Ein Appell von Aufbruch SELK e. V.
Liebe Geschwister in der SELK,
unsere Kirche steht an einem Scheideweg. Seit vielen Jahren ringen wir um die Frage, wie wir trotz unterschiedlicher theologischer Überzeugungen gemeinsam Kirche sein können. Viele Menschen haben in dieser Auseinandersetzung Verletzungen erfahren, viele sind müde geworden, manche haben die Hoffnung auf eine Verständigung bereits aufgegeben.
Mit dem von der Einheitskommission vorgeschlagenen Prozess „Wegzeit“ hat sich noch einmal eine Perspektive eröffnet: ein gemeinsamer Weg des Innehaltens, des Zuhörens und der geistlichen Vergewisserung. Ein Weg, auf dem wir uns nicht nur fragen, was uns trennt, sondern vor allem, was uns verbindet. Ein Weg, dessen Ausgang offen ist: Vielleicht gelingt es uns, eine gemeinsame Zukunft in versöhnter Verschiedenheit zu gestalten. Vielleicht müssen wir aber auch anerkennen, dass unsere Vorstellungen von Kirche nicht mehr miteinander vereinbar sind, und Wege einer geordneten Trennung finden.
Kirchenleitung und Kollegium der Superintendenten haben sich für diesen Prozess ausgesprochen. Im nächsten Schritt wurde der Prozess am 30.10.2026 bei einem eigens einberufenen Allgemeinen Pfarrkonvent beraten. Hier der Bericht von SELK_news dazu. Ziel war es, dass der Prozess auch hier eine breite Unterstützung von mindestens 80% der Pfarrpersonen findet. Die Beratungsfirma Kairos, die den Prozess mit entwickelt hat und begleiten würde, hatte deutlich gemacht, dass dies eine Voraussetzung für die Durchführung wäre.
Die Abstimmung beim APK war ernüchternd. Zwar stimmten 49 Pfarrpersonen mit Ja, aber 28 mit Nein und 2 enthielten sich der Stimme. Dieses Verhältnis von 62% für den Prozess und 35% dagegen ist weit von den erforderlichen 80% entfernt. Dieses Ergebnis ist ein schwerer Rückschlag für die Zukunftsarbeit unserer Kirche. Gerade für diejenigen, die seit Jahren auf Veränderungen hoffen, ist die Enttäuschung groß. Wir können verstehen, wenn dann manche sagen: Jetzt reicht es. Ich gehe.
Wir bitten euch: Geht noch nicht!
Kirchenleitung und Superintendenten beraten zur Zeit darüber, wie wir mit diesem Abstimmungsergebnis umgehen werden. Auch wenn die „Wegzeit“ nicht zustande kommen sollte, ist damit noch nicht alles entschieden. Unsere Kirche besteht nicht allein aus ihren Pfarrern und Leitungsgremien. Sie besteht aus Gemeinden, aus Menschen, die miteinander glauben, hoffen, beten und das Evangelium leben. Und diese Menschen haben eine Stimme. Sie haben Verantwortung für die Zukunft ihrer Kirche. Diese Verantwortung sollten wir gerade jetzt nicht aufgeben.
Noch gibt es Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch zu kommen und nach tragfähigen Lösungen zu suchen. Und selbst wenn sich herausstellen sollte, dass wir nicht mehr gemeinsam weitergehen können, bleibt uns eine wichtige Aufgabe: Wir müssen dafür sorgen, dass wir in Würde und gegenseitigem Respekt auseinandergehen können. Eine solche Trennung darf nicht im Streit, unter Zeitdruck oder auf Kosten der Gemeinden geschehen. Sie braucht sorgfältige Beratung, transparente Entscheidungen und die Beteiligung möglichst vieler Kirchglieder. Die dafür eingesetzten Kommissionen und Gremien brauchen unsere Aufmerksamkeit, unsere Unterstützung und unsere kritische Begleitung.
Deshalb appellieren wir an alle, die sich eine offene, vielfältige und zukunftsfähige SELK wünschen: Bleibt dabei! Bringt euch ein! Erhebt eure Stimme! Lasst nicht zu, dass Enttäuschung und Resignation darüber entscheiden, wie unsere Kirche in Zukunft aussieht.
Wir wissen nicht, wohin unser gemeinsamer Weg führen wird. Aber wir sind überzeugt: Gott ist mit seiner Kirche noch nicht fertig. Und deshalb sollten auch wir nicht vorschnell mit ihr fertig sein.
Am kommenden Montag, 02.11., laden wir alle interessierten Kirchglieder ab 18.30 Uhr zu unserem Offenen Austausch per Zoom ein. Wer dabei sein möchte, wendet sich bitte per E-Mail an solveig.schnaudt@aufbruch-selk.de.
Aufbruch SELK e. V.
Der Vorstand
01.11.2026

