideologie in der LCMS fragen, inwieweit sie künftig ihren eigenen Kurs von der über viele Jahrzehnte wichtigen Partnerkirche bestimmen lassen will. Dass die Einflussnahme auf unsere Kirche erklärtes Ziel der Missouri Synode ist, muss bei der Zukunftsarbeit der Einheits- und der Trennungskommission jederzeit mitgedacht werden. Wie stark dieser Faktor die künftigen Entscheidungen beeinflussen wird, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, ob die SELK ihre theologischen Beratungen eigenständig führt.

Hier zum „Convention Workbook“ mit allen Beschlüssen im Original.

30.07.2026

Das Beitragsbild zeigt die Webseite der LCMS Synod Convention vor dem Hintergrund von Phoenix, Arizona, und wurde von der Redaktion erstellt.

 

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