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Große Resonanz auf Infotag „Wohin geht die SELK?“ in Kassel

„Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt!/Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.“ – Zwei Zeilen des Liedes, mit dem die knapp 50 in Präsenz und weiteren 60 online Teilnehmenden den Infotag am Samstag, 17.01.2026 in Kassel eröffneten. Gemeinsam neue Wege für die Zukunft der SELK zu finden war tatsächlich das große Anliegen dieser besonderen Veranstaltung, die der neue Verein Aufbruch SELK e. V. organisiert hatte. Die Rückmeldungen sind äußerst positiv.

Die Veranstaltung wurde von Rosemarie Lösel (Gemeinde Homberg) mit der Geschichte der Emmausjünger eröffnet: Der geistliche Impuls ermutigte die Teilnehmenden, die aktuellen Umbrüche in der SELK nicht als bloße Krise, sondern als Weg zu geistlicher Erneuerung zu verstehen. Zugleich lud der Beitrag zur Offenheit für gemeinsames Hören, Reden und Vertrauen auf Christus ein, der die Kirche auch in unsicheren Zeiten in die Zukunft führt. Es folgte eine Begrüßung durch Solveig Schnaudt (Gemeinde Brunsbrock), die Erste Sprecherin von Aufbruch SELK e. V., die der Kasseler St. Michaelis-Gemeinde herzlich für ihre Gastfreundschaft und die Möglichkeit zur Nutzung von Räumen und technischer Unterstützung dankte und das Programm für den Tag vorstellte.

Es begann nun der erste Teil der Veranstaltung mit mehreren informierenden Vorträgen zur aktuellen Situation der SELK. Michael Sommer (Gemeinde Balhorn) ging zunächst auf die Vorgeschichte (vom „Atlas Frauenordination“ 2022 bis zum 15. Allgemeinen Pfarrkonvent 2025) ein. Er stellte den dringenden Handlungsbedarf der SELK in den Feldern Kirchglieder, Finanzen und Pfarrer dar und erläuterte, wie diese Probleme durch die „rote Linie“ (Ablehnung der Frauenordination) verstärkt würden. Sein Fazit: Die SELK muss die rote Linie überschreiten, um aus dem roten Bereich herauszukommen.

Es folgte ein Bericht des Synodalen Thomas Hartung (Gemeinde Frankfurt) über die 3. Sitzung der 15. Kirchensynode im September 2025. Er stellte die großen Erwartungen, die wichtigsten Anträge, den herausfordernden Verlauf und die Beschlüsse der Synodalsitzung dar. Insbesondere ging er auf den auf der Synode erarbeiteten Leitantrag zur Einrichtung der Einheits- und der Trennungskommission ein. Sein Ausblick: Wir brechen als SELK miteinander auf, weil wir unser lutherisches Bekenntnis weitertragen wollen.

Nun wurden von Thomas Krüger (Gemeinde Münster, Zweiter Sprecher) die nach APK und Synodalsitzung 2025 entstandenen Initiativen und Arbeitsgruppen vorgestellt, wobei er vor allem drei Gruppen in den Blick nahm: die Gesprächsrunde der 32+ Hauptamtlichen, die als Reaktion auf die enttäuschenden Beschlüsse des APK zunächst das Papier „Kirche in Freiheit, Vielfalt, Weite“ und später noch einen wichtigen Beitrag zum Thema Heilsgewissheit erarbeitet hat, weiterhin die vom zuständigen Bezirksbeirat eingesetzte Arbeitsgruppe Zukunft Niedersachsen-West, die für die „Modellregion NDS-West“ tätig ist, aber auch der Trennungskommission zuarbeitet, und schließlich die AG Anträge von Aufbruch SELK e. V., in der Anträge für Gemeinden und Gruppen an die Kirchensynode entwickelt werden.

Im nächsten Punkt wurde über die bisherige Arbeit der beiden von der Synode eingesetzten Kommissionen informiert: Beide haben sich je zweimal getroffen und zunächst ihren genauen Auftrag geklärt. Michael Sommer berichtete mit Ergänzungen von Propst Jörg Ackermann, die Trennungskommission arbeite aktuell an den Themen Körperschaftsrechte, Eigentumsverhältnisse und Ruhegeldansprüche. Weiterhin nehme sie Kontakt mit der LCANZ (Lutherische Kirche von Australien und Neuseeland) auf, um von ihrer Vorgehensweise in den letzten beiden Jahren lernen zu können. Über die ersten Arbeitsschritte der Einheitskommission berichtete die online Teilnehmende Angelika Krieser (Gemeinde Berlin-Steglitz). Sie erklärte, die Kommission versuche „die verschiedenen Realitäten zum Thema Frauenordination in unserer Kirche zusammenzubringen“, und zwar durch theologische Weiterarbeit und möglicherweise durch Austauschformate. Prof. Achim Behrens ergänzte ihre Ausführungen.

Nun stellte Vera Löber (Gemeinde Balhorn) den Verein Aufbruch SELK e. V. vor, berichtete über seine Entstehung, seine Ziele und seine Arbeit. Die entsprechenden Informationen können auch auf der Webseite https://frauenordination.de/aufbruch-selk nachgelesen werden. Sie beendete die Vorstellung mit einer inspirierenden Einladung zur Mitwirkung: „Wenn Sie also mitarbeiten möchten, an der Weiterentwicklung der SELK hin zu einer zukunftsfähigen Kirche, die niemanden ausgrenzt, die auf dem Fundament der Heiligen Schrift und der Lutherischen Bekenntnisse Gottes Liebe verkündet und auch lebt, dann sind Sie herzlich eingeladen, mit dabeizusein und mitzugestalten.“

Zuletzt stellte Manfred Schütze (Gemeinde Magdeburg) ein umfangreiches und spannendes Kartenwerk vor, das verschiedene Aspekte der SELK-Statistik, wie beispielsweise Gemeinden und Seelsorge, visualisiert. Diese Karten und auch eine Karte zu den Umfrageergebnissen der Synodalkommission „Szenarien – Ordination von Frauen“ konnten in Kassel in Augenschein genommen werden. Dieses Anschauungsmaterial steht als Kommunikationswerkzeug für den Transformationsprozess unserer Kirche nun zur Verfügung.

Nach diesem umfangreichen Informationsteil folgte eine Mittagspause. Im Anschluss waren sowohl die live als auch die online Teilnehmenden zum Austausch in Gruppen eingeladen. Die Gruppen versammelten sich unter Themen und versuchten im Gespräch vor allem Fragen, Veränderungsbedarf, Anliegen an die Kommissionen, Handlungsmöglichkeiten für Gemeinden und Kirchglieder sowie Bedarf an Materialien oder Unterstützung zu formulieren.

Nach diesem Austausch wurden von den einzelnen Gruppen eine Vielzahl von konkreten Fragen und Ideen im Plenum zusammengetragen. Mehrfach wurde das Thema „Machtverteilung“ in der SELK und der damit verbundene strukturelle Reformbedarf hin zu mehr Laienverantwortung angesprochen. Auch eine Veränderung der Zensurpraxis der offiziellen SELK-Kanäle, insbesondere auf Anliegen bestimmter Personen, Gruppen bzw. Themen wurde angemahnt. ​​Die beiden Kommissionen wurden aufgefordert, öffentlich und transparent zu arbeiten. Die Gemeinden wurden eingeladen, die Besetzung der 16. Kirchensynode ab 2027 unverzüglich mitzugestalten, d.h. geeignete Kandidat/innen anzusprechen und in die Bezirkssynoden zu wählen. Es wurde ein Bedarf an weiteren Informationsveranstaltungen deutlich. Einmal (evtl. eher online) zu möglichen Beschlüssen von Gemeindeversammlungen, die Prognosen an die Allgemeine Kirchenkasse für 2027 unter den Vorbehalt der produktiven Arbeit der beiden Kommissionen zu stellen. Zum anderen (evtl. eher live) zum Thema Fundamentalismus in der SELK, das viele Menschen bewegt. Nicht zuletzt wurde darauf hingewiesen, dass die Redaktion des Nachrichtenportals MITTEN AUS DER SELK nach Mitstreitenden sucht, insbesondere für die Betreuung von Sozialen Medien.

Die Veranstaltung wurde nach einem Dank an die vielen Organisierenden und Beteiligten mit einem Gebet und Segen beendet.

Die beim Infotag verwendete Präsentation ist hier zum Download verfügbar.

Die Liveübertragungen der Plenumsteile des Infotages sind weiterhin über YouTube abrufbar: Teil 1 (Informationen) https://youtube.com/live/EtM6mkBWcU4, Teil 2 (Abschließendes Plenum) https://youtube.com/live/hjDIKV4ioqs.

(ms)
17.01.2026

Die folgende Kurzversion dieses Berichts kann frei für Gemeindebriefe, kirchliche Newsletter o.ä. Publikationen verwendet werden. Wir bitten um Mitteilung von Veröffentlichungen an info@aufbruch-selk.de

Infotag „Wohin geht die SELK?“ in Kassel

Rund 110 Teilnehmende vor Ort und online folgten am 17. Januar 2026 in Kassel der Einladung des Vereins Aufbruch SELK e. V. zum Infotag „Wohin geht die SELK?“. Ziel der Veranstaltung war es, über die aktuelle Situation der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche nachzudenken und gemeinsam Perspektiven für ihre Zukunft zu entwickeln. Die große Resonanz und die positiven Rückmeldungen zeigten den hohen Gesprächsbedarf in der Kirche.

Den geistlichen Auftakt bildete die Emmausgeschichte. Sie ermutigte, die gegenwärtigen Umbrüche nicht nur als Krise, sondern als geistliche Chance zur Erneuerung zu verstehen. Anschließend stellten verschiedene Beiträge die Hintergründe und Entwicklungen in der SELK vor, die zur Vereinsgründung führten. Dabei wurde der Reformbedarf in den Bereichen Mitglieder, Finanzen und Pfarrerschaft deutlich. Ebenso wurde über die jüngste Kirchensynode berichtet, auf der eine Einheits- und eine Trennungskommission eingesetzt wurden, um Wege für die Zukunft der Kirche zu klären.

Weitere Beiträge informierten über neue Initiativen innerhalb der Kirche, die Arbeit der beiden Kommissionen sowie über den Verein Aufbruch SELK e. V. selbst, der sich für eine zukunftsfähige und inklusive Kirche einsetzt. Ein anschauliches Kartenwerk zur SELK-Statistik verdeutlichte die strukturellen Herausforderungen und machte die Situation der Kirche greifbar.

Am Nachmittag tauschten sich die Teilnehmenden in Gruppen aus. Im Plenum wurden zahlreiche Reformanliegen gesammelt, etwa mehr Transparenz, stärkere Beteiligung von Laien und eine aktive Mitgestaltung der kommenden Kirchensynode. Auch der Wunsch nach weiteren Informations- und Austauschformaten wurde deutlich. Die Veranstaltung endete mit Gebet und Segen – und dem spürbaren Willen, den begonnenen Weg des offenen Gesprächs und gemeinsamen Aufbruchs fortzusetzen. Die Plenumsteile der Veranstaltung sind als Aufzeichnung des Livestreams auf der YouTube-Seite der Initiative Frauenordination verfügbar.

Der Verein Aufbruch SELK e. V. unterstützt Gemeinden bei der Organisation und Durchführung von Informationsveranstaltungen zur kirchlichen Zukunftsarbeit. Bitte nehmen Sie dazu mit uns Kontakt auf: info@aufbruch-selk.de. Weitere Informationen zu Aufbruch SELK e. V. unter https://frauenordination.de/aufbruch-selk

 

3 Gedanken zu „Große Resonanz auf Infotag „Wohin geht die SELK?“ in Kassel“

  1. Mitte Januar bin ich ganz gemütlich nach Hessen getuckert – in meinem kleinen hellgrünen Renault. Von Sangerhausen nach Kassel waren es nur zwei Stunden. Ich wußte vorher schon ungefähr, was der Verein „Aufbruch SELK e.V.” inhaltlich für Positionen vertritt. Ich hatte ihre Artikel, ihre Homepage, die Satzung und ihre Verlautbarungen gelesen. Aber das reichte mir nicht. Ich wollte die Mitglieder, den Vorstand, die Gäste mal mit meinen eigenen Augen sehen und mit meinen eigenen Ohren hören, was sie zu sagen hatten. Und ich wollte es mir zu Herzen nehmen: Ich wollte fühlen, wie es sich mitten in einer Gruppe von Befürwortern der Frauenordination anfühlt.

    Um es kurz zu machen: Es war ein tolles Gefühl! – Ein kaum geheizter, rappelvoller Gemeindesaal, viele Leute wie ich über 50 Jahre alt, kaum Jugendliche, Frauen und Männer durcheinander. Viele hatten ihre Jacken anbehalten. Ein paar kannte ich aus unserm Hausbibelkreis während meines Studiums in Göttingen, von Jugendtreffen in den 80er Jahren in der DDR, von der Hochschule in Oberursel, von Pfarrkonventen, manche von Youtube-Videos. Es war großartig dort! Konzentrierte Ruhe im Raum – während vorne geredet wurde. Es herrschte eine Aufbruchstimmung. Die Leute waren hoffnungsvoll. Sie waren fromm und beteten. Es wurde ein Bibeltext ausgelegt. Die Menschen lächelten und waren aufmerksam. Sie waren in Bewegung, in einer gemeinsamen inneren Bewegung, verbunden durch eine gemeinsame Hoffnung: Hoffnung auf einen Aufbruch in unserer Kirche. Hoffnung auf das Überwinden von verkrustet erlebten Strukturen in der SELK, Hoffnung auf eine neue kirchliche Kultur, auf einen neuen Umgang in unserer Kirche, auf ein gutes Miteinander von Männer und Frauen. Sie wollten Freiheit!

    Ich saß still in der letzten Reihe und verstand: Dies hier ist eine Freiheitsbewegung! Die Menschen in Kassel hatten Hoffnung auf Freiheit, auf Veränderung, auf eine neue und bessere Kirche. Sie wollten Freiheit und eine andere Kirche.

    Als Angelika Krieser als Mitglied der synodalen Einheitskommission über Video zugeschaltet wurde und berichtete, man prüfe eine erneute kirchenweite, tiefergehende Beschäftigung der ganzen Kirche mit dem biblischen Zeugnis, konnten viele Teilnehmer leider nur verhalten lachen und winkten enttäuscht ab. „Das hatten wir schon.”, sagte eine Frau ganz vorn. „Das bringt doch nichts!” murmelte ein Mann vor mir und schüttelte müde den Kopf.

    Ach! Ich wäre dennoch gern ein Teil von Ihnen geworden. Ich hätte ihre Hoffnung gern geteilt. Ich wäre gern ein Teil ihrer so sympathischen und fröhlichen Bewegung geworden. Aber es ging nicht. Ich konnte nicht.

    Als mittags alle fröhlich in Arbeitsgruppen strömten, da habe ich mich heimlich davongeschlichen und bin in meinem hellgrünen Twingo heimgefahren, bei dem auf der rechten Seite beide Radkappen fehlen.

    Wieso ich mich davongeschlichen habe und nicht mitmachen konnte?

    Ich muß bleiben. Ich muß bleiben, wo ich bin. Ich muß bleiben, der ich bin. Ich muß bleiben bei der alten Lehre meines Vaters und meiner Mutter, meiner Großeltern und Urgroßeltern, bei der alten Lehre meiner Kirche, meines Konfirmators, meiner Professoren und meiner Patentanten, bei der alten Lehre der Gemeindehelferinnen und Diakonissen, die ich kannte und immer noch sehr schätze. Ich muß bleiben beim uralten Zeugnis der Schrift, bei unseren alten Ordnungen und Agenden, bei unserer alten, verletzten, kranken Kirche. Ja. Doch. Ich muß bleiben.

    Wieso?

    Unsere Kirche ist manchmal fehlerhaft und oft matt und hoffnungslos. So wie ich.

    Aber diese armselige Kirche bleibt doch unsere alte Mutter, die uns ernährt mit Himmelsbrot aus der Hand Jesu, die uns pflegt an seiner Stelle und die uns lehrt und trägt mit seiner Kraft ins Himmelreich. Man verläßt seine Mutter nicht, auch wenn sie müde ist und manchmal ungerecht. Und unsere alte Mutter, die bleibt doch Jesu treue Magd. Darum schulde ich ihr Respekt. Und Gehorsam. – Oder nicht?

    Ich saß in meinem Renault und tuckerte langsam zurück in den Osten und fragte mich: War ich selbst respektvoll und gehorsam? Und die anderen waren mutig und voller Freiheitsdrang? Oder war ich einfach nur feige, nur ängstlich und hoffnungslos? Oder bin ich beides zugleich?

    Ich verstehe mich nicht. 

    Aber ER wird mich verstehen.

    Und darum bleibe ich.

  2. Lieber Herr Neigenfind,
    danke für Ihre Fahrt nach Kassel, Ihre Neugierde und Ihre gelungene Schilderung der Stimmung bei unserer Veranstaltung in Kassel.
    Es waren so viele Menschen vor Ort, die ich nicht oder lediglich aus unseren Online-Treffen kannte, dass Sie mir nicht aufgefallen sind.
    SCHADE, denn ich würde gerne mit Ihnen ins Gespräch kommen.
    Herzliche Grüße
    Solveig Schnaudt

  3. Liebe Frau Schnaudt,

    ich freue mich sehr über Ihre überaus freundliche Antwort auf meinen kleinen Beitrag. Daß Sie mir die Tür zum Gespräch einladend öffnen, empfinde ich als wohltuend und ermutigend. Sie hätten wohl auch die Wahl gehabt, meinen Text als polemische Absage zu verstehen. Daß Sie einem solchen Abwehrreflex nicht folgen, ehrt Sie sehr. Daß Sie “ Auf ich verstehe mich nicht. Aber ER wird mich verstehen. Und darum bleibe ich.“ singemäß antworten: „Dann lassen Sie uns gern sprechen“ zeugt von Größe und tut sicher auch dem Miteinander in unserer Kirche gut! Herzlichen Dank dafür! (Ich habe Ihre Mailadresse im Netz gefunden und würde mich – wenn es Ihnen recht ist – per Mail melden, damit wir gern einen Telefontermin vereinbaren können. Ich höre Ihnen sehr gern zu und versuche auch gern, mich zu erklären.) Mit herzlichen Grüßen bleibe ich Ihr Hartwig Neigenfind

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