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Zwischen Einheit und Trennung: Synode erhält Einblicke in die Arbeit beider Kommissionen

Am Freitag, 19.06.2026 stellten die 2025 von der 15. Kirchensynode eingesetzten Kommissionen zur Zukunftsarbeit der SELK ihren Zwischenbericht vor. Für die synodale „Einheitskommission“ berichtete Pfarrer Johannes Heicke (Balhorn). Anstatt den schriftlichen Zwischenbericht vorzustellen, der hier nachgelesen werden kann, stellte er den gemeinsamen Weg der Kommission in sechs Phasen in den Mittelpunkt. Er betonte die wertschätzende Zusammenarbeit innerhalb der Kommission trotz teilweise erheblicher theologischer Differenzen. Die von Heicke genutzte Präsentation ist hier einsehbar.

In der „Findungsphase“ habe die Kommission v.a. intensiv an der Klärung des Synodalauftrags gearbeitet. In der daran anschließenden „Kommunikationsphase“ ging es um eine persönliche Auseinandersetzung der Kommissionsmitglieder mit dem Thema Frauenordination und Formulierung von Themen für Begegnungspfarrkonvente (s. Anhang zum Bericht). Als zunehmende „Herausforderung“ (3. Phase) beschrieb Heicke die wachsende Ungeduld innerhalb der Kirche, eine Eskalation auf beiden Seiten der Debatte sowie die Bildung von „Containern“, also voneinander abgeschotteten Lagern. Die Kommission habe sich deshalb in Phase 4 „Verstehen“ intensiv mit Konflikttheorien beschäftigt und sei zu der Einschätzung gelangt, dass ein Ausweg aus der gegenwärtigen Situation nicht allein durch weitere Sachdebatten möglich sei. So sei es in Phase 5 „Was jetzt?“ zu einem ersten Beratungsgespräch mit dem röm.-kath. Theologen und Organisationsberater Valentin Dessoy gekommen, der für Phase 6 „Wohin?“ den folgenden zweiteiligen Prozess (Phasen 6a und 6b) angeregt habe.

In einem Zeitraum (6a) bis zur konstituierenden Sitzung der 16. Kirchensynode 2027 schlägt die Einheitskommission angeregt von Dr. Dessoy die Suche nach einem gemeinsamen „Kern der Hoffnung“ vor, um eine Antwort auf die Frage zu finden, was für eine Kirche wir sein wollen. Diese Suche solle eine „geistliche Unterbrechung“ der Auseinandersetzung sein, in der wir als Kirche „auf Gott hören“ und ihn feiern. Hieran wolle die Einheitskommission nun mit Formaten auf unterschiedlichen Ebenen der Kirche arbeiten, wozu kein weiteres Mandat der Kirchensynode nötig sei.

Die 16. Kirchensynode müsse dann 2027 entscheiden, was anschießend (in Phase 6b) zu tun sei, wobei es drei grundsätzliche Optionen gebe: (a) Reden, (b) Entscheiden und (c) Beraten. Option (a) Reden würde bedeuten, in derselben Weise wie bisher theologisch weiter zu diskutieren und auf eine Lösung des Konflikts zu hoffen. Option (b) bedeutet eine Entscheidung für oder gegen die Einführung der Frauenordination (die wahrscheinlich Formen von Trennung zur Folge hätten). Option (c) Beratung meint  eine gemeinsame und ergebnisoffene Weiterarbeit im Sinne des von der Einheitskommission vorgeschlagenen Wegs. Dies sei ein umfangreicher Mediationsprozess, dessen Basis der gemeinsam erarbeitete „Kern der Hoffnung“ sei. Dabei müsse man tieferliegende Fragen bearbeiten (Schriftverständnis, Vorstellungen vom Hirtenamt und Fragen der Weltanschauung) und Optionen suchen, die den Anliegen und Bedürfnissen aller Beteiligten gerecht würden.

Heicke betonte, dass dieser Weg der Mediation Zumutungen für alle Beteiligten enthalte. Für die Befürworter der Frauenordination stelle Phase 6a womöglich eine weitere „Vertröstung“ dar, während diejenigen, die die Frauenordination ablehnen, die Ergebnisoffenheit eines Mediationsprozesses in Phase 6b womöglich schwer ertragen können. Abschließend bat Pfarrer Heicke die Synodalen, anhand der von ihm beschriebenen Phasen zur Arbeit der Kommission ihre persönliche Einschätzung zur gegenwärtigen Lage für sich selbst, ihre Gemeinden und ihren Kirchenbezirk abzugeben. Die Ergebnisse dieser Einschätzung (hier einsehbar) zeigen, dass die meisten Synodalen sich in der 6. Phase „Wohin?“ verorten, während sie ihre Gemeinden und Kirchenbezirke eher in der Phase der Auseinandersetzung (3. „Herausforderung“) sehen. Eine Aussprache zu dem Bericht folgte nicht, stattdessen wurden Kommentare und Fragen für die weitere Arbeit der Kommission im Chat gesammelt und eine Beantwortung der Fragen in Form eines FAQ („Häufig gestellte Fragen“) in den nächsten Wochen in Aussicht gestellt.

Im Anschluss stellte Propst Jörg Ackermann (Melsungen) den Zwischenbericht der Synodalkommission Trennung vor, seine Präsentation kann hier nachgelesen werden. Die Kommission war von der Synode beauftragt worden, mögliche Trennungswege innerhalb der SELK sowie deren rechtliche, organisatorische und finanzielle Folgen zu untersuchen. Dazu befasst sie sich regelmäßig mit aktuellen Entwicklungen, kirchlichen Ordnungen, Vermögensfragen, der Versorgung von Geistlichen sowie Struktur- und Organisationsfragen. Darüber hinaus wertet sie Beispiele aus anderen lutherischen Kirchen aus und sucht nach Erkenntnissen, die für die Situation der SELK hilfreich sein könnten.

So wurden bisher Gespräche mit der Lutheran Church of Australia and New Zealand (LCANZ) und der Lutheran Mission Australia (LM-A) geführt. Die LCANZ hatte 2024 die Frauenordination ermöglicht; schon vor der Entscheidung hatte sich die LM-A gegründet und einige Gemeinden und Kirchglieder der LCANZ hatten sich der LM-A angeschlossen. Mitglieder der Kommission bewerteten diese Vorgänge unterschiedlich. Die Situation sei zwar nicht direkt auf die SELK übertragbar, die Gespräche haben aber wichtige Erkenntnisse geliefert.

Daneben arbeitet die Kommission an einer Bestandsaufnahme der rechtlichen und organisatorischen Strukturen der SELK. Dazu gehören unter anderem die Erfassung von Rechtsträgern, Werken, Stiftungen und Fördervereinen, die Eigentumsverhältnisse von Kirchen und Pfarrhäusern, Fragen gesamtkirchlichen Vermögens sowie die Versorgung von Pfarrern und Ruheständlern. Auch mögliche Folgen von Gemeinde-, Bezirks- oder Pfarreraustritten werden untersucht. Hierzu werden Gespräche mit einer Gemeinde geführt, die einen Austritt aus der SELK erwägen.

Inhaltlich betonte Ackermann, dass die Kommission eine dauerhaft tragfähige Lösung für die gegenwärtigen Konflikte der Kirche für notwendig hält. Ein bloßes „Weiter so“ sei aus Sicht der Kommission keine Lösung, da sich bestehende Erosions- und Abbröckelungsprozesse dadurch weiter verstärken könnten. Die Kommission sieht die SELK personell und finanziell vor erheblichen Herausforderungen. Als weiteres Problem wurde benannt, dass notwendige Strukturreformen häufig keine Mehrheiten finden. Dabei stellt die Kommission die Frage, ob hinter manchen Entscheidungen auch das Ringen um die Kräfteverhältnisse zwischen verschiedenen kirchlichen Lagern stehen könnte.

Zu den inhaltlichen Erkenntnissen der Kommission gehört die Einschätzung, dass die gegenwärtigen Spannungen tiefer reichen als die Debatte um die Frauenordination allein. Als Konfliktfelder wurden unterschiedliche Schriftverständnisse, verschiedene Auffassungen vom geistlichen Amt sowie unterschiedliche weltanschauliche Prägungen benannt. Zugleich warnte die Kommission davor, dass die Kirche Gefahr laufe, sich zu stark mit sich selbst zu beschäftigen und darüber ihren eigentlichen Auftrag aus dem Blick zu verlieren. Insgesamt wurde betont, dass die Trennungskommission im Gegensatz zur Einheitskommission keine Szenarien für die Zukunft der SELK entwerfe und ihre Tätigkeit als der Einheitskommission nachgeordnet verstehe.

(ms)
23.06.2026

Das Beitragsbild wurde von der Redaktion unter Nutzung der KI ChatGPT erstellt.

7 Kommentare zu „Zwischen Einheit und Trennung: Synode erhält Einblicke in die Arbeit beider Kommissionen“

  1. Vielen Dank für die sachliche und ausgewogene Berichterstattung!
    Ich finde es interessant, dass beide Kommissionen unabhängig voneinander den „wunden Punkt“ ansprechen, dass die wahren Probleme der SELK tiefer liegen als nur in der Frage „Frauenordination ja oder nein“ erkennbar. In der intensiven und ehrlichen gemeinsamen Beschäftigung mit dieser Problematik liegt die Chance des Zusammenbleibens unserer Kirche. Wollen wir sie nutzen – oder brach liegen lassen?

    1. Liebe Frau Krieser,
      ich empfinde Ihren Kommentar sehr provokant. Die Ergebnisse der Synode lassen hoffen.
      Hoffen auf einen gemeinsamen Weg. Hoffen auf Verständnis. Hoffen auf einen geschwisterlichen, liebevollen Umgang miteinander.
      Natürlich wollen wir die Chance nutzen.
      Bitte gehen Sie nochmal in Sich und versuchen in Zukunft eine sensiblere Kommunikation an den Tag zu legen.
      Ein kleiner Tipp für die zukünftigen Kommunikationsversuche: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
      Mit freundlichen Grüßen
      Michael Krüger

      1. Reinhard Borrmann, Berlin

        Lieber Herr Krüger, ich bin schockiert über ihren Kommentar. Ich kann nicht verstehen, warum Sie derartig böse auf den Kommentar von Frau Krieser reagiert haben.
        So eine Auseinandersetzung sollte so nicht öffentlich geführt werden. Wir brauchen doch einander in den Gemeinden. Wenn wir dann später Pastorinnen haben, dann sollte ihnen fair begegnet werden, damit die Arbeit im Reich Gottes weitergeht und die Pastorinnen nicht die Kraft und die Freude an ihrem Dienst genommen wird.
        Synodale zu sein und in dem Arbeitskreis mitzuarbeiten, würde ich mich nicht trauen. Aus Eigenschutz, um nicht krank zu werden oder in eine Depressionsgefährdung zu geraten. Es gab auch schon andere Konfliktfelder.
        Kinder Gottes bleiben wir doch, auch wenn wir verschieden sind. Jesus leitet uns doch und hilft uns zurecht und lässt uns wachsen, wenn wir irren.
        Das Jesus Wort aus Johannes 13, 34 sollte uns zu denken geben: „Ein neues Gebot gebe ich Euch, dass ihr euch untereinander liebt….“.
        Synodale sein ist nur ein Teil der Arbeit für Jesus, es gibt viele Dienste in der Gemeinde und musikalische Dienste, über die Jeus sich freut. Die Frau Krieser in Treue getan hat.
        Lasst uns alle intensiv füreinander beten, die Weichen werden von Jesus im Himmel gestellt. Damit keiner krank wird oder anders Schaden nimmt.
        Liebe Grüße: Reinhard Borrmann

        1. Lieber Herr Borrmann,
          ich weiß nicht was genau an meinem Kommentar „böse“ ist.
          Ich habe offen gelegt, wie ich den Kommentar empfunden habe. Wenn ich jemanden damit verletzt habe tut es mir leid, aber nach den vielen Kommentaren von Frau Krieser auf dieser Website, habe ich den Eindruck gewonnen, dass sie sich der Diskussion stellen will und habe lediglich um bedachte Kommunikation gebeten, ohne Provokationen.
          Mit freundlichen Grüßen
          Michael Krüger, Bad Schwartau

          1. Reinhard Borrmann, Berlin

            Lieber Herr Krüger,
            ich will versuchen das zu erklären. Ich war erschrocken über die Schärfe der Kritik und hatte Angst bekommen, dass die Kritik Schaden verursachen könnte. Das hat mich zum Gebet bewegt. Vielleicht bin ich da zu sensibel, aber behutsamer Umgang mit anderen wird auch evtl. zukünftigen SELk Pastorinnen gut tun. Ich möchte, dass hauptamtlich arbeitenden Frauen fair behandelt werden. Objektiv schlecht finde ich den Versuch jemand seine Meinungsäußerung zu verbieten. „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Ich hoffe doch, dass dieses Forum keine „geschlossene Gesellschaft“ ist.
            Liebe Grüße: Reinhard Borrmann

  2. Liebe Frau Krieser, vielen Dank erstmal für ihre ersten lobenden Zeilen zur Berichterstattung auf ‚Mitten-aus-der-Selk‘!

    Auch den mittleren Zeilen kann ich weitesgehend nachvollziehen. Doch zum letzten Teil fehlt mir tatsächlich die Richtung , das Ziel, dessen, was sie sagen wollen?

    Als Mitglied der Einheitskommission, wenn ich richtig weiß, haben Sie ja genau das gerade erst erlebt:
    „In der intensiven und ehrlichen gemeinsamen Beschäftigung mit dieser Problematik liegt die Chance des Zusammenbleibens unserer Kirche.“

    Und nun möchte ich Sie auch genau mit ihren Worten zurückfragen: „Wollen Sie, Frau Krieser, sie, die Chance, auch wirklich (vollumfänglich) nutzen – oder brach liegen lassen???“ Insofern eine gute Frage!

    Sich dessen nochmal bewusst zu werden, ist die ziemlich klare Präsentation, von Pf. Johannes Heike, zum Inhalt der (Ihrer) Einheitskommission, zu verinnerlichen, ebenso den Bericht der Trennungskommission.
    Herzliche Grüße,
    Bettina Löffler

    1. Liebe Frau Löffler, lieber Herr Krüger,
      Ihre Kommentare verstehe ich leider nicht. Meine Frage griff lediglich nochmals eine Erkenntnis auf, die wir miteinander in der Einheitskommission bekommen haben und die ja auch aus unserem Zwischenbericht hervorging.
      Viele Grüße aus Berlin und erfrischende Gedanken für diese heißen Tage!
      Angelika Krieser

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