Die folgende Predigt wurde von Pfarrer i.R. Gerhard Triebe am Sonntag Sexagesimae, 08.02.2026, in der Erlöserkirche der SELK in Düsseldorf gehalten. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verfassers.
2. Korinther 3,6:
Gott hat uns tüchtig gemacht zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.
Liebe Gemeinde, vor 14 Tagen hatte ich hier von einer grundlegenden Grenzüberschreitung gesprochen, die mit dem Evangelium von Jesus Christus einhergeht. Grundlage meiner Predigt war die Geschichte von dem römischen Hauptmann Kornelius, der mit seiner ganzen Familie zum Glauben an Jesus Christus kam (Apg. 10,21-35). Mit ihr veranschaulicht Lukas diese Grenzüberschreitung. Dabei geht es zunächst um die heilsgeschichtliche Grenzüberschreitung, nämlich von Gottes Zuwendung nur zu den Juden hin zu allen Völkern. Dazu musste der Apostel Petrus in dieser Geschichte seine innere Bindung an die Reinheits- und Speisegebote des Alten Testamentes überwinden, damit er überhaupt das Haus eines Nichtjuden besuchen und mit ihm Gemeinschaft haben konnte. Um ihm diese Grenzüberschreitung zu ermöglichen, war Gott aktiv geworden: Er hatte ihm und dem römischen Hauptmann durch seinen Heiligen Geist eine neue Einsicht geschenkt. Dabei überschritt Gott selbst die Petrus vertrauten Grenzen. Er lässt sich nicht einsperren in kulturelle, religiöse oder gesellschaftliche Mauern. Nur so wurde es möglich, dass das Christentum nicht nur eine jüdische Sekte sein konnte, sondern zu einer Weltreligion wurde.
Die Grenzüberschreitung hatte ich dann auf unsere kirchliche Debatte um die Frauenordination bezogen. Dabei hatte ich mich dafür ausgesprochen, unsere überkommenen Vorstellungen wie Petrus an dieser Stelle zu überwinden und Frauen den Weg ins Pfarramt zu öffnen. Bei der heilsgeschichtlichen Grenzüberschreitung kann man mit gutem Recht sagen, dass die bereits im Alten Bund angelegt ist. Ich bin überzeugt, dass man das auch im Blick auf die Zeugnisfähigkeit und den Verkündigungsdienst von Frauen sagen kann. Auch da gibt es schon ein paar Beispiele im Alten Testament, bevor Jesus auch Frauen in den erweiterten Jüngerkreis aufnimmt und sie dann zu den ersten Zeuginnen seiner Auferstehung macht. Ich hatte dargelegt, dass ich mich selbst lange an biblische Aussagen gebunden gefühlt hatte, die eine Ordination von Frauen auszuschließen scheinen. Die Wende war gekommen, als ich entdeckt hatte, wie oft und wie weitgehend sich die junge Kirche von grundlegenden, heiligen Geboten des Alten Bundes verabschiedet hatte.
Das hat einige Reaktionen aus der Gemeinde hervorgerufen. Und da es an diesem Sonntag um das Hören auf das Wort Gottes geht, möchte ich dieses Thema heute noch einmal etwas grundsätzlicher angehen. Es geht ja letztlich um die Frage: Wie wird die Bibel richtig verstanden? Was ist so für alle Zeiten gültig und bindend und was ist zeitbedingt?
Fachleute haben dazu dicke Bücher geschrieben, denn diese Fragen sind nicht mit einem Satz und auch nicht einfach in einer Predigt zu beantworten. Grundlegend aber lässt sich sagen: Alles, was über Gott und Jesus Christus gesagt wird, ist unüberholbar. Denn aus eigener Einsicht und Erkenntnis können wir keine Aussagen über Gott machen (Vgl. 1.Kor. 2,14). Wir bleiben immer ganz und gar angewiesen auf das, was uns Gott selbst durch sein Wort in der Bibel über sich mitteilt.
Anders sieht das aus bei ethischen Fragen. Und da ist wohl kaum ein Satz des Neuen Testaments so provozierend wie dieser: „Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.“ Denn hier spricht der Apostel Paulus nicht von irgendeinem „Buchstaben“, nicht von Bürokratie oder kirchlicher Ordnung, sondern von der Heiligen Schrift selbst, genauer: vom Gesetz des Mose. Paulus wagt es, das Gesetz, das Gott selbst Israel gegeben hat, als „tötend“ zu bezeichnen – nicht weil es schlecht oder falsch wäre, sondern weil es als Heilsweg missverstanden wird. Genau an dieser Stelle berührt Paulus den Nerv des lutherischen Schriftverständnisses – und auch unserer heutigen kirchlichen Debatten.
Im Zusammenhang unseres Bibelwortes spricht Paulus ausdrücklich vom Alten Bund, vom Gesetz, „mit Buchstaben in Stein gehauen“ (V. 7). Gemeint sind die Gebote des Mose, die Israel einen Weg zum Leben weisen sollten. Entsprechend heißt es im 3. Buch Mose: „Der Mensch, der sie tut, wird durch sie leben.“ (3. Mose 18,5). Das Problem ist nicht das Gesetz selbst. Paulus sagt an anderer Stelle ausdrücklich: „So ist also das Gesetz heilig, und das Gebot ist heilig, gerecht und gut.“(Römer 7,12). Das Problem liegt woanders: Das Gesetz verheißt Leben unter der Bedingung seiner Erfüllung. Und genau daran scheitert der Mensch.
Der „Buchstabe“ tötet also nicht, weil er böse wäre, sondern weil er den Menschen unter eine Bedingung stellt, die niemand erfüllen kann. Wer das Gesetz wörtlich als Heilsweg nimmt, steht notwendig unter dem Urteil: schuldig, gescheitert, verloren.
Paulus beschreibt das drastisch: Das Gesetz bringt Erkenntnis der Sünde, aber keine Kraft zur Erfüllung. Es deckt auf – und verurteilt, gerade weil es gut ist.
Hier treffen wir Martin Luther im Zentrum seiner Theologie. Für Luther ist die Aussage des Paulus kein Randgedanke, sondern der Schlüssel zum Evangelium. In seiner Galaterbriefvorlesung sagt er: „Das Gesetz fordert, was wir nicht leisten können; das Evangelium gibt, was das Gesetz fordert.“ (WA 40 I, S. 360). Das Gesetz – der „Buchstabe“ – tut genau das, was Paulus beschreibt: Es tötet, indem es den Menschen aller Illusion beraubt, er könne aus eigener Kraft so leben, dass er Gott recht ist. Es führt ihn in die Verzweiflung an sich selbst – und genau darin erfüllt es seinen göttlichen Zweck.
Entscheidend ist: Für Luther ist das Gesetz nicht der falsche Teil der Schrift, sondern ein notwendiger Teil. Aber es darf nicht als letzter Maßstab verstanden werden. Entscheidend bei unseren Auslegungen ist für ihn, „ob sie Christum treiben oder nicht“ (WA DB 7, 384,28).
Das heißt: Wo die Schrift so gelesen wird, dass sie auf menschliche Leistung, auf erfüllbare Bedingungen, auf religiöse Selbstrechtfertigung hinausläuft, wird sie tödlich. Wo sie aber auf Christus verweist – auf das, was Gott ohne Vorbedingung schenkt –, dort wird sie lebendig. Der Geist macht lebendig, indem er den Menschen vom Gesetz weg auf Christus hin führt.
Nun wäre es ein lutherisches Missverständnis, den Geist gegen die Schrift auszuspielen. Paulus tut das nicht. Luther tut das nicht. Und ein lutherisches Schriftverständnis tut das nicht. Der Geist hebt das Gesetz nicht auf, sondern erfüllt es, indem er den Menschen aus der Logik der Selbstrechtfertigung herausführt zum Vertrauen auf Gott. Der Geist macht lebendig, weil er den Menschen unter den Freispruch des Evangeliums stellt, nicht unter neue Bedingungen. Der lutherische Theologe Oswald Bayer bringt es so auf den Punkt: „Der Heilige Geist ist kein Zusatz zur Schrift, sondern der, der uns in der Schrift Christus zuspricht.“ (Handbuch systematischer Theologie, 1994, S. 68). Der Geist relativiert den Buchstaben nicht, sondern legt ihn recht aus. Und rechte Auslegung heißt: Unterscheidung von Gesetz und Evangelium. Wo diese Unterscheidung fehlt, wird selbst das Evangelium zum Gesetz – und tötet.
Damit sind wir beim Kern des lutherischen Schriftverständnisses: Die Bibel ist kein Regelbuch für den Weg ins Heil. Sie ist Zeugnis davon, dass Gott den Menschen ohne Bedingung rettet. Alles, was in der Schrift wie eine Bedingung klingt, muss von daher gelesen werden, sonst wird der Buchstabe erneut tödlich. Das bedeutet nicht Beliebigkeit. Es bedeutet aber, dass keine biblische Vorschrift als Heilsbedingung auftreten darf – weder explizit noch implizit.
Damit komme ich noch einmal zur Frage der Ordination von Frauen. Bestimmte neutestamentliche Texte – etwa 1. Tim. 2 („Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre“) oder 1. Kor. 14 („Die Frau schweige in der Gemeinde“) – werden häufig buchstäblich gelesen, als zeitlose Ordnung: Frauen sollen nicht lehren, nicht leiten, nicht öffentlich predigen. Die entscheidende Frage lautet jedoch lutherisch nicht zuerst: Steht es so in der Bibel?, sondern: Welche Funktion hat diese Aussage im Licht von Gesetz und Evangelium? Wenn solche Texte so gelesen werden, dass sie eine Grenze der Berufung ziehen, die letztlich zur Voraussetzung für geistlichen Dienst wird, dann übernehmen sie funktional die Rolle des Gesetzes: Sie sagen, wer darf – und wer nicht. Und sie sagen es unabhängig von Berufung, Gabe und Taufe.
Damit wird – wenn auch ungewollt – ein heilsrelevantes Kriterium eingeführt: Geschlecht als Ausschlussgrund. Genau hier wird der Buchstabe tödlich, nicht weil der Text falsch wäre, sondern weil er gegen das Evangelium gewendet wird. Denn das Evangelium kennt keine solche Bedingung. Paulus selbst schreibt: „Hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“ (Gal. 3,28). Lutherisch gelesen heißt das nicht: Unterschiede verschwinden. Aber es heißt: Kein Unterschied darf zum Ausschluss vom Dienst des Evangeliums werden.
Der Geist macht lebendig, indem er die Schrift vom Heil her auslegt. Nicht: Wer erfüllt welche Ordnung? Sondern: Wo wird Christus bezeugt? Wo wird Freiheit geschenkt? Wo dient eine Ordnung dem Evangelium – und wo beginnt sie, es zu verdecken?
Viele lutherische Kirchen sind deshalb zur Ordination von Frauen gekommen – nicht trotz, sondern aus ihrem Schriftverständnis heraus. Nicht weil der Buchstabe egal wäre, sondern weil man erkannt hat: Wenn bestimmte biblische Aussagen so gelesen werden, dass sie Menschen vom Dienst am Evangelium ausschließen, dann werden sie zu Gesetz im paulinischen Sinn – und töten.
Liebe Gemeinde, Paulus sagt nicht: Der Buchstabe ist überholt. Er sagt: Der Buchstabe muss von Christus her und auf ihn hin verstanden werden. Er darf nicht der letzte Richter sein. Der Neue Bund, als dessen Diener sich Paulus versteht, lebt davon, dass Gott selbst tut, was er fordert. Der Geist macht lebendig, indem er uns aus der Logik des „Wenn – dann“ befreit. Christus ist nicht Gesetzgeber, sondern Mittler des Neuen Bundes. Dieses Wort vom „Neuen Bund“, vom „Neuen Testament“ begegnet uns bei jeder Abendmahlsfeier: „Das ist das Blut des Neuen Testaments“. Da müssen wir keine Vorbedingungen erfüllen, sondern werden angenommen, wie wir sind. Da wird unser Glaube gestärkt, und wir werden untereinander verbunden bei allen Unterschieden. Da bekommen wir Kraft für unseren weiteren Weg als Christen. So wird der Buchstabe lebendig, sodass wir ein „Brief Christi“ werden, wie Paulus hier im Zusammenhang sagt (V. 3). Dann können unsere Mitmenschen an uns etwas davon ablesen, wie Gott seine Schöpfung gedacht hat – weil wir nicht einstimmen in manche Hetzparolen, sondern geduldig, freundlich, verständnisvoll und gelassen bleiben, weil wir eine Hoffnung haben, die sich nicht in unseren Möglichkeiten erschöpft, weil wir mit Mut und Zuversicht ans Werk gehen, auch wenn wir wissen, dass wir damit die Welt nicht retten werden. Denn Gottes Liebe ist in unser Leben und in unsere Gemeinschaft eingeschrieben.
Wo Jesus Christus im Zentrum steht, wird die Schrift lebendig. Dann belebt und bewegt sie uns, in Gottes Sinne zu reden und zu handeln. Wo Christus verdeckt wird – selbst durch fromme Buchstaben –, da wird sie tödlich. Das aber ist nicht ihre eigentliche Aufgabe. Sie soll uns nach einem anderen Wort des Apostels Paulus vielmehr den Weg zum ewigen Leben weisen (2. Tim 3,15f.), und zwar durch den Glauben an Jesus Christus. Ihm nachzufolgen bedeutet, anhand des geoffenbarten Willens Gottes immer wieder für die jeweilige Zeit und Situation herauszufinden, was jetzt für uns maßgeblich ist und seiner Liebe entspricht. Amen.
Predigttext zitiert nach der revidierten Lutherbibel 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Das Beitragsbild wurde von der Redaktion mit Hilfe der KI Midjourney erstellt.

Dem ersten Teil der Predigt kann ich ja noch folgen, aber die Schlussfolgerungen im zweiten Teil erscheinen mir doch sehr schief. Die Aufforderung zum Halten der guten Gebote Gottes (die apostolischen Weisungen und Paränesen inklusive) erfüllt doch noch nicht automatisch den theologischen Straftatbestand der Gesetzlichkeit. Zum tötenden Buchstaben würden die zitierten apostolischen Anweisungen erst dann, wenn man sagen würde: ‚Wer das hält, wird dadurch leben‘ bzw. ‚Wer das anders sieht, wird deshalb verdammt.‘ Das tut aber in unserer FO-Kontroverse niemand. Es ist auch nirgendwo die Rede vom Geschlecht als „heilsrelevantem Kriterium“ oder „Ausschlussgrund“ vom Heil. Sowohl Befürworter als auch Gegner der FO bekennen, dass Männer wie Frauen allein durch den Glauben an Jesus Christus vor Gott gerecht werden. Eine Stelle wie Gal 3,28 (in der es ohnehin nicht um das Amt, sondern um den Konnex von Glaube, Taufe, Rechtfertigung und Abrahamskindschaft geht) steht daher auch jetzt schon in voller Geltung.
Die frohe Botschaft von der freien Gnade Gottes in Jesus Christus wird übrigens auch dann in keiner Weise verdeckt oder entstellt, wenn man die apostolischen Anweisungen in 1. Tim 2 und 1. Kor 14 für überzeitlich verbindlich hält und darin einen Ausschlussgrund vom Predigtamt (nicht vom Heil!) sieht. Ja, falsch gepredigt, können diese Stellen tatsächlich zum tötenden Buchstaben werden. Aber recht gepredigt, sind auch sie lebenspendendes Wort und treiben Christum. Nämlich dann, wenn man erklärt, dass hier nicht ein knechtisch-gesetzlicher Gehorsam gefordert wird, durch den man sich das Heil verdienen muss, sondern dass es um den neuen Gehorsam (vgl. CA 6) der befreiten und gerechtfertigten Kinder Gottes geht, die sich den guten Weisungen ihres himmlischen Vaters auch dann vertrauensvoll unterordnen, wenn sie sie nicht immer hundertprozentig verstehen oder dafür gesellschaftlich belächelt werden.
Sehr geehrter Herr Hebold,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir veröffentlichen ihn, weil er exemplarisch für eine Position steht, die in unserer Kirche vertreten und in der Debatte ernst genommen werden muss.
Gleichzeitig möchten wir Ihrem Beitrag entschieden widersprechen.
Sie betonen mehrfach, dass es bei der Frage der Frauenordination nicht um das Heil von Frauen gehe, sondern „nur“ um das Amt. Dennoch bleibt die Tatsache bestehen: Ihnen wird allein aufgrund ihres Geschlechts ein zentraler kirchlicher Dienst verwehrt. Das ist eine Form struktureller Ungleichbehandlung – unabhängig davon, wie freundlich, fürsorglich oder theologisch begründet sie vorgetragen wird.
Gerade deshalb greift aus unserer Sicht der Hinweis zu kurz, es handle sich lediglich um eine Frage des „neuen Gehorsams“ gerechtfertigter Christenmenschen. Denn die konkrete Folge dieses Gehorsams besteht eben darin, dass Frauen Grenzen gesetzt werden, die Männern nicht gesetzt werden. Sie dürfen glauben, lehren, studieren, sich engagieren – aber an einem bestimmten Punkt heißt es: bis hierhin und nicht weiter. Es ist eine Tatsache, dass dies von Frauen als geistliche Zurücksetzung und als Widerspruch zu der gleichen Würde und Berufung aller Getauften erlebt wird.
Wir widersprechen auch Ihrer Darstellung, wonach hier keine Gefahr bestehe, dass bestimmte Schriftstellen „tötender Buchstabe“ werden. Natürlich behaupten Gegner der Frauenordination in der Regel nicht, Frauen seien weniger wert oder vom Heil ausgeschlossen. Dennoch können Texte und Regeln verletzend oder ausschließend wirken, und das liegt nicht an der Sensibilität der Betroffenen, sondern am Charakter dieser Regeln. Wer einer ganzen Gruppe dauerhaft bestimmte geistliche Aufgaben verweigert, trifft damit eine Aussage über ihre Rolle, ihre Autorität und ihre geistliche Legitimität innerhalb der Kirche.
Genau darauf zielt die Predigt von Pfr. Triebe. Sie fragt nicht, ob diejenigen, die die Frauenordination ablehnen, bewusst gesetzlich denken oder Frauen absichtlich abwerten. Sie fragt vielmehr, welche Wirkung eine bestimmte Auslegung im Leben realer Menschen entfaltet – und ob sie tatsächlich dem befreienden Charakter des Evangeliums entspricht.
Darüber hinaus halten wir die hermeneutische Ausgangslage für weniger eindeutig, als Ihr Kommentar nahelegt. Die Kirche hat im Laufe ihrer Geschichte wiederholt gelernt, biblische Weisungen im Licht des Evangeliums neu zu verstehen – etwa im Umgang mit Reinheitsgeboten, Sklaverei, Zinsverbot oder der Rolle von Frauen allgemein. Dass Christ*innen heute bestimmte neutestamentliche Aussagen anders gewichten oder historisch einordnen, bedeutet deshalb nicht automatisch eine Geringschätzung der Schrift.
Wir glauben vielmehr: Treue zur Bibel zeigt sich nicht darin, jede einzelne Anweisung unabhängig von ihrem Kontext unverändert fortzuschreiben, sondern darin, die Mitte der Schrift ernst zu nehmen – Jesus Christus und die befreiende Liebe Gottes für alle Menschen.
Deshalb halten wir daran fest: Die dauerhafte Ausgrenzung von Frauen vom Pfarramt ist nicht einfach eine neutrale kirchliche Ordnung, sondern eine Ungleichbehandlung, die begründet werden muss – und deren Folgen für die betroffenen Frauen und für das Zeugnis der Kirche nicht verharmlost werden dürfen.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Sommer
Lieber Pfarrer Triebe,
vielen Dank für diese Predigt und für Ihren Blick auf Christus. Sie weisen im Artikel zu Recht darauf hin, dass viele dieser Fragen nicht einfach zu beantworten sind und „Fachleute dazu dicke Bücher geschrieben haben“. Besonders dankbar bin ich für die Feststellung, dass wir in der Erkenntnis Gottes ganz auf das angewiesen sind, „was uns Gott selbst durch sein Wort in der Bibel über sich mitteilt“ (vgl. 1Kor 2,14). Gerade in einer Frage wie der Frauenordination, in der wir offenbar zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen und die teilweise zu Spannungen führt, ist das eine wichtige gemeinsame Grundlage. Wenn wir darin übereinstimmen, dass das über Gott und Christus Gesagte unüberholbar ist, dann zeigt das, dass wir trotz aller Differenzen Geschwister im Glauben sind.
Auch der Hinweis, dass „der Buchstabe tötet“, weil er den Menschen unter eine Bedingung stellt, die niemand erfüllen kann, ist im Kern richtig. Niemand kann dem mosaischen Gesetz vollständig gerecht werden. Gleichzeitig gilt aber auch: Christus hat das Gesetz in jedem Buchstaben erfüllt. In ihm wird deutlich, dass das Gesetz nicht der Weg zum Heil ist, sondern auf den hinweist, der es für uns erfüllt hat.
Wenn im Artikel betont wird, dass für Luther entscheidend sei, „ob eine Auslegung Christum treibet“, kann man dem ebenfalls zustimmen. Ergänzend scheint mir jedoch wichtig, dass das Gesetz vor dem Kommen Christi im Volk Israel tatsächlich verbindlicher Maßstab war. Erst in Christus wird sichtbar, dass das Gesetz seinen eigentlichen Zweck erfüllt hat. Wer heute das Gesetz als Heilsweg festhält, verkennt daher letztlich Christus selbst.
Besonders wichtig erscheint mir die Unterscheidung von Gesetz und Evangelium. Paulus musste sich häufig damit auseinandersetzen, dass Gebote des mosaischen Bundes oder später hinzugefügte religiöse Vorschriften der Freiheit des Evangeliums im Weg standen. Das Neue Testament kennt jedoch auch apostolische Weisungen und Ordnungen für das Leben der Gemeinde. Diese sollten nicht vorschnell als „Gesetz“ verstanden werden, das der Freiheit des Evangeliums entgegensteht. Wenn Paulus etwa vor selbstgemachten religiösen Regeln warnt („Du sollst das nicht anfassen…“, Kol 2,20–21), richtet sich das gerade gegen menschliche Zusatzordnungen und nicht gegen die apostolische Lehre selbst. Schwieriger wird es für mich bei der Aussage, dass alles, was in der Schrift wie eine Bedingung klingt, so gelesen werden müsse, dass der „Buchstabe“ nicht erneut tödlich wird. Natürlich ist nach Paulus der Glaube an Christus allein Grundlage der Rettung. Gleichzeitig kennt das Neue Testament durchaus Bedingungen, an die Verheißungen gebunden sind. Etwa die Bereitshaft zur Vergebung oder das Leben im Gehorsam. Diese Bedingungen sind nicht Grundlage der Erlösung, wohl aber Ausdruck des neuen Lebens aus dem Glauben.
Ähnlich stellt sich für mich die Frage bei dem hermeneutischen Ansatz: „Die entscheidende Frage lautet nicht zuerst: Steht es so in der Bibel?, sondern: Welche Funktion hat diese Aussage im Licht von Gesetz und Evangelium?“ Dieser Ansatz ist nachvollziehbar, wirft aber auch eine Sorge auf: Könnte dadurch nicht die Gefahr entstehen, dass man Texten Funktionen zuschreibt, die über ihren eigentlichen Wortlaut hinausgehen? Die Apostel selbst warnen eindringlich davor, ein anderes Evangelium zu verkündigen (Gal 1,8). Diese Warnung gilt sicherlich uns allen gleichermaßen.
Wenn im Artikel davon gesprochen wird, dass durch den Ausschluss von Frauen vom Amt „ein heilsrelevantes Kriterium“ eingführt werde, möchte ich vorsichtig nachfragen, ob diese Formulierung nicht missverständlich sein könnte. Schließlich hängt die Rettung doch nicht davon ab, ob jemand ordiniert ist oder nicht. Als jemand, der in dieser kirchlichen Tradition noch relativ neu ist, frage ich mich daher, ob hier möglicherweise mehr gemeint ist, als tatsächlich gesagt werden soll.
Auch der Hinweis auf Galater 3,28 („hier ist nicht Mann noch Frau“) sollte meines Erachtens im Kontext gelesen werden. Paulus spricht dort von der Einheit aller Glaubenden im Hinblick auf die Verheißung und die Befreiung vom Gesetz. Die Stelle behandelt jedoch nicht unmittelbar die Frage kirchlicher Ordnungen oder Ämter.
Wenn gefragt wird, „wo eine Ordnung dem Evangelium dient und wo sie beginnt, es zu verdecken“, scheint mir ebenfalls eine Differenzierung hilfreich. Die neutestamentlichen Ordnungen zielen nicht auf die Erlösung selbst, sondern auf das Leben der Gemeinde als Braut Christi. In Offenbarung 19 wird das „gerechte Tun der Heiligen“ als Schmuck der Braut beschrieben. Diese Werke sind Frucht des Glaubens und Ausdruck eines Gehorsams, der nicht zur Erlösung führt, sondern aus Liebe zum Bräutigam entsteht. Vor diesem Hintergrund stellt sich für mich die Frage, ob solche Ordnungen wirklich nur nachrangig sind.
Eine weitere Aussage habe ich vermutlich missverstanden. Es heißt, dass biblische Aussagen, die Menschen vom Dienst am Evangelium ausschließen, im paulinischen Sinn zu „Gesetz“ werden und töten. Wenn man diesen Satz sehr wörtlich nimmt, könnte man fast fragen (leicht zugespitzt), ob dann letztlich jeder, der sich an neutestamentliche Ordnungen hält, in Gefahr steht, dem Evangelium zu widersprechen. So kann es sicher nicht gemeint sein. Gerade deshalb wäre es hilfreich, diese Aussage etwas genauer zu erläutern. Schließlich wird das Wort aus Apostelgeschichte zitiert: „Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht unrein.“ Dort geht es jedoch im Kontext darum, dass Gott die Heiden in seine Gemeinde aufnimmt. Es handelt sich also um eine Grenzüberschreitung im Blick auf das Heil und nicht notwendigerweise um eine Aufhebung von neutestamentlichen Ordnungen.
Mir ist bewusst, dass eine Predigt vieles verkürzen muss und nicht jede theologische Differenz im Detail ausführen kann. Zugleich berühren einige dieser Aussagen zentrale neutestamentliche Themen, die leicht missverstanden werden können, besonders von Menschen, die sich in dieser Frage noch keine feste Meinung gebildet haben. Ich selbst muss ebenfalls einräumen, dass ich den Text vermutlich nicht völlig unvoreingenommen gelesen habe und in meinem Urteil vielleicht an manchen Stellen zu streng gewesen bin. Dafür bitte ich um Nachsicht.
Grundsätzlich halte ich wenig davon, Predigten im Nachhinein im Detail zu zerlegen. Jeder Prediger steht unter dem Druck, in begrenzter Zeit komplexe Inhalte verständlich darzustellen. Eine vollkommen fehlerfreie Predigt zu erwarten, wäre weder realistisch noch brüderlich. Da dieser Text jedoch öffentlich zugänglich ist und eine wichtige innerkirchliche Diskussion berührt, scheint es legitim, einige Verständnisfragen zu formulieren.
Am Ende wünsche ich mir vor allem, dass wir in dieser sensiblen Frage zuerst im Umgang miteinander Weisheit und Geduld bewahren. Denn so wichtig diese Debatte auch ist; die Frage der Frauenordination gehört vermutlich nicht zu den größten Problemen, vor denen die Christenheit insgesamt steht.
Liebe Grüße,
Ihr und Euer Bruder in Christus,
Markus Kühn (Gemeinde Erfurt)
Anmerkung der Redaktion:
Den Kommentar von Markus Kühn vom 14.03.2026 hatten wir zunächst nicht veröffentlicht. Hintergrund war, dass wir zentrale Aussagen darin für inhaltlich unangemessen hielten. Insbesondere entstand für uns der Eindruck, dem Verfasser der Predigt werde mangelnde Schriftbindung und subjektive Verfälschung des Evangeliums unterstellt, während die eigene Auslegung als objektiv biblisch vorausgesetzt wurde. Genau dieser Eindruck prägt aus unserer Sicht viele innerkirchliche Debatten und erschwert echten Dialog.
Wir hatten dem Verfasser des Kommentars damals geschrieben, dass wir seinen Kommentar inhaltlich als unangemessen empfinden. Nicht wegen seines Tons — der freundlich und respektvoll blieb — sondern wegen der theologischen Stoßrichtung.
Wir widersprechen ausdrücklich der Vorstellung, die Frauenordination sei lediglich eine nebensächliche Ordnungsfrage. Frauen werden in der SELK bis heute allein aufgrund ihres Geschlechts von einem zentralen geistlichen Amt ausgeschlossen. Diese Ungleichbehandlung verschwindet nicht dadurch, dass man gleichzeitig betont, Frauen seien selbstverständlich genauso von Gott geliebt oder genauso erlöst. Wer Menschen dauerhaft bestimmte geistliche Aufgaben verweigert, trifft damit reale Aussagen über Autorität, Berufung und geistliche Legitimität.
Gleichzeitig haben wir uns nach weiterem Austausch entschieden, den Kommentar nun doch zu veröffentlichen. Herr Kühn hat in persönlichen Nachrichten deutlich gemacht, dass er nicht an Verurteilung oder Eskalation interessiert ist, sondern sich ausdrücklich mehr lagerübergreifenden Dialog wünscht. Diese Offenheit und Selbstreflexion möchten wir anerkennen. Gerade in einer zunehmend polarisierten Kirche halten wir es für wichtig, auch deutliche Differenzen öffentlich auszuhalten — solange sie in ehrlicher und respektvoller Weise formuliert werden.
Wir stimmen Herrn Kühn deshalb in einem Punkt ausdrücklich zu: Die Art, wie wir in der SELK miteinander sprechen, wird mit darüber entscheiden, welche Zukunft unsere Kirche hat.
Die Redaktion von Mitten aus der SELK
Lieber Gerhard,
DANKE für diese Predigt!
Die Unterscheidung von Gesetz und Evangelium ist offenbar nicht so einfach zu verstehen. – „Was Christum treibet“, dem Evangelium dient ist richtig. – (Über kurze Haare und unbedeckte Häupter bei Frauen regt sich heute auch niemand mehr auf, genauso wenig wie über lange Haare bei Männern.)
Danke für Deinen mutigen Schritt in die „Weite des Evangeliums“ und Deine klare Verkündigung!
Annegret Hohls
Nunja… aufregen tue ich mich darüber nicht. Dennoch ist die paulinische Theologie um das Kopftuchgebot umfangreicher als die des „Schweigegebotes“ der Frau (und schweigen auch nur in einem kleinen definierten Rahmen…). Aber ich persönliche halte jegliche apostolischen Ordnungsgebote für bindend. Das Problem ist, dass in der, aus meiner Sicht korrekten, Ablehnung der Frauenordination der Fokus auf die Frau gelegt wird und nicht auf das große Ganze dahinter. Wenn ich ein Festhalten an den paulinischen Ordnungen fordere, muss ich auch einstehen für die Verpflichtung der Männer. Eine einseitige Ordnungsbindung in Richtung der Frau ist biblisch nicht vertretbar. Ich selber vertrete die biblische Unterordnung und aus dieser heraus stelle ich fest, dass viele Frauen sich überhaupt nur schwer unterordnen können, weil sie Männer haben, die wiederum ihre Verantwortung überhaupt nicht wahrnehmen. Leider habe ich es in christlichen Kreisen erlebt, wie Männer ihre Frauen herabwürdigen. In einem besonders schmerzhaften Beispiel habe ich selber einen Fall in der entfernteren Familie, in welchem eine Frau, trotzdem sie herabgewürdigt wurde, immer treu sich ihrem Mann ergeben hat. So ehrbar das vor Gott ist (für die Frau), so erschütternd ist es, das zu beobachten. An Männer ergehen unzählige wichtige Pflichten, die sie häufig vernachlässigen. Einige sind:
– Männer sollen wachsam und standhaft im Glauben sein (1 Kor 16,13). Häufig sind aber Frauen die geistlichen Treiber in der Familie.
– Männer sollen ihre Frauen lieben wie Christus die Gemeinde (Eph 5,25). Ich kann mir nicht vorstellen, dass Christus abends die Gemeinde zum Saufen verlassen hätte.
– Männer sollen nicht trunken sein, sondern vom Geist erfüllt (Eph 5,18). Die Satzkonstruktion zeigt, dass es hier u.U. ein entweder / oder gibt. Ich musste diesen Zustand leider auch schon häufig beobachten.
– Männer sollen fleißig arbeiten und nicht müßig sein (2 Thess 3,10–12). Zwei Fälle kenne ich, in denen werkstaugliche (christliche) Männer ihre Frauen zur Arbeit schicken und selber die Beine lang machen.
– Ein Leiter soll untadelig sein (1 Tim 3,2). Und wo findet man das?
Ich will damit einfach zeigen, dass es vor allem in der westlichen christlichen Welt häufig vor allem am Mann, welcher Oberhaupt sein soll und in Liebe, Güte und geistlicher Verantwortung seiner Familie vorstehen soll, mangelt.
Ja, ich bin dafür, dass die Frau beim Beten ihr Haupt bedeckt. Aber solche Forderungen dürfen nicht asymmetrisch sein. Wenn es so ist, wie leider all zu oft, dann haben wir es mit einer Herabsetzung der Frau in der Familie und Gemeinde zu tun. Davor möge Gott bewahren. Zuallererst haben sich Männer ihrer Verpflichtungen bewusst zu sein und diesen auch nachzukommen.
Ich denke, in unseren Kreisen ist selbstverständlich, dass wir mit dem tun apostolischer Ordnungen uns keinen Bonus der Errettung kaufen. Das Leben der Ordnungen ist einzig Ausdruck der Liebe zu Christus.
Joh 14,23: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“
Und vom Bild der Braut wissen wir
Offb 19,8: „Und es wurde ihr gegeben, sich zu kleiden in feine Leinwand, glänzend und rein; denn die feine Leinwand sind die gerechten Taten der Heiligen.“
Und das Leben der Ordnungen gipfelt im Schmuck der Braut:
Offb 21,2: „Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine Braut, die für ihren Mann geschmückt ist.“
Wir sind geliebt und gerettet rein aus Gnade. Unser Schmuck aber ist das tun nicht der eigenen, sondern der gerechten Werke. Und dieser Schmuck ist einzig ein Ausdruck der Liebe zu Christus.
Mein Anliegen an dieser Stelle ist es, dass wirklich die Herzen weit werden. Wir tun die Dinge nicht einfach nur „weil sie geschrieben stehen“. Wir tun sie weil wir unserer Liebe zu unserem Bräutigam Christus Ausdruck verleihen wollen.
Eine asymmetrische Einforderung von Ordnung gegen die Frau drückt nicht Liebe, sondern Machtausübung aus.
Ich werde kein Befürworter der Frauenordination werden. Aber ich sehe den Schmerz, der das Anliegen trägt. Und einige Begründungen kann ich sogar nachvollziehen. Doch die Liebe zu unserem Herr soll sich im Schmuck der Braut ausdrücken und daher kann ich Euch in diesem Anliegen nicht zustimmen.
Das ändert aber nicht das Geringste an meiner Liebe auch zu Euch!
Gott sei mit uns allen und führe uns auf seinen Wegen!
Sehr geehrter Herr Kühn,
danke für Ihren Kommentar. Ich finde es wichtig, dass Sie klar benennen, wie problematisch und verletzend manche patriarchalen Dynamiken in konservativen christlichen Kreisen sein können. Gerade die Beispiele, die Sie schildern, zeigen ja, dass asymmetrische Rollenbilder in der Realität eben nicht einfach nur harmlose „Ordnungen“ bleiben, sondern schnell mit Machtgefällen und Abhängigkeiten verbunden sind.
Genau deshalb müssen wir an einem entscheidenden Punkt weiter gehen, als Sie es tun.
Ich glaube nicht, dass das Problem erst dort beginnt, wo Männer ihre Rolle als „Oberhaupt“ schlecht ausfüllen. Auch eine freundlich oder verantwortungsvoll gelebte Hierarchie bleibt eine Hierarchie. Sie weist Menschen allein aufgrund ihres Geschlechts höhere und niedrigere Rollen und Autorität zu.
Deshalb überzeugt mich auch die Idee nicht, das Problem ließe sich durch eine „symmetrische“ Einforderung der Ordnungen lösen. Selbst wenn Männer ihre Pflichten konsequent wahrnehmen würden, bliebe die grundlegende Ungleichheit bestehen: Männer dürfen bestimmte geistliche Leitungsaufgaben selbstverständlich übernehmen, Frauen grundsätzlich nicht.
Ich halte es außerdem nicht für überzeugend, solche Geschlechterhierarchien unmittelbar mit Gottes Willen gleichzusetzen. Jesus selbst durchbricht immer wieder gesellschaftliche und religiöse Rollenerwartungen seiner Zeit. Er begegnet Frauen nicht als Untergeordneten, sondern als eigenständigen Zeuginnen und Nachfolgerinnen.
Trotzdem finde ich es hilfreich, dass Sie den Schmerz wahrnehmen, der hinter der Debatte um die Frauenordination steht. Viele Frauen erleben den Ausschluss vom Pfarramt eben nicht als neutrale „Ordnungsfrage“, sondern als geistliche Zurücksetzung. Das ernst zu nehmen, ist aus meiner Sicht für unsere Kirche ein wichtiger Schritt.
Herzliche Grüße
Michael Sommer
Dieser Absatz macht deutlich, wie wir die Bibel verstehen sollen.
„Dabei überschritt Gott selbst die Petrus vertrauten Grenzen. Er lässt sich nicht einsperren in kulturelle, religiöse oder gesellschaftliche Mauern. Nur so wurde es möglich, dass das Christentum nicht nur eine jüdische Sekte sein konnte, sondern zu einer Weltreligion wurde.“
Offen für Veränderung ist der Weg.
Dem hier beschriebenen Schriftverständnis kann ich nur voll und ganz zustimmen.
Hoffentlich wird diese Predigt von vielen Menschen gelesen.
Lieber Pastor Triebel,
vielen herzlichen Dank für diese Predigt und – dass sie veröffentlicht werden durfte.
In diesen Worten wird so sehr deutlich, dass der Geist wirkt. Dafür braucht es keinen Zeitgeist, der beschimpft und bekämpft werden müsste, sondern es reicht der Heilige Geist, dem allerdings der Raum gegeben werden muss, der ihm gebührt. Und so lassen wir ihn doch wirken – in Liebe zu den Menschen und an dem, was sie bedürfen.