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Offener Brief an Superintendent Pfitzinger

Superintendent Rudolf Pfitzinger (Magdeburg) hat in der jüngsten Ausgabe des Gemeindebriefs „Jesus Christus Licht der Welt“ (01/2026) der SELK-Gemeinde Magdeburg einen Text mit dem Titel „Aufbruch des Lebens“ veröffentlicht, in dem er sich kritisch mit der „Agenda Aufbruch SELK“ auseinandersetzt (hier der Link zum Gemeindebrief, s. S. 10-15). Der Artikel wurde auch an anderer Stelle veröffentlicht. Deshalb wendet sich der Vorstand des Vereins Aufbruch SELK e. V. im Sinne eines offenen geschwisterlichen Austauschs an Superintendent Pfitzinger mit dem folgenden Offenen Brief, der dem Adressaten am Sonntag Rogate, 10.05.2026 zugestellt wurde. Hier zum Nachlesen der Link zur „Agenda Aufbruch SELK“.

Aufbruch SELK e. V.
Der Vereinsvorstand

Offener Brief zu Ihrem Artikel „Aufbruch des Lebens“

Sehr geehrter Herr Superintendent Pfitzinger,

herzlichen Dank für Ihre ausführliche Auseinandersetzung mit der Agenda unseres Vereins „Aufbruch SELK e. V.“. Wir wissen es zu schätzen, dass Sie sich Zeit nehmen, unsere Anliegen ernsthaft zu prüfen. Gerade angesichts der angespannten Situation in unserer Kirche halten wir es für entscheidend, dass wir miteinander sprechen – nicht übereinander. Deshalb wenden wir uns heute direkt an Sie.

In einigen Punkten haben Sie unsere Position zutreffend beschrieben. Ja, wir sind überzeugt, dass Veränderungen notwendig sind, um den Fortbestand unserer Gemeinden zu sichern. Dabei sehen wir den Verein ausdrücklich nicht als Verursacher dieser Entwicklung, sondern als Interessenvertretung. Entscheidend bleibt das Engagement der Gemeinden und ihrer Mitglieder. Ebenso teilen wir Ihre Überzeugung, dass Glaube und Kirche vom Heiligen Geist gewirkt werden. Gerade deshalb glauben wir, dass Gottes Geist auch durch die Hände, Herzen und Gedanken der Kirchglieder wirkt – und wirken will.

Ihre Kritik an unserer zweiten These zeigt, dass hier weiterer Klärungsbedarf besteht. Für uns ist das Doppelgebot der Liebe zentral. Daraus leiten wir den klaren Auftrag ab, Ausgrenzung und Diskriminierung entgegenzutreten. Wenn dies als problematisch angesehen wird, bitten wir um eine theologische Klärung, wie dies mit der Botschaft Jesu Christi – insbesondere seiner Zuwendung zu den Ausgegrenzten – in Einklang zu bringen ist.

Wenn Begriffe wie „Offenheit“ und „Vielfalt“ als ideologisch verstanden werden, bekennen wir uns bewusst dazu – im Sinne einer Ideologie der Nächstenliebe. Die Alternative dazu wäre aus unserer Sicht eine Praxis der Ausgrenzung, die wir mit dem Evangelium nicht vereinbaren können. Die Liebe gegen den Glauben auszuspielen, entspricht nicht dem biblischen Zeugnis und trifft unser Anliegen nicht. Es ist ja vollkommen unzweifelhaft, dass wir allein durch den Glauben das ewige Leben haben und dass doch gleichzeitig auch der Glaube ohne die Liebe „nichts“ ist (1. Kor 13,2). Diese Bibelstelle weist uns den Weg im Verhältnis von Glauben und Liebe.

In der Frage der Frauenordination verweisen wir auf den „Atlas Frauenordination“, der dokumentiert, dass es in unserer Kirche zwei biblisch begründete Lehrmeinungen gibt. Diese Realität ernst zu nehmen, ist aus unserer Sicht Voraussetzung für einen tragfähigen Weg in die Zukunft. Unser Ziel ist nicht Spaltung, sondern Einheit – eine Einheit, die nur gelingen kann, wenn unterschiedliche Überzeugungen Raum haben. Die SELK ist bei ihrer Gründung einige Kompromisse eingegangen und hat damit eine Einheit in Vielfalt ermöglicht. Beispiele aus anderen Kirchen zeigen auch, dass dies möglich ist.

In der dritten These unserer Agenda wenden wir uns gegen biblizistische und fundamentalistische Tendenzen in unserer Kirche. Diese Begriffe, schreiben Sie, seien nicht klar. Vielen Dank für diesen Hinweis, wir werden uns weiterhin intensiv darum bemühen, für Aufklärung zu sorgen. An dieser Stelle der Hinweis, dass wir im September dieses Jahres zu einem Infotag zum Thema Fundamentalismus einladen. Um in der gebotenen Kürze zu antworten: Wir sprechen von biblizistischen und fundamentalistischen Tendenzen, wenn die in unserer Kirche gültige „Biblische Hermeneutik“ in Frage gestellt wird. In diesem Grundsatzpapier ist festgelegt, dass Jesus Christus als Mitte der Schrift der Maßstab für die Auslegung der Bibel ist. Wenn die Schrift nicht mehr in diesem Sinne als auf Christus hin geordnet verstanden wird, sondern einzelne Aussagen isoliert und verabsolutiert werden, sehen wir die Gefahr einer Einengung der Auslegung. Unser Anliegen ist es daher, an der hermeneutischen Weite festzuhalten, die unsere Kirche selbst formuliert hat.

Den Vorwurf, wir förderten eine anspruchsorientierte Haltung oder setzten andere unter Druck, weisen wir zurück. Im Gegenteil: Die Befürwortenden der Frauenordination leben seit Jahrzehnten mit einer Praxis, die ihrer Überzeugung widerspricht, und tragen die Kirche dennoch solidarisch mit. Wir halten es für notwendig, dass diese Solidarität nicht einseitig bleibt. Wir verstehen unser Anliegen daher als Frage der Gerechtigkeit und halten es für gerecht. Im Übrigen scheint uns hier ein Missverständnis vorzuliegen, denn wir erheben nicht den Anspruch, dass alle in unserer Kirche dieselbe Überzeugung haben müssen – wir glauben, dass wir in Vielfalt vereint sein sollten.

Dass Menschen, die Veränderung wünschen, die Kirche verlassen sollen, ist aus unserer Sicht kein tragfähiger Weg zur Einheit, sondern verfestigt die Spaltung. Unser Ziel ist es gerade, diese Menschen zu halten und die vorhandene Vielfalt unserer Kirche auch strukturell abzubilden.

Sie benennen zutreffend, dass unser Verein eine neue Initiative darstellt. Diese ist jedoch nicht Ausdruck von Selbstermächtigung im negativen Sinne, sondern Ergebnis eines gewachsenen Engagements vieler Kirchglieder, die bestehende Strukturen als nicht ausreichend transparent oder partizipativ erleben. Wir stehen dabei in einer reformatorischen Tradition, in der auch Laien Verantwortung für die Entwicklung der Kirche übernehmen.

Dabei ist uns wichtig: Wir wollen keine Konkurrenz zu bestehenden Gremien schaffen, sondern diese ergänzen. Angesichts der absehbaren personellen Herausforderungen in unserer Kirche halten wir es für notwendig, das Engagement von Laien deutlich zu stärken. Gleichzeitig sehen wir kritisch, dass Pfarrer in vielen Gremien dominieren. Dies entspricht aus unserer Sicht weder den Anforderungen unserer Zeit noch zwingend einem biblischen Modell und noch weniger dem lutherischen Verständnis des allgemeinen Priestertums aller Gläubigen.

Die Frage nach der Legitimation unseres Vereins beantworten wir so: Kirche lebt vom Engagement ihrer Mitglieder. Ohne dieses Engagement gibt es keine lebendige Kirche. In diesem Sinne verstehen wir unseren Verein als Ausdruck dieser kirchlichen Realität. Es ist uns ein ernstes Anliegen, konstruktiv an der Zukunft unserer Kirche mitzuwirken. Unsere Veröffentlichungen und Aktivitäten sollen genau das sichtbar machen. Umso bedauerlicher ist es, wenn uns andere Motive unterstellt werden.

Erlauben Sie, dass wir abschließend auf den Titel Ihres Beitrags „Aufbruch des Lebens“ eingehen. Er hat uns besonders angesprochen und wir stimmen Ihnen ausdrücklich zu: Der eigentliche Aufbruch unserer Kirche kann nur von Jesus Christus her gedacht werden. An seinem Leben, seinem Handeln und seiner Botschaft muss sich alles kirchliche Tun messen lassen. Gerade deshalb verstehen wir unser Engagement: nicht als Gegenentwurf zu diesem „Aufbruch des Lebens“, sondern als Versuch, ihm in unserer Zeit Raum zu geben. Wenn wir auf Jesus Christus schauen, sehen wir einen, der Machtverhältnisse hinterfragt, der sich den Ausgegrenzten und Unterdrückten zuwendet und bewusst Grenzen überschreitet – im Umgang mit Frauen ebenso wie mit Fremden. Und wir sehen, dass Frauen die ersten sind, die mit der Verkündigung seiner Auferstehung beauftragt werden.

Mit Blick auf das bevorstehende Pfingstfest hören wir darauf, wie Petrus in seiner Pfingstpredigt (Apg. 2, 17-18) das Wirken des Heiligen Geistes zu Pfingsten als Erfüllung der Ankündigung des Propheten Joel begründet: „(Dann) will ich die Menschen mit meinem Geist erfüllen; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen.“ Genau an diesem Maßstab, der seit Beginn der Gründung der Kirche an Pfingsten gilt, wollen wir uns als Kirche orientieren. Wenn wir nach Wegen für die Zukunft der SELK suchen, dann tun wir das im Vertrauen darauf, dass Christus seine Kirche führt – und zugleich in der Verantwortung, das, was wir als Auftrag aus seinem Evangelium erkennen, auch konkret umzusetzen.

Wir würden uns sehr freuen, das Gespräch mit Ihnen persönlich fortzusetzen – offen, respektvoll und im gemeinsamen Interesse an einer tragfähigen Zukunft der SELK.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Hartung, Friedrich Kugler, Thomas Krüger, Vera Löber, Bettina Löffler, Rosemarie Lösel, Solveig Schnaudt, Michael Sommer

Vorstand des Vereins Aufbruch SELK e. V.

 

Das Beitragsbild wurde von der Redaktion unter Verwendung der KI ChatGPT erstellt.

23 Kommentare zu „Offener Brief an Superintendent Pfitzinger“

  1. Ihr Lieben !
    Was für ein schönes, respektvollen Zeichen von euch. Ich habe den Artikel nicht gelesen, aber für mich ist diese Antwort bewegend, ich kann überall ja sagen.
    Tausend Dank für eure Arbeit
    Bleibt gesegnet
    Annegret

  2. Stephanie Buyken-Hölker

    Liebes Team von Aufbruch SELK,
    habt vielen Dank für diesen wunderbaren Brief.
    Er inspiriert mich und spricht mir aus dem Herzen. DANKE!
    Herzliche Grüße aus Köln!
    Steffi Buyken-Hölkee

  3. Ihr Lieben,
    ich kann mich den Worten von Annegret Schöne mit vollem Herzen anschließen. So eine wunderbare, kluge, einfühlsame und hoffnungsvolle Antwort. Ich bin auch ganz bewegt und fühle mich durch euch, den Vorstand von Aufbruch SELK, aufs Beste vertreten. Das macht wirklich Mut.
    Vielen Dank!
    Christine Buyken

  4. Ich möchte darauf hinweisen, dass folgender Satz: „Gerade deshalb glauben wir, dass Gottes Geist auch durch die Hände, Herzen und Gedanken der Kirchglieder wirkt.“, wenn er auf Lehrinhalte bezogen wird, dem Lutherischen Bekenntnis auf’s Klarste widerspricht:

    Die Einleitung der Konkordienformel setzt die Schrift als einzige Regel und Richtschnur zur Prüfung von Lehre und Lehrern. Martin Luther bezeugt in den Schmalkaldischen Artikeln klar: „[Es ist] fest dabei zu bleiben, dass Gott niemandem seinen Geist und Gnade gibt außer durch oder mit dem vorhergehenden äußerlichen Wort, damit wir uns bewahren vor den Enthusiasten, das ist Geistern, die sich rühmen, den Geist ohne und vor dem Wort zu haben, und danach die Schrift oder mündliches Wort richten, deuten und dehnen nach ihrem Gefallen.“ Der Heilige Geist wirkt nur im inhaltlichen Rahmen des göttlichen Wortes, also der Schrift, und in Gedanken der Kirchenglieder, nur insofern sie diesem Wort entsprechen.

    1. Sehr geehrter Herr Schneider,

      danke für Ihren Kommentar und das Zitat aus der Einleitung zur Konkordienformel. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann wollen Sie klarstellen, dass das Kriterium dafür, ob eine Lehre unserer Kirche richtig oder falsch ist, die Heilige Schrift ist. Prima. Da sind wir uns einig.

      In dem von Ihnen zitierten Satz aus dem Offenen Brief geht es aber nicht um Lehrinhalte, sondern um das Engagements des Vereins „Aufbruch SELK e. V.“, um die Zukunft der Gemeinden zu sichern. Superintendent Pfitzinger schrieb dazu, dass „Glaube und Gemeinde nicht von Menschen, sondern vom Heiligen Geist und dem Wort Gottes gewirkt werden“.

      Unsere Antwort darauf lautet: Ganz genau so ist es, und Gottes Geist bewirkt – durch die Heilige Schrift – dass Menschen tätig werden. So verstehen wir die Arbeit unseres Vereins. Genauso, wie wir Superintendent Pfitzinger unterstellen, dass er nur das Beste für unsere Kirche will, wünschen wir uns, dass unser Engagement in entsprechender Weise wahrgenommen wird.

      Herzliche Grüße

      Michael Sommer

    2. Ergänzende Anmerkung zu Herrn Schneiders Beitrag: Gott spielt nicht mit uns. Wenn er in seinem Wort Ja sagt, dann meint er nicht insgeheim Nein, und wenn er Nein sagt, dann meint er nicht Ja! Darauf dürfen wir uns verlassen – und das nicht nur bei denjenigen Worten der Heiligen Schrift, die uns eingängig und angenehm erscheinen. Zweifeln wir aber daran, dann wanken die Grundfesten unseres Glaubens.
      „Dein Wort ist klar und trüget nicht
      und hält gewiss, was es verspricht,
      im Tod und auch im Leben!“

    3. Lieber Herr Schneider,
      sie haben geschrieben:
      „Der Heilige Geist wirkt nur im inhaltlichen Rahmen des göttlichen Wortes, also der Schrift, und in Gedanken der Kirchenglieder, nur insofern sie diesem Wort entsprechen.“
      Widerspricht die gemachte Einschränkung nicht dem Johannesevangelium 3,8?
      Dort steht: „Der Geist weht, wo er will!“

      1. Lieber Herr Kleinau,
        dort steht: „τὸ πνεῦμα ὅπου θέλει πνεῖ, καὶ τὴν φωνὴν αὐτοῦ ἀκούεις, ἀλλ’ οὐκ οἶδας πόθεν ἔρχεται καὶ ποῦ ὑπάγει· οὕτως ἐστὶν πᾶς ὁ γεγεννημένος ἐκ τοῦ Πνεύματος“ nach Luther 2017: „Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.“ Es geht hier nicht um eine freie Willkür des Geistes. Der aus dem Geist geborene ist das Objekt des Satzes. Vielmehr, da Gott sich selbst nicht verleugnen kann, die Wahrheit ist, sein Wort die Wahrheit ist etc. (z.B. 2. Tim 2,13) kann und wird er seinem Wort nicht widersprechen, z.B. sagen, dass es andere Götter gibt. man doch stehlen soll, Christus nicht auferstanden ist, etc. Ebendies bekräftigen auch die Schmalkaldischen Artikel, die Bekenntnisgrundlage unserer Kirche sind.

        1. Lieber Herr Schneider,
          ich habe ihre Antwort leider nicht so richtig verstanden,
          aber aus meiner laienhaften Sicht nutzt
          Jesus das Phänomen des Windes als anschauliches Gleichnis für das Wirken Gottes: Der Wind ist unsichtbar, aber seine Auswirkungen (das Sausen, die Bewegung) sind unübersehbar. Genauso verhält es sich mit dem Heiligen Geist: Menschen können ihn weder kontrollieren, noch vorschreiben, wann oder wo er wirkt – aber dort, wo er Menschen berührt und verändert, wird sein Wirken im Alltag sichtbar.

  5. Roland Lischke, Pfr.i.R.

    Sehr herzlich möchte ich mich für den offenen Brief bedanken. Als ehemaliger langjähriger Pfarrer der magdeburger Gemeinde, habe ich den Beitrag des Superintendenten im Gemeindeblatt als irritierend empfunden. Die Gedanken im offenen Brief möchte ich gerne unterschreiben und hoffe auf gute Gespräche, die zum Zusammenhalt in unserer SELK beitragen. Danke für euer Engagement und die Klarheit in jeder Hinsicht!

  6. Lieber Vorstand vom Aufbruch SELK, herzlichen Dank für Eure klaren Worte und Eure zugleich sehr bedachte und wertschätzende Antwort, mit der Ihr erklärt, wofür der Verein steht. Schön, dass es Euch gibt!

  7. Liebes Team von Aufbruch SELK,
    vielen Dank für euren Offenen Brief. Er ist freundlich im Ton, klar in der Sache und hoffnungsvoll für die Zukunft der SELK.
    Zwei Anliegen hätte ich noch:
    1. Es wird leider immer wieder vergessen, dass aktuell die unterschiedliche Sichtweise in der Frauenordination nicht kirchentrennend ist („derzeit nicht kirchentrennend“.) Diese Feststellung gilt in unserer Kirche nunmehr seit 16 Jahren. Falls es doch wieder kirchentrennend sein sollte, müsste der APK einen klaren Beschluss fassen, der dann von der Kirchensynode bestätigt werden müsste. Solange das aber nicht erfolgt, gibt es keinen Grund für eine Spaltung der Kirche.
    2. Der Offene Brief antwortet auf einen Beitrag von Superintendent Pfitzinger, der auch in anderen Medien veröffentlicht wurde. Er hat mithin gesamtkirchliche Bedeutung. Da Aufbruch SELK auch einen Dialog mit der Kirchenleitung hatte, wäre es angezeigt, den Offenen Brief auch an selk-aktuell und selk-news zu schicken.

    Ich wünsche euch weiterhin guten Mut und einen klaren Blick für das, was wesentlich ist.
    Johannes Dress, Bad Bevensen

    1. Lieber Johannes,

      danke für deinen Kommentar. Wir haben den Offenen Brief am Sonntag auch an den Geschäftsführenden Kirchenrat Soluk mit der Bitte gesendet, ihn zu veröffentlichen. Sicher werden wir darauf eine Antwort erhalten.

      Herzliche Grüße
      Michael

  8. Liebes Team von Aufbruch SELK,
    vielen Dank für eure sachlich-respektvolle und zugleich mutige Formulierung dieses offenen Briefes. Besonders gefallen hat mir, dass hier weder bewertet noch übereinander geurteilt wird, sondern ehrlich und im gemeinsamen Ringen um die Zukunft unserer Kirche gesprochen wird. So wünsche ich mir kirchliche Auseinandersetzungen.
    Aus Witten grüßt Annette Wagner

  9. Freundlichkeit steht Christen gut an, gehört sie doch zu den erstrebenswerten Tugenden! Doch für einen Pastor ist vor allem etwas anderes wichtig: Das Schwert des Wortes Gottes in Klarheit zu handhaben, um rechte und falsche Lehre zu unterscheiden und so Schaden von seiner Gemeinde abzuwenden. Dieser großen Verantwortung ist Superintendent Pfitzinger vorbildlich nachgekommen. Über solch einen Pastor kann sich eine Gemeinde auf Erden und im Himmel nur freuen!
    Nein, es geht hier nicht um die einzelne private Sicht eines SELK-Pfarrers auf die Heilige Schrift. Dieser Pfarrer sieht sich in der Gemeinschaft der Mehrheit seiner Amtsbrüder in der SELK wie auch in der Gesamtkirche aller Zeit und Welt, die erkannt haben, dass die Einheit der Kirche nur ohne die Ordination von Frauen möglich ist. Als Nachfolger Christi sieht er sich selbstverständlich auch in der Gefolgschaft des Apostels Paulus, der sämtliche von seinem auferstandenen Herrn Jesus Christus empfangenen Worte an die Gemeinden weitergegeben hat, ja das ohne Abstriche und Zutun auch tun musste: „Und wehe, ich verkündige das Evangelium nicht!“
    Das ist die Wucht die Verantwortung, die hinter diesem Amt steckt. Nein, Pfarrer ist eben kein akademischer Beruf unter vielen anderen, auch sicher keiner, den man ohne Not in eine 40-Stunden-Woche oder eine Halbzeitstelle organisieren könnte. Gott wird einmal ganz besonders die Pfarrer fragen, ob sie die ihnen anvertrauten Gaben getreulich für die Wahrheit des Evangeliums eingesetzt haben, auch auf die Gefahr hin, bei anders Denkenden anzuecken.

    1. Liebe Frau Krieser,

      „Als Nachfolger Christi sieht er sich selbstverständlich auch in der Gefolgschaft des Apostels Paulus,“
      steht das in den lutherischen Bekenntnisschriften? Die Bibel kennt das Amt der heutigen Pfarrer nicht, zur Nachfolge werden dort alle Christinnen und Christen aufgefordert. Also könnte es nur aus den Bekenntnisschriften kommen. Aber wo soll das dort stehen?

      Viele Grüße

      Thomas Hartung

      1. Christus spricht zu seinen Jüngern: „Wer euch hört, der hört mich!“ Und von den Urchristen in Jerusalem wird gesagt: „Sie aber blieben beständig in der Apostel Lehre …“
        Auch wenn Paulus nicht zu dem Zwölferkreis der Jünger gehörte, so wurde er doch ausdrücklich von Christus zu diesem Dienst gesandt und bevollmächtigt und damit den anderen Aposteln gleichgestellt.
        Richtig, der Arbeitsalltag eines modernen Pfarrers sieht etwas anders aus als der eines früheren Apostels. Die Grundaufgaben sind jedoch dieselben geblieben. Auch die heutigen Pfarrer sind von Gott berufen und gesandt, das Evangelium zu verkündigen und an Christi Statt die Menschen zu bitten: „Lasset euch versöhnen mit Gott!“
        Auch wenn wir in der lutherischen Kirche nicht auf die katholische Sukzession pochen, so glauben wir doch an die Sukzession durch die Weitergabe des Wortes Christi von berufenem Diener zu berufenem Diener. Von daher besteht selbstverständlich die Verbindung von Christus über seine Apostel bis zu den Pfarrern des 21. Jahrhunderts.
        Auch in den urchristlichen Gemeinden haben sich die Aufgaben eines Apostels von denen anderer Gemeindeglieder unterschieden. Die Bibel zählt verschiedene Ämter und Dienste auf wie Apostel, Diakon, Evangelist, Lehrer. Jeder hatte seine Aufgaben nach seinem Ruf und Gaben. Aber alle waren gleichwertige und gleichgeliebte Glieder am Leib Christi – trotz unterschiedlicher Verantwortung.

  10. Ich stimme den wertschätzenden Kommentaren in vollem Umfang zu und danke den Verfassern des offenen Briefes für die engagierte Klarheit und Festigkeit.
    Bleiben Sie hoffnungsfroh und geistgestärkt in Bezug auf den Erhalt der Einheit unserer Kirche!

    Arnulf Hülsmann (Angermünde)

  11. Sehr geehrte Frau Krieser,
    was Sie als Ihre eigene Ausprägung von Frömmigkeit und Glauben formulieren, möchte ich nicht beurteilen, solange Sie nicht von mir erwarten, dass ich dies übernehme.
    Da Sie jedoch Mitglied einer unserer synodalen Kommissionen sind, möchte ich Sie in dieser Rolle ansprechen, weil sie doch eine gewisse Verantwortung mit sich bringt.
    Es mag sein, dass unsere Pastoren in eine besondere Verantwortung gestellt sind. Ein besonderes Tribunal als Gericht Gottes gibt es für diese Personengruppe jedoch nicht. Wir sind allzumal Sünder und ermangeln des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollen.
    Dass wir uns für unser Tun und Lassen verantworten müssen, bezweifle ich nicht. Ich bezweifle jedoch, dass wir, wenn wir uns in die Gnade unseres Herrn und Heilandes stellen, dennoch vor Gott zur Rechenschaft gezogen werden.
    Unser Altarfenster in der Kirche der Zionsgemeinde Verden stellt eindrücklich dar, wie dieser Gnadenpunkt funktioniert. Gott schaut uns an – und er kann gar nicht anders, als dies mit gerechten Augen zu tun. Doch dann kommt die entscheidende Wende, die aus einer ausgesprochenen und grenzenlosen Liebe das Bild der Gerechtigkeit verwandelt: Zwischen dem Auge Gottes und uns steht Christus.
    Gott schaut uns immer durch diesen „Filter“ an. Ich stelle mir vor, dass unser Herr Christus dann sagt: „Ach Vater, du hast recht, dass dein Geschöpf Hans-Jürgen es nicht auf die Reihe bekommt. Aber denke daran, dass ich seine Schuld bereits ganz auf mich genommen habe. Ich kenne ihn – er gehört zu mir.“
    Dieser Glaube entlastet mich voll und ganz und macht mich zugleich demütig, barmherzig gegenüber meinen Mitmenschen und dankbar. Diese Dankbarkeit gebe ich gerne durch meinen Dienst in der Kirche und anden Menschen zurück.
    So darf nach meiner Auffassung und meiner Ausprägung des Glaubens auch jeder Pastor sich in diesen Gnadenpunkt stellen und muss nicht jeden Tag mit Zittern und Sorgen auf seine Verantwortung schauen, als müsse er dafür noch einmal in besonderer Weise Rechenschaft ablegen.
    Er darf – und das ist der große Sinn dieses Berufes – das Evangelium von der Gnade Gottes predigen.
    Ich bin mit meinem Glaubensverständnis davon überzeugt, dass ein Mensch, dem dieses Angebot der Gnade Gottes bewusst wird, gar nicht anders kann, als sich dankbar den Menschen zuzuwenden, sein Leben immer wieder auszurichten und mit seinen Gaben zu dienen.

  12. Sehr geehrter Herr Geiß,
    das haben Sie sehr schön und richtig ausgeführt: Die Pastoren haben nicht weniger Anteil an der Gnadenfülle Gottes als ihre Gemeindeglieder – es wäre auch schlimm, wenn es anders wäre!
    Trotzdem stehen die Pastoren in einer besonderen Verantwortung vor Gott, weil sie gemeindeleitend lehren. Folgende Bibelstellen sind nachdenkenswert, vielleicht auch für die künftigen Pfarrkonvente:
    Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern. Lk. 12,48
    Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich. Matth. 5,19
    … und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Matth. 28,20
    Hab acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Stücken! Denn wenn du das tust, wirst du dich selbst retten und die, die dich hören. 1. Tim. 4,16
    9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. 10 Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. 11 Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. 12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, 13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. 14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. 15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch. 1. Kor. 3,12ff
    Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse 1. Petr. 4,10
    Wer auch immer die prophetischen Worte dieses Buches hört, den warne ich nachdrücklich: Wer diesen Worten etwas hinzufügt, dem wird Gott all das Unheil zufügen, das in diesem Buch beschrieben wurde. Und wer etwas von diesen prophetischen Worten wegnimmt, dem wird Gott auch seinen Anteil am Baum des Lebens und an der Heiligen Stadt wegnehmen, die in diesem Buch beschrieben sind. Offb. 22,18-19

    Es geht hier also nicht um meine private Sicht auf die Bibel – das wäre auch schlimm!

    Viele Grüße
    Angelika Krieser

  13. Nachtrag – damit ich nicht missverstanden werde:
    Ein Pastor befindet sich in einer Doppelposition im Verhältnis zu seiner Gemeinde:
    1. Er ist „Gleicher unter Gleichen“: Genau wie seine Gemeindeglieder ist er Sünder und benötigt die Gnade Gottes; in dieser Position steht er also in einer Reihe mit seinen Gemeindegliedern und schaut mit ihnen in dieselbe Richtung.
    2. Nur er allein ist durch sein Amt als berufener Diener Gottes dazu berechtigt, in gemeindeleitender Verantwortung vor Gott zu stehen, zu lehren und die Sakramente zu verwalten. In dieser Position steht er der Gemeinde gegenüber.
    Und natürlich brauchen sich Pastor und Gemeindeglieder gegenseitig, um miteinander die Gemeinde zu bauen, ein jeder auf seinem Platz, ein jeder in seiner Verantwortung.

  14. Und noch ein Nachtrag:
    Nicht viele von euch sollen Lehrer werden, meine Brüder und Schwestern. Ihr wisst, dass wir im Gericht strenger beurteilt werden. Jak. 3,1
    Es geht hier also mitnichten um meine „eigene Ausprägung von Frömmigkeit und Glauben“, sondern um das, was der Herr aller Zeit und Welt seiner Kirche (insbesondere seinen Dienern mit Lehrverantwortung) in seinem lebendigen Wort der Bibel auf den Weg gibt.

  15. Liebe Frau Krieser,

    Ich muss ihnen in dem, was Sie über Pastoren und das Predigtamt schreiben, deutlich widersprechen. Man spürt ja förmlich, wie Sie in Ihren Statements zwischen dem lutherischen und dem römisch-katholischen Amtsverständnis schwanken und sich darin verzetteln.
    Bei Luther ist es dagegen ganz klar. Er schreibt an den christlichen Adel deutscher Nation:

    „Darum ist des Bischofs Weihe nichts anderes, als wenn er anstatt und im Namen der ganzen Versammlung einen aus der Menge nimmt, die alle dieselbe Vollmacht haben, und ihm befiehlt diese Vollmacht für die anderen auszuüben. […] Wenn ein Häuflein gottesfürchtiger christlicher Laien gefangen und in eine Wüste gesetzt würden, die keinen von einem Bischof geweihten Priester bei sich hätten, und sie einigten sich, erwählten einen unter ihnen […] und vertrauten ihm das Amt zu taufen, Messe zu halten, zu absolvieren und zu predigen an, der wäre wahrhaftig ein Priester, als ob ihn alle Bischöfe und Päpste geweiht hätten.“

    Das Priestertum aller Gläubigen macht, wie Sie ja richtig sagen, keinen Unterschied zwischen Pastoren und Gläubigen außer den besonderen Auftrag der Gemeinde dieses Amt auszuüben. Pastoren erhalten dabei keine besondere Gabe, die sie nicht sowieso schon haben, und erfahren auch keine Wesensveränderung wie bei der Priesterweihe in der römisch katholischen Kirche.

    Die Ordination im lutherischen Sinne ist lediglich eine Beauftragung und Segnung zum Predigtamt. Und natürlich ist damit auch eine entsprechende Verantwortung verbunden. Aber die Angst und die Gefahr, die Sie da mit Ihren Worten rund um das Pastorenamt verbreiten, ist völlig fehl am Platz. Das Evangelium, das sie verkündigen sollen, gilt für sie genauso uneingeschränkt wie für alle anderen Christen.

    Wir sollten hier die Klarheit der lutherischen Lehre nicht verlieren. Die Zusage Jesu (Mt 28,20), dass er bei seinen Jüngern ist, alle Tage bis ans Ende der Welt, gilt ohne Einschränkung! Die Aufgaben, die er ihnen bei der Aussendung überträgt, sind Inhalt des Auftrages und nicht die Bedingung!

    Thomas Krüger

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