Die seit vielen Jahren andauernde Diskussion über die Ordination von Frauen in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche betrifft längst nicht mehr nur eine theologische Einzelfrage. Für viele Menschen ist sie zu einem Zeichen dafür geworden, wie die Kirche insgesamt mit Konflikten, mit unterschiedlichen Überzeugungen und mit notwendigen Veränderungen umgeht. Vor allem ist die Auseinandersetzung über die Frauenordination eine Machtfrage. Gemeinden, Laien und Frauen, das haben uns die Vorgänge der letzten Jahre gezeigt, sind in den bestehenden Ordnungen der SELK strukturell benachteiligt, es fällt vergleichsweise leicht, ihre Meinungen zu ignorieren. Diese Tatsache hat zu einer großen Frustration bei vielen Kirchgliedern geführt und eine neue Dynamik in die Kirche gebracht, den Aufbruch SELK. Neben dem Engagement in Arbeitsgruppen und Initiativen laufen teilweise schon seit Monaten Protestaktionen, die freilich erst jetzt am Ende des Jahres sichtbar und spürbar werden: Zahlreiche Kirchglieder haben entschieden, ihren freiwilligen Kirchbeitrag zu kürzen oder vorübergehend auszusetzen.
In vielen Gemeindebriefen, Newslettern, Abkündigungen appellieren die meisten Gemeinden gegen Ende des Jahres an ihre Glieder, noch ausstehende Kirchbeiträge zu zahlen bzw. noch einmal aufzustocken, weil das Konto der Gemeinde noch nicht ausgeglichen ist. In diesem Zusammenhang wurden nun auch SELKis direkt angesprochen, die ihren Beitrag aus Protest gegen die mangelnde Kompromiss- und Veränderungsbereitschaft der Kirchenleitung und -gremien reduziert oder eingestellt haben. Die „Angemessenheit“ dieser Protestaktion wurde in Frage gestellt, es wurde betont, das Signal komme bei der Gesamtkirche nicht an, Schäden würden der eigenen Gemeinde entstehen (die möglicherweise Kredite aufnehmen müsse), außerdem wurde betont, dass Gehälter nicht mehr gezahlt und auch kirchliche Werke nicht mehr unterstützt werden könnten. Insgesamt ein sehr emotionaler Appell, vor allem an das Gewissen der Protestierenden: „Ihr habt eine solidarische Pflicht gegenüber eurer Kirche, erfüllt sie!“
Im Folgenden eine Erwiderung auf diesen Appell. Zunächst einmal: Die Tatsache, dass das Fehlen von Kirchbeiträgen Stress und Probleme verursacht, ist absolut unbestreitbar. Wenn die Kasse nicht stimmt, zwingt das Rendant*innen, Kirchenvorstände, Bezirksrendant*innen, Bezirksbeiräte und zuletzt auch die Allgemeine Kirchenkasse, die Kirchenleitung und die Synodalkommission für Haushalt und Finanzen (SynKoHaFi) dazu, sich mit diesem Problem auseinanderzusetzen und seine Ursachen zu beseitigen.
Nun eine weitere Tatsache: Die Verringerung der Einnahmen durch die aktuellen Protestmaßnahmen ist eine unmittelbare Folge der Entscheidungen der Kirchenleitung. Denn diese Protestmaßnahmen sind kein Zeichen von Gleichgültigkeit gegenüber der Kirche und auch kein Ausdruck von Geiz oder mangelnder Solidarität. Im Gegenteil: Viele der Betroffenen sind seit Jahren engagiert, emotional verbunden und finanziell verlässlich gewesen. Gerade weil ihnen die SELK wichtig ist, greifen sie zu diesem Mittel. Wenn Diskussionen, Anträge, Initiativen, Petitionen über lange Zeit hinweg keine Bewegung bringen, bleibt die finanzielle Beteiligung eines der wenigen Mittel, mit denen Kirchglieder überhaupt noch deutlich machen können: So, wie es jetzt läuft, geht es nicht weiter.
Der Einwand, das Signal komme bei der Gesamtkirche nicht an, wäre nur dann stichhaltig, wenn die Einnahmenausfälle einfach ausgeglichen und verschwiegen würden. Dass das offensichtlich nicht der Fall ist, zeigt die persönliche Ansprache der Protestierenden. Ein Signal, das von vielen Menschen gleichzeitig gesendet wird, ist klar erkennbar und gerade wenn es ums Geld geht, hören kirchliche Gremien erfahrungsgemäß gut zu. Ebenso greift das Argument zu kurz, der Schaden treffe vor allem die eigene Gemeinde: Aus juristischer Sicht begründet die von den Gemeinden abgegebene Prognose zum erwarteten Spendenaufkommen keinen verbindlichen Zahlungsanspruch der Allgemeinen Kirchenkasse, da eine Prognose keine rechtsverbindliche Zahlungsverpflichtung ist. Abweichungen aufgrund veränderter Spendenlagen sind daher rechtlich zulässig. Wenn eine Gemeinde also einen Kredit aufnimmt, um Zahlungen an die AKK zu leisten, dann geschieht das freiwillig. Kurzfristige finanzielle Engpässe sind schmerzhaft, keine Frage. Aber langfristig leiden Gemeinden viel stärker unter Frustration, innerem Rückzug und dem Verlust von Vertrauen.
Besonders belastend ist für viele der Vorwurf, durch die Kürzung des Kirchgeldes würden die Hauptamtlichen sowie Ruheständler der SELK leiden. Diese Sorge wird ernst genommen. Niemand möchte, dass Menschen im kirchlichen Dienst unter Druck geraten. Doch hier lohnt ein ehrlicher Blick auf die Ursachen: Die größte Gefahr für die finanzielle Zukunft der Kirche und ihrer Mitarbeitenden ist nicht der Protest engagierter Kirchglieder, sondern der jahrelange Austritt aus einer Kirche, die sich unbeweglich zeigt. Wo junge Menschen keinen Platz sehen, wo Begabungen nicht genutzt werden und wo zentrale Fragen dauerhaft vertagt werden, dort schrumpfen Mitgliederzahlen, Engagement und Einnahmen.
Nicht der Protest ist das Problem, sondern das Totstellen der SELK. Eine Kirche, die Konflikte aussitzt und Veränderung vermeidet, verliert an Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft. Appelle an das Gewissen können das nicht ausgleichen. Die Kürzung oder Aussetzung des Kirchgeldes ist daher kein Angriff auf die Kirche, sondern ein Weckruf. Sie sagt: Diese Kirche ist wichtig genug, um ehrlich zu sein. Sie braucht Bewegung, Aufbruch und den Mut, sich weiterzuentwickeln. Nur so kann sie geistlich lebendig, gemeinschaftlich tragfähig und finanziell stabil bleiben.
(ms)
28.12.2025
Beitragsbild erstellt von der Redaktion mit Hilfe der KI Midjourney.

Nur wenn wir uns vertragen und Gott gehorchen, wird es mit dem Glauben und dem Geld gut weitergehen. Ich leide seit Taize darunter, dass die Kirche so gespalten ist. Deshalb mache ich in der Ökumene mit. Auch die anderen Kirchen leiden unter Abbau von Stellen, wie ich durch die Ökumene mitbekomme. Übrigens treffe ich dort auch Pastorinnen. Einen Aufbruch durch sie kann ich nicht erkennen.
Gott hat die Welt geschaffen und Regeln aufgestellt, dass es seiner Schöpfung gut geht. Eine gute Bedienungsanleitung, so wie es jeder Schöpfer macht. Da geht es nicht um Umwelt, sondern um den Schutz des Einzelnen, der Familie, der Gesellschaft, der Armen (Witwen, Weisen, Fremdlinge, Arme – sollen von der Ernte die Nachlese bekommen) und seiner Kirche. Mit der Methode der Systemanalyse kann man erkennen, dass unser Schöpfer gute Regeln aufgestellt hat und was Gott sich dabei gedacht hat. Methode aus der Softwareentwicklung.
Er hat auch Regeln für die Kirche aufgestellt: Wer Priester an Gottes Tempel sein kann, nämlich die männlichen Nachkommen von Aron (2 Mose 28,1, 4. Mose 3,8–9). Zwei mögliche Gründe für diese Regel findet sich meiner Meinung nach in der Sündenfallgeschichte. Wir können doch Gott fragen nach seinen Willen im Gebet.
Gott hat auch gestraft, z.B. Miriam, als die sich gegen Mose auflehnte (4. Mose 12,10-15) oder auch Priester, die falsch handelten (Eli – 1. Samuel 2-4, Amazja – Amos 7, Hananja – Jeremia 28).
Gott hat Macht, seine Regeln durchzusetzen und seiner Gemeinde auch zu helfen in der Zeit der Not.
Wir alle sollten Gott fragen, was er, der Allmächtige will. Im Gebet. Gott wird antworten.
Habt Ihr in der Tagesschau kurz vor Weihnachten gesehen die Kirche in Syrien, bei der im Gottesdienst eine Bombe gezündet wurde. Der Pastor hat in der Tagesschau davon erzählt, dass der Altar auf in gefallen ist. Trotzdem haben sie im Keller einen Gottesdienst gefeiert, der voll war. Sie bauen die Kirche wieder auf.
Im Neuen Testament wird an vielen Stellen Verfolgung angekündigt. Dann brauchen wir Gottes Hilfe.
Mein Arbeitskollege, mit dem ich seid etwa 20 Jahren bete, hat mir gesagt, dass ich mindestens 5 Jahre lang wegen dieser Auseinandersetzung bete mit ihm. Er sagte, Du solltest Gott danken, dass die SELK solange durchgehalten hat. Das ist wahr. Dafür will ich Gott danken.
Herr Sommer,
Ich wäre gerne bereit mehr Geld für die SELK zur Verfügung zu stellen. Es müsste nur sicher gestellt sein, dass liberale Pfarrer (solche die für die Ordination von Frauen Eintreten) nicht daran partizipieren. Solange das nicht gegeben ist muss ich mein Geld solchen Gemeinden zukommen lassen, bei denen ich sicher sein kann, dass es nicht zweckentfremdet wird.
Ich wünsche Ihnen und uns allen, alles erdenklich Gute für 2026, vor allen Dingen, dass sich die SELK nicht trennt, sondern unter den den gültigen Ordnungen eins bleibt.
Sehr geehrter Herr Priemer,
vielen Dank für Ihren Kommentar.
Wenn ich Sie richtig verstehe, sind Sie besorgt, dass „liberale Pfarrer (solche die für die Ordination von Frauen Eintreten)“ [sic] etwas von Ihrem Geld bekommen könnten. Ihr Geld wäre dann „zweckentfremdet“. Das klingt so, als wäre der eigentliche Zweck der SELK bzw. Aufgabe der Pfarrer die Verhinderung der Frauenordination.
Seit unsere Kirche existiert, herrscht finanzielle Solidarität. Große Gemeinden subventionieren kleine Gemeinden, finanzstärkere Regionen subventionieren finanzschwächere Regionen und viele SELKis, die für die Frauenordination sind, unterstützen diejenigen Geschwister finanziell, die die Frauenordination ablehnen. Diese Solidarität ist seit dreiundfünfzig Jahren einseitig, ebenso wie die Rücksichtnahme in Bezug auf die Frauenordination einseitig ist.
Nun bedeutet das Gebot der Nächstenliebe nicht, dass wir als Christen unsere Sanftmut unbegrenzt ausnutzen lassen, irgendwann ist eine Grenze erreicht. Durch die Einrichtung der Trennungskommission ist klar, dass der Weg der SELK ab 2027 nicht weitergehen wird wie bisher. Wer befürwortet, dass alles bleibt wie es ist, kann sich darauf einstellen, dass garantiert nicht alles so bleibt wie es ist. Finanziell wird es insbesondere für kleinere Gemeinden in finanzschwächeren Regionen vermutlich schwer, ohne die Unterstützung ihrer größeren Geschwistergemeinden die pastorale Versorgung sicherzustellen. Die Proteste, die wir jetzt erleben, sind nur eine symbolische Andeutung der Schwierigkeiten, die uns bevorstehen, wenn wir nicht gemeinsam die Zukunft unserer Kirche gestalten. Solidarisch. So, dass alle darin ihren Platz haben.
Mit freundlichem Gruß
Michael Sommer