Zum Inhalt springen

Gespräch zwischen Kirchenleitung und Aufbruch SELK

Am 22. April fand ein Gespräch zwischen der Kirchenleitung der SELK und dem Vorstand des Vereins Aufbruch SELK e. V. statt, nachdem es von beiden Seiten angeregt worden war. Auf eine Begrüßung durch den moderierenden Propst Kurz und einen von Propst Ackermann gestalteten geistlichen Impuls folgte zunächst eine ausführliche Vorstellungsrunde, in der alle Beteiligten sich und ihre Motivation für ihr kirchliches Engagement vorstellten.

Hierbei wurde eine teilweise sehr unterschiedliche Sichtweise auf die aktuelle Lage der SELK deutlich. Während einige Mitglieder der Kirchenleitung betonten, dass die Kirche in manchen Bereichen wachse, d.h. Menschen getauft werden und zur SELK hinzukämen, machten Vertreter von Aufbruch SELK deutlich, dass in vielen Gemeinden Menschen sich mit ihren Anliegen nicht gesehen, ja ignoriert fühlen, deshalb die Kirche verlassen oder sogar hinausgedrängt werden.

Entsprechend der von der Kirchenleitung vorgeschlagenen Tagesordnung stellte der Verein nun den Hintergrund seiner Entstehung, seine Ziele und seine Aktivitäten vor. Hierbei wurde insbesondere auf die von der Synodalkommission Szenarien gesammelten Voten aus den Gemeinden und die weitgehende Nichtbeachtung dieser klaren Positionierung durch den 2025 tagenden Allgemeinen Pfarrkonvent und die 3. Sitzung der Kirchensynode eingegangen, die entscheidende Gründe für die Gründung des Vereins bildeten. Es wurde erklärt, dass die Gründung in der Form eines Vereins dem ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder Struktur, Verbindlichkeit und rechtliche Handlungsfähigkeit verleiht. Zugleich wurde betont, dass Aufbruch SELK keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zu den bestehenden Gremien der SELK darstellt und diese unterstützt. Wie die aktuellen Entwicklungen in der SELK zeigen, ist diese ergänzende Unterstützung dringend nötig.

Als generelles Ziel von Aufbruch SELK wurde die Zukunftsarbeit der Kirche dargestellt. Hierbei wurde die Ermöglichung der Frauenordination, die nach der Überzeugung des Vereins unverzichtbar ist, genannt, war jedoch nicht Gegenstand der Diskussion. Insbesondere setzt sich der Verein gegen fundamentalistische und biblizistische Entwicklungen in der SELK ein, die vermehrt zu beobachten sind. Als Aktivitäten des Vereins wurden u.a. die verschiedenen Arbeitsgruppen zu Anträgen, Seelsorge, Netzwerken und Medien dargestellt, weiterhin die bisherigen und geplanten Informationsveranstaltungen.

In der sich anschließenden Diskussion wurde insbesondere auf die Frage nach der Kommunikation in der Kirche eingegangen. Es wurde von vielen Beteiligten beider Seiten der Wunsch nach einer Verbesserung des Austauschs auf unterschiedlichen Ebenen geäußert. Mitglieder der Kirchenleitung kritisierten fehlerhafte oder aus ihrer Sicht unangemessen kritische Darstellungen des Vereins z.B. auf der Plattform MITTEN AUS DER SELK. Vorstandsmitglieder von Aufbruch SELK formulierten die eindringliche Bitte an die Kirchenleitung, ausgewogen in den kircheneigenen Medien zu berichten und Meldungen zum Thema Frauenordination nicht abzulehnen. Es wurde die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, diese Punkte verbessern zu können.

Mitglieder der Kirchenleitung stellten die Frage, weshalb Aufbruch SELK sich nicht um eine Zuordnung zur SELK gemäß Zuordnungsvorschrift (KO 200) bemühe. Die Vereinsvertreter*innen machten deutlich, dass die „Zuordnung“ ein Verfahren zur kirchlichen Aufsicht über (z.B. diakonische) Einrichtungen sei, die auch Arbeitnehmer*innen beschäftigen, die nicht zur Kirche gehören. Hier soll durch die Zuordnung sichergestellt werden, dass diese Einrichtungen sich nicht von den Grundlagen und Interessen der Kirche entfernen. Da der Verein Aufbruch SELK ausschließlich aus Kirchgliedern und Gemeinden der SELK besteht, gemäß Satzung auf dem Boden der Heiligen Schrift und der Lutherischen Bekenntnisse steht, der Zukunftsarbeit der SELK verpflichtet ist und keine Angestellten von außerhalb beschäftigt, ist keine Notwendigkeit für eine Zuordnung gegeben.

Die Antragsvorlage zum „AKK Vorbehalt“, die von Aufbruch SELK erarbeitet wurde, wurde während des Gesprächs zwischen Kirchenleitung und dem Vereinsvorstand nicht diskutiert. Der Beschluss für Gemeindeversammlungen der SELK dient dazu, möglichst viele der von den Beschlüssen des APK und der Kirchensynode zutiefst frustrierten Kirchglieder dazu zu motivieren, ihre Kirchbeiträge weiterhin zu zahlen und zugleich ein wichtiges Signal an die kirchenleitenden Gremien zu senden, dass eine Veränderung notwendig ist, um das solidarische Finanzierungsprinzip der SELK zu sichern. Mindestens 19 Gemeinden mit insgesamt über 15% der SELK-Kirchglieder haben den Vorbehalt beschlossen. Weitere Informationen in dem hier verlinkten Beitrag. 

Von Gesprächsteilnehmer*innen beider Seiten wurden teilweise sehr emotionale Erfahrungen innerhalb der kirchlichen Debatten angesprochen. Über viele Beobachtungen zum Thema Ausgrenzung von Frauen in der SELK zeigten sich Mitglieder der Kirchenleitung überrascht. Es wurde deutlich, dass die Wahrnehmung von Problemen und die Perspektivübernahme eine zentrale Herausforderung im Dialog darstellen. Genau hieran, nämlich an Dialogformaten insbesondere für die kirchliche Basis, muss intensiv gearbeitet werden, um die Einheit der Kirche auch in Zukunft gewährleisten zu können. Der Verein Aufbruch SELK bot hierbei seine uneingeschränkte Unterstützung an. Ein weiteres Gespräch zwischen Kirchenleitung und Verein zur Vertiefung einiger inhaltlicher Fragen wurde von beiden Seiten explizit gewünscht.

Das Gespräch wurde nach ca. zweieinhalb Stunden mit einem Gebet und Segen beendet. Seit dem Gespräch hat Aufbruch SELK je einen Brief mit dem Angebot umfassender Unterstützung an die beiden von der Kirchensynode eingesetzten Kommissionen versendet, dem Präsidium der Kirchensynode Unterstützung bei der Ermöglichung der Liveübertragung der diesjährigen (online stattfindenden) Sitzung angeboten und der Redaktion der kirchlichen Nachrichtenkanäle drei Texte mit der Bitte um Veröffentlichung (im Sinne einer von beiden Seiten angestrebten Verbesserung der kirchlichen Kommunikation) zukommen lassen.

(ms)
31.05.2026

Das Beitragsbild wurde von der Redaktion unter Verwendung der KI ChatGPT erstellt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert