Gastbeitrag von Pfr. i. R. Johannes Dress, Bad Bevensen, 3.6.2026
Die mitgliederstärkste Kirchengemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) im niedersächsischen Hermannsburg hat im April 2026 alle ihre 1.455 konfirmierten Glieder in einer schriftlichen Umfrage zu einer Abstimmung aufgerufen. Anlass ist die seit Jahren intensiv geführte Debatte in der SELK, ob Frauen in der SELK auch als Pastorinnen tätig sein können. Seit Gründung der SELK 1972 ist das nämlich nicht möglich.
Die Beschlüsse des Allgemeinen Pfarrkonvents und der Kirchensynode im Jahr 2025 haben alle Hoffnungen für eine Veränderung in der Kirche enttäuscht. Gemeinden, die für die Frauenordination sind, müssen für sich nun klären, inwieweit sie die offizielle Position der SELK weiter mittragen können. Daher hat der Kirchenvorstand eine Umfrage erarbeitet, die per Post an alle konfirmierten Gemeindeglieder versandt wurde. Darin wurde die Frage gestellt: „Sollen Frauen in der SELK Pastorinnen werden dürfen?“ Ziel sei es, ein klares Meinungsbild zu erstellen.
Inzwischen liegen die Ergebnisse der Umfrage vor (s. Bote, Sommerausgabe 2026, S. 12). Was daran beeindruckt ist einmal die hohe Beteiligung: 998 Gemeindeglieder haben schriftlich geantwortet, das sind 69 % aller Befragten. Das andere ist das sehr klare Ergebnis: Von 998 gültigen Stimmen haben sich 963 Stimmen für die Frauenordination ausgesprochen (96,5%), 25 dagegen (2,5%), 10 Enthaltungen (1). 96,5 % der abgegebenen Stimmen haben also für die Einführung der Ordination von Frauen votiert.
Der Kirchenvorstand der Gemeinde bedankt sich bei allen für die hohe Beteiligung von 69% und sagt: „Wir haben nun ein klares Votum, welches wir als Mandat für die zukünftige Arbeit an diesem Thema verstehen und bei Entscheidungen umsetzen wollen“ (s. Bote, S. 12).
Im Jahre 2027 sollen die beiden von der Kirchensynode eingesetzten Kommissionen, die Einheitskommission und die Trennungskommission ihre Ergebnisse vorlegen. Auf dieser Grundlage entscheiden die einzelnen Gemeinden, wie sie weiter vorgehen wollen.
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