Aus gegebenem Anlass veröffentlichte Bischof Hans-Jörg Voigt am vergangenen Samstag, 22.08.2026 eine Erklärung mit dem Titel „Rassismus und Antisemitismus sind nicht christlich“. Voigt warnt in dem auf selk.de veröffentlichten Text vor einer politischen Vereinnahmung der SELK, die zwar als gemäßigt konservativ gelte, sich aber nicht nach politischen Kategorien beurteilen lassen dürfe. Maßstab der Kirche seien Gottes Wort und der Dienst am Mitmenschen. Besonders verweist Voigt auf die Verantwortung für Geflüchtete, deren Leben durch eine verschärfte Abschiebepolitik bedroht sei und die unsere Hilfe brauchen. Unter Verweis auf eine Stellungnahme der 15. Kirchensynode betont er: Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit seien mit dem christlichen Glauben unvereinbar; auch völkischem Nationalismus müsse widersprochen werden. Trotz der lutherischen Unterscheidung von Staat und Kirche dürfe die Kirche angesichts menschenfeindlicher Ideologien nicht schweigen. Autoritäre Systeme und Diktaturen seien auch in der Vergangenheit stets Feinde der christlichen Kirchen gewesen.
Der leitende Geistliche der SELK reagiert damit auf einen vor kurzem bekannt gewordenen Vorgang: Anfang August waren in einer SELK-Gemeinde zwei Mandatsträger der in Teilen verfassungsfeindlichen AfD getauft worden. Die beiden Personen, die einem Landesverband der AfD angehören, der als gesichert rechtsextrem gilt und vom Verfassungsschutz beobachtet wird, hatten zuvor nach Angaben des Pfarrers ein Jahr lang Taufunterricht erhalten. Ihre öffentlichen Tätigkeiten für die Partei beendeten sie jedoch nicht. Die AfD hatte in der Vergangenheit immer wieder gezielt die Nähe konservativer Freikirchen gesucht, um sie nach dem Vorbild des „Christlichen Nationalismus“ in den USA als Verbündete im von ihr angestrebten „Kulturkampf“ zu instrumentalisieren. Zuletzt hatte die Partei im Anfang 2026 veröffentlichten Entwurf für ihr „Regierungsprogramm“ in Sachsen-Anhalt die evangelischen Landeskirchen und die römisch-katholische Kirche scharf kritisiert und Freikirchen, Baptisten und Orthodoxe als für sie positive Gegenmodelle angesprochen (S. 54).
Abgesehen davon, dass die AfD die Spaltung der Gesellschaft befördert und das erklärte Ziel hat, zentrale Elemente der freiheitlich-demokratischen Grundordnung abzuschaffen, ist sie eine zutiefst unchristliche Partei, was sich etwa in ihrem „Regierungsprogramm“ für Sachsen-Anhalt zeigt. Menschen werden hier nach Herkunft, Religion und sexueller Identität kategorisiert. Migranten werden als „kulturfremde Menschen“ bezeichnet, arme EU-Zuwanderer als „Sozialstaatsnomaden“. Über den Islam heißt es, er sei eine „kulturfremde Religion“, deren freie Ausübung eingeschränkt werden solle. In Bezug auf sexuelle Orientierung und Identität wird jede nicht heterosexuelle Lebensweise als „sexuelle Abweichung“ bzw. und „nicht-reproduktiv“ abgewertet. Dass entgegen anderslautender Beteuerungen auch antisemitische Positionen in der AfD vertreten werden, dokumentiert eine Analyse des Verfassungsschutzes Sachsen-Anhalt, in der über zahlreiche „muslimfeindliche, rassistische und auch antisemitische Aussagen von Funktions- und Mandatsträgern“ berichtet wird. Diese Ideologie der Ungleichheit steht dem Evangelium entgegen: Für Jesus hängen Menschenwürde, Nächstenliebe und Barmherzigkeit gerade nicht von Herkunft, Religion oder Lebensweise eines Menschen ab.
Dass Bischof Voigt in seiner Stellungnahme die AfD nicht namentlich benennt, entspricht einer kirchlichen Tradition. Andere Kirchenvertreter haben kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 06. September 2026 diese Zurückhaltung aufgegeben. Der römisch-katholische Bischof von Magdeburg Dr. Gerhard Feige erklärte unlängst, die Wählenden sollten sich intensiv mit den Wahlprogrammen beschäftigen und nicht „aus dem Bauch heraus ins Blaue hinein wählen“. Er warnte ausdrücklich vor „verheerenden Auswirkungen“ einer AfD-Landesregierung (hier ein Artikel dazu auf Spiegel.de). Schon im April hatte Feige gemeinsam mit Kirchenpräsident Karsten Wolkenhauer (Evangelische Landeskirche Anhalts) und Landesbischof Friedrich Kramer (Evangelische Kirche in Mitteldeutschland) erklärt: „Die Positionen der AfD in Sachsen-Anhalt sind mit dem christlichen Menschenbild nicht vereinbar.“
(ms)
25.08.2026
Das Beitragsbild wurde von der Redaktion mit Hilfe der KI ChatGPT erstellt.

Danke, Michael, für diesen Text, und danke auch für die Verweise zu den Stellungnahmen der katholischen und evangelischen Kirche in Sachsen-Anhalt und Mitteldeutschland.
Meinen besonderen Dank an Bischof Voigt für seine klaren Worte und die deutliche Stellungnahme, dass die Positionen der AFD (wenn er die Partei auch nicht klar benennt – muss er auch gar nicht) mit dem christlichen Menschenbild und auch der Realität in der SELK nicht vereinbar sind! Das mindert meine Sorge, dass die SELK noch weiter und gefährlich „nach rechts“ abrutschen könne…
Hoffentlich werden die zitierten Stellungnahmen der Kirchenleitenden diejenigen Christen wachrütteln, die aus Unzufriedenheit, aus einer Protesthaltung gegen andere Parteien heraus oder aufgrund einer unspezifischen Zukunftsangst mit dem Gedanken spielen, in Sachsen-Anhalt die AFD zu wählen. Und an alle Christen, die aus Überzeugung dort AFD wählen wollen: lesen Sie die Bergpredigt und Jesu Worte – und spiegeln sie daran das AFD Parteiprogramm in Sachsen-Anhalt.
Besonders wichtig ist für unsere Kirche die Abgrenzung zur AfD wegen unserer vielen Schwestern und Brüdern aus anderen Ländern, die den Weg in unsere Gemeinden gefunden haben. Für sie würde die Umsetzung des AfD Programms eigentlich Unvorstellbares bedeuten. Was dort über Fremde, Asylsuchende, Flüchtlinge und andere Menschen steht, ist ein brutaler Angriff auf die Kinder Gottes. Dieses Thema hat der Bischof zurecht in seiner Erklärung herausgestellt.
Und auch auf Grund der Historie unseres Landes ist es unsäglich was die AfD fordert. Unser Grundgesetz schützt nicht nur Deutsche. Und wer das ändern will, ändert das Fundament unseres Landes.
Thomas Hartung
Ich finde es sehr gut und ganz wichtig, dass sich unser Bischof eindeutig gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit geäußert hat. Vielen Dank dafür.
Auch ich bin der Meinung, dass die Aussagen der AFD zu Migranten und Flüchtlingen nicht zum christlichen Menschenbild passen. Es wäre daher nur zu wünschen, dass die beiden Getauften sich von der AFD trennen. Alles andere wäre aus meiner Sicht nicht haltbar.
Was mich interessieren würde: Hat die Redaktion von MadS bereits versucht, mit dem Taufpfarrer oder den Täuflingen ins Gespräch über diese Sache zu kommen? Meines Erachtens nach wäre dies der unter Christen zuerst gebotene Weg – besser als mit diesem Fall gleich an die Öffentlichkeit zu gehen.
Ich kann die Sorge der Redaktion gut nachvollziehen, dass die SELK allmählich immer mehr von rechtsextrem denkenden Menschen unterwandert werden könnte und die Kirche sich schließlich in einer Situation wie 1933 wiederfindet. Wir sind in dieser Hinsicht ja „gebrannte Kinder“. Trotzdem sollten die Regeln eines guten, seriösen Journalismus nicht aufgegeben werden, der zuerst an die Quelle der Fakten geht, also in diesem Fall zuallererst das Gespräch mit den unmittelbar Betroffenen sucht.
Liebe Frau Krieser,
wir können Ihnen sagen, dass verschiedene Gespräche geführt worden sind. Der Bischof hat am vergangenen Samstag eine Erklärung zu Rassismus und Antisemitismus abgegeben und wir haben uns sowohl in der Redaktion MADS als auch im Vorstand Aufbruch SLEK bewusst dafür entschieden, den gegebenen Anlass dieser Erklärung in der Kirche bekannt zu machen. Und zwar jetzt, bevor es in Kürze möglicherweise andere tun…
Schöne Grüße
Hartmut Schmedt
Redaktion MADS
Lieber Herr Schmedt.
danke für die Aufklärung!
Ich finde es einerseits gut und richtig, wenn sich MadS und Aufbruch SELK öffentlich der Stellungnahme unseres Bischofs zu Rassismus und Antisemitismus anschließen. Andrerseits frage ich mich: Ist es wirklich hilfreich, im Nachhinein den Taufpfarrer und die Täuflinge auf dieser Plattform sozusagen öffentlich an den Pranger zu stellen, auch wenn keine Namen genannt wurden und viele SELKies (wie auch ich) durch diese Mitteilung überhaupt erst auf diesen Vorfall aufmerksam gemacht worden sind? Wie könnten wir in Zukunft mit solchen Dingen besser und sensibler umgehen, ohne problematische Themen grundsätzlich totzuschweigen?
Viele Grüße
Angelika Krieser
Sehr geehrte Frau Krieser,
ich bin froh, dass Sie in Ihrem vorangehenden Kommentar geschrieben haben, Sie können die Sorge darüber nachvollziehen, dass die SELK von „rechtsextrem denkenden Menschen“ unterwandert wird. Es ist diese Sorge, die unsere Veröffentlichungen in dieser Sache motiviert. Die Taufe der zwei Mandatsträger ist kein Einzelfall. Auch zu anderen SELK-Gemeinden stoßen Menschen hinzu, die die Positionen der AfD offen unterstützen. Zudem hat die AfD öffentlich erklärt, dass sie Freikirchen, Baptistische und Orthodoxe Kirchen als Komplizen im von ihr angestrebten „Kulturkampf“ gewinnen will. Nicht nur wir als Kirche, sondern auch wir als Gesellschaft nehmen die offen erklärten Ziele dieser in Teilen verfassungsfeindlichen Partei noch immer nicht ernst genug.
Wir haben diesen Fall öffentlich thematisiert, gerade DAMIT auch die Glieder und Gemeinden der SELK davon erfahren, die bisher noch nichts davon wussten – denn dies ist eine Herausforderung, der wir uns gemeinsam stellen müssen. Wenn Sie schreiben, es würde hier jemand „sozusagen öffentlich an den Pranger“ gestellt, dann macht mich diese Formulierung sehr betroffen, weil sie Ursache und Wirkung und damit die Schuldzuschreibung verdreht. Wir haben keine pauschalen Antworten auf die Frage, wie man als Gemeindeglied oder Pfarrer mit dieser Herausforderung umgeht, aber wir müssen uns damit beschäftigen und unsere Haltung klarmachen. Genau deshalb laden wir am 19.09. zum Informations- und Workshoptag zu Fundamentalismus in Kirche und Gesellschaft nach Frankfurt ein, um gemeinsam mit Expert*innen an diesem Thema zu arbeiten.
Die Alternative, nämlich die konkrete Gefahr für unsere Kirche zu verschweigen, halten wir angesichts der gesamtgesellschaftlichen Lage für verantwortungslos.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Sommer
Ergänzend zu den genannten Stellungnahmen vom Bischof Feige vom Katholischen Bistum Magdeburg und ebenso der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands haben auch die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) und die Evangelische Allianz klar gegen die Vereinnahmung der in ihren zusammengeschlossenen Kirchen durch die erwähnten politischen Programme Stellung bezogen (siehe https://www.vef.de/media/pages/erklarungen/b4a1795606-1771598390/antwort-auf-epd-anfrage-11.02.26.pdf, https://www.ead.de/fileadmin/DEA_Allgemein/Stellungnahmen/Nachfolge_braucht_Klarheit.pdf).
Ich finde es sehr gut, dass hier nochmal darüber informiert wird aus welchem Grund die Stellungnahme von Herrn Voigt so dringlich geworden ist und alles nochmal in einen nachvollziehbaren Zusammenhang bringt.
Die Verlautbarungen von SelkNews sind für mich oftmals etwas kryptisch weil ich das Gefühl habe, dass dort nur ausgewählt berichtet wird.
Ich finde MADS deutlich transparenter und wichtig für die Gesamtkirche um wichtige Hintergrundinformationen zu erhalten.
Von Herzen vielen Dank liebe Redaktion
Gott segne Eure Arbeit.
Ich verfolge seit langem das Agieren der AFD in Deutschland und auch die Erfolge, die diese Partei hat, mit großen Bedenken. Natürlich auch für die SELK! Nun mal konkret; was soll ein Pfarrer machen, zu dem ein Mensch kommt, der getauft werden will? Sieht er in ihm ein Kind Gottes oder ein Mitglied einer Gruppe, die gefährlich werden und unsere Kirche unterwandern könnte?
Wer kann so eine Entscheidung treffen?
Liebe Frau Seils,
Erwachsene Menschen, die getauft werden wollen, erhalten Taufunterricht, egal welche Hautfarbe sie haben, egal welche Nationalität sie haben, egal ob Mann oder Frau. Durch die Taufe und den Glauben an Jesus Christus sind sie alle Kinder Gottes (vgl Brief des Paulus an die Galater Kap. 3 , 26-28). Vor Gott sind sie alle gleich.
Aber das hat dann auch Konsequenzen. Wer durch die Taufe ein lebendiger Christ geworden ist , darf dann auch keine Unterschiede mehr machen zwischen verschiedenen Geschlechtern, Nationalitäten oder sozialen Stellungen. Alle Menschen sind als Menschen mit gleicher Würde und mit gleicher Wertschätzung zu begegnen. Kein Mensch darf wegen seiner Hautfarbe, wegen seines Geschlechtes und wegen seiner Abstammung benachteiligt werden. Wer wie die AFD das aber tut, kann kein Mandatsträger dieser Partei mehr sein. Ich gehe davon aus, dass diese Zusammenhänge im Taufunterricht klar und verständlich erklärt wurden. Wenn nicht, ist ein Kernelement der Taufe verschwiegen worden.
Liebe Ute,
genau um solche Fragen zu klären, hat die letzte Online-Tagung der 15. Kirchensynode im Juni die Kirchenleitung gebeten, eine Arbeitsgruppe einzurichten, die Handreichungen und Leitfäden für Pastoren und Gemeinden entwickelt. Wir können und wollen ja niemandem die Taufe verwehren oder jemanden aus politischen Gründen aus der Kirche ausschließen. Die Arbeitsgruppe könnte aber Möglichkeiten aufzeigen und Hilfestellungen erarbeiten, wie mit solch schwierigen und sensiblen Situationen in den Gemeinden umgegangen werden kann. Dies wird hoffentlich allen Beteiligten helfen, auch in angespannten politischen Zeiten seelsorgerliche Lösungen zu finden, die dem christlichen Glauben widersprechende politische Aktivitäten und Positionen nicht einfach dulden, sondern deutlich machen, dass in konkreten Situationen Umkehr und Vergebung möglich und nötig sind. Wir wünschen uns, dass diese Arbeitsgruppe nun schnell zu arbeiten beginnt.
Liebe Grüße,
Thomas Krüger