In den vergangenen Monaten haben uns viele Fragen zu Aufbruch SELK e.V. erreicht: Was ist das für ein Verein? Wer sind die Mitglieder? Wofür engagieren wir uns? Was möchten wir in unserer Kirche bewegen? Und wie versteht sich Aufbruch SELK innerhalb der SELK?
Um diese Fragen und viele andere zu beantworten, laden wir herzlich zu einem offenen digitalen Gesprächsabend ein, und zwar am
Mittwoch, 13. Mai 2026, 18:00 Uhr per Zoom
Mitglieder des Vorstands von Aufbruch SELK e.V. stellen den Verein vor, erzählen von seiner Entstehung, seinen Anliegen und aktuellen Projekten und beantworten Fragen rund um unsere Arbeit.
Der Abend ist in zwei Teile gegliedert, im ersten Teil bis ca. 18.45 Uhr wird der Zoom-Raum auch via YouTube livegestreamt, im zweiten Teil von 18.45 bis 19.30 Uhr beenden wir den Livestream und laden zur offenen Fragerunde für alle Teilnehmenden im Zoom-Raum ein. Hier soll Raum sein für direkte Nachfragen, Austausch und persönliche Gespräche.
Wir wünschen uns einen freundlichen, transparenten und geschwisterlichen Abend — für Interessierte, Unterstützende, Kritische und Neugierige gleichermaßen. Aufbruch SELK versteht sich als Initiative von Menschen mitten aus unserer Kirche, die sich für eine offene, dialogfähige und am Evangelium Jesu Christi orientierte Zukunft der SELK engagieren.
Wer im Zoomraum dabei sein möchte, sendet bitte eine E-Mail an michael.sommer@aufbruch-selk.de. Der Zugangslink wird am Vortag der Veranstaltung per E-Mail verschickt.
Wer den ersten Teil der Veranstaltung im Livestream verfolgen möchte, tut dies via: https://youtube.com/live/8MSsCxENtr0. Natürlich haben wir ein Auge auf den Chat und beantworten auch Fragen und gehen auf Kommentare ein, die hier gepostet werden.
Aufbruch SELK e.V.
06.05.2026
(ms)
Beitragsbild erstellt von der Redaktion mit Hilfe der KI ChatGPT.

„Aufbruch SELK“ betont immer wieder die Bindung an das Evangelium. Allein in der drolligen Grafik zum obigen Beitrag geschieht dies zweimal, einmal ausdrücklich mit dem Hinweis: „Jesus Christus – unser Maßstab“. Das ist gut so, denn das Evangelium von Jesus Christus ist ja die zentrale Botschaft der Heiligen Schrift und der christlichen Verkündigung. Bereits der Apostel Petrus bezeugte: „In keinem andern ist das Heil, ist auch kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.“ (Apostelgeschichte 4,12) Der himmlische Vater hat dem Gottessohn alle Macht im Himmel und auf Erden übertragen, und ausschließlich in seiner Hand liegt auch die Zukunft der christlichen Kirche. Bei den Verlautbarungen von „Aufbruch SELK“ entsteht zuweilen der Eindruck, dass in der Kirche die Macht eher bei einer demokratisch orientierten „Basis“ liegen solle als bei kirchenleitenden Männern, denen Gott das Hirtenamt anvertraut hat. Hier besteht Klärungsbedarf: Es geht gar nicht um die Macht der einen oder anderen „Seite“ (wobei eine gedankliche Aufspaltung in „Seiten“ schon an sich problematisch ist), sondern allein um Christi Macht. Wir nennen ihn ja bewusst unsern Herrn. „Kirche lebt, wenn wir uns bewegen“ heißt es in der Beitragsgrafik. Ja – aber nur, wenn wir uns hinter unserm Herr herbewegen, wenn wir ihm also im Glauben und Gehorsam nachfolgen und auch in der kirchlichen Gemeinschaft immer zuerst und ernsthaft fragen: Was will der Herr, was hat er uns in seinem Wort durch seine Apostel offenbart?
Matthias Krieser
Sehr geehrter Herr Krieser,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir freuen uns über mehrere Ihrer Gedanken. Zum einen finden wir es schön, dass Sie unser Beitragsbild „drollig“ finden. Zum anderen sind wir uns absolut einig, dass es uns in der Kirche nicht um Macht geht, sondern darum, wie wir das Evangelium Jesu Christi im Hier und Jetzt verkündigen können. Deshalb freuen wir uns über jede und jeden, die an seiner Kirche mitbaut, ob nun mit oder ohne Theologiestudium, Ordination oder Talar. Sie bestimmt auch.
Herzliche Grüße
Michael Sommer
Sehr geehrter Herr Krieser,
Was Sie sagen, stimmt uneingeschränkt: Christus ist das Haupt der Kirche! So wie Sie es formulieren und wie es andere uns gegenüber auch immer wieder so stark betonen, entsteht bisweilen der Eindruck, dass diese Macht über die Kirche ganz unmittelbar an ein paar „Kirchenmänner“ als Stellvertreter Christi übergegangen ist.
Dieses Bild von Kirche haben wir als Lutheraner aber glücklicherweise schon mit der Reformation hinter uns gelassen. Schon die Apostel Jakobus und Johannes wurden mit ihrem Anspruch auf Vorherrschaft und Macht im Reich Gottes von Jesus selbst auf ihre Plätze verwiesen (Mk 10, 35-45).
Wir sind ganz im Gegenteil davon überzeugt, dass nicht nur ein paar leitende „Kirchenmänner“ für die Zukunft und das Wachstum der Kirche zuständig sind, sondern dass verbunden mit dem Haupt Christus alle Gläubigen gemeinsam als Glieder am Leib Christi einen lebensfähigen Organismus bilden. Dazu gehören neben den „kirchenleitenden Männern“ und allen anderen Mitchristen in der SELK auch wir Menschen von Aufbruch SELK, die sich für mehr Offenheit und Vielfalt in unserer Kirche einsetzen. Wir sehen uns mit diesem Bild von Kirche auch in völliger Übereinstimmung mit dem lutherischen Verständnis vom allgemeinen Priestertum aller Gläubigen.
Wir schließen uns daher uneingeschränkt ihrer Einschätzung an, dass man die Kirche weder gedanklich noch tatsächlich in verschiedene Lager spalten sollte (1 Kor 1,10-13). Das soll dann aber auch all denen gesagt sein, die andere Menschen mit einer unterschiedlichen Meinung aus der Kirche herausdrängen wollen und nur ihre Meinung gelten lassen. Denn es gilt ja, was Paulus seinem Schüler Timotheus mit auf den Weg gibt: „Die Unterweisung in der Lehre unseres Glaubens hat nur ein Ziel: die Liebe, die aus einem reinen Herzen, einem guten Gewissen und einem ungeheuchelten Glauben kommt.“ (1 Tim 1, 5). Lassen Sie uns gemeinsam dieses Ziel in der Nachfolge Christi verfolgen!
Geschwisterliche Grüße,
Thomas Krüger
Solche Zustimmung zu meinem Kommentar habe ich nicht erwartet und freue mich darüber. Wenn Einigkeit darin besteht, dass Jesus Christus allein alle Macht besitzt und diese durch sein Wort, seinen Geist, seine Gemeindehirten und die ganze Christenheit ausübt, ist viel gewonnen. Ein Missverständnis möchte ich aber noch ausräumen. Thomas Krüger befürwortet in seiner Erwiderung auf meinen Kommentar eine Meinungsvielfalt in der Kirche. Zwar treten immer wieder unterschiedliche Meinungen in der Christenheit auf, aber unser Herr möchte, dass wir dabei nicht stehenbleiben, sondern unter seinem Wort eins bleiben und immer wieder neu eins werden (vgl. Joh 17,20-21). Nicht menschliche Meinungen gelten ja etwas in der Kirche, sondern die Lehre Christi und seiner Apostel. Darum bitten wir zu Pfingsten singend darum, dass wir „im Frieden auf einem Sinn bleiben“ (ELKG² 476,3). Übrigens lohnt es sich, diesen Choral Martin Luthers mit allen seinen Strophen einmal ausführlich durchzumeditieren.
Ein gesegnetes Pfingstfest wünscht Matthias Krieser
Lieber Bruder Krieser,
Sie schreiben: „Bei den Verlautbarungen von „Aufbruch SELK“ entsteht zuweilen der Eindruck, dass in der Kirche die Macht eher bei einer demokratisch orientierten „Basis“ liegen solle als bei kirchenleitenden Männern, denen Gott das Hirtenamt anvertraut hat.“
Auch die Kirchenleitung der SELK besteht nicht nur aus Männern. Das sollte schon aus Respekt vor dem ehrenamtlichen Einsatz von Kirchenrätinnen nicht übersehen werden.
Frauen gehören sowohl der Kirchensynode als auch der Kirchenleitung an.
Es ist doch auch in der SELK längst entschieden, dass Frauen Teil der Leitung der Kirche sind.
Mit herzlichem Gruß
Hans Immanuel Herbers
Sehr geehrtes Aufbruch-SELK-Team,
vielen Dank für die heutige Veranstaltung. Diese bot für mich inhaltlich einiges Neues und ich schließe mich der Hoffnung an, dass die SELK trotz verschiedener theologischer Standpunkte erhalten bleibt und weiterhin für jeden eine geistliche Heimat bietet.
Es wurden heute auch Punkte und Standpunkte angesprochen (bspw. die Infragestellung der Irrtumslosigkeit der Bibel), die ich nicht vertreten kann. Ich wäre sehr an einem Format interessiert, in welchem wir themenbezogen in den Austausch treten können.
Alles Gute Ihnen und Euch. Möge Der Herr Jesus Christus seine schützenden Hände über seiner Kirche halten.
Brüderliche Grüße, Markus Kühn
Lieber Herr Kühn,
es war sehr schön, dass wir Sie jetzt persönlich kennenlernen konnten. Sie habe ja einige Videos im Internet, aber leider fehlt dort der Hinweis, wie man Sie kontaktieren kann.
Zum Thema Infragestellung der Irrtumslosigkeit der Bibel einige Anmerkungen.
Unsere Kirche beschäftigt sich aktuell mit vielen, teils sehr theologischen Themen. Für die Menschheit um uns herum sind vermutlich andere Themen dran. Der neueste Post auf mitten-auf-der-selk.de:
https://mitten-aus-der-selk.de/das-abc-der-bewegung-fuer-die-liebe
gibt dazu viele gute Anregungen, zu den Themen, über die wir uns in unserer Kirche Gedanken machen sollten.
Dann aber doch noch zum theologischen Thema Irrtumslosigkeit der Bibel. Die Bibel ist irrtumslos – aber wer kann sie in allen Punkten korrekt auslegen? Unsere Kirche und ihre Vorgängerkirchen haben ihre Auslegung schon mehrmals geändert. So wurde Leibeigenschaft mit der Bibel begründet. Menschen sind „mit Gott“ in einen Angriffskrieg gezogen. Viele Mitglieder der lutherischen Bekenntniskirchen haben nicht entschiedenen Widerstand gegen die Nazis geleistet, manche sogar bei den Nazis mitgemacht und sie gut (und manchmal sogar „gottgewollt) geheißen. In neuerer Zeit hat unsere Kirche die Ansicht und den Umgang mit dem Thema „Scheidung von Pfarrern“ trotz eines klaren Herrenworts geändert und auch die Rollen und Möglichkeiten von Frauen wurden mehrmals verändert. Übrigens unter Einbeziehung derselben Bibelstellen, die heute für die Diskussion der Frauenordination herangezogen werden. Die LCMS rechtfertigt auf biblische Grundlage die Todesstrafe, das macht in der SELK hoffentlich niemand.
Es gibt viele andere christliche Kirchen und Konfessionen, die Bibelstellen anders auslegen als die SELK und ihre Partnerkirchen. Woher wissen wir, dass unsere heutige Auslegung die einzig richtige ist, dass nur bei uns der Heilige Geist mit seiner ganzen Kraft wirkt?
Es ist also die Frage der Auslegung einer Irrtumslosen Bibel, die wir bedenken müssen und dabei aufmerksam hören müssen, was Gottes Wort bedeutet.
Thomas Hartung
Lieber Herr Krieser,
wir freuen uns auch, wenn uns die Einigkeit in Heilsfragen verbindet. Sie haben aber hoffentlich bei aller Freude über unsere Zustimmung auch unseren Hinweis auf das Missverständnis zur Rolle der Macht von „Kirchenmännern“ in der Kirche im Gegensatz zum reformatorischen Verständnis des Priestertums aller Gläubigen wahrgenommen.
In Ihrer Erwiderung auf meinen Kommentar wir nun noch ein weiteres gravierendes Missverständnis zur Einheit der Kirche deutlich. Das Gebet Jesu für seine Jünger (Joh. 17), das in unseren Gemeinden am vergangenen Sonntag Exaudi Predigttext war und auf das sie sich ja auch beziehen, bringt doch ganz deutlich zum Ausdruck, wie die Einheit der Gläubigen entsteht und worauf sie gründet. Jesus selbst betet für die Einheit seiner Jünger, die er selbst stiftet durch sein Leben und Wirken und durch seinen Tod und seine Auferstehung. Diese Einheit besteht in der unauflöslichen Gemeinschaft mit Gott und Jesus selbst und entspricht der Einheit zwischen Gott und seinem Sohn. Wir alle sind eins mit Gott und sein Sohn dadurch, dass wir „in Christus“ sind, wie auch Paulus es an verschiedenen Stellen sagt. Das ist die wahre Einheit der Kirche!
Nicht wir als Kirche „machen“ die Einheit. Einheit entsteht auch nicht dadurch, dass wir unterschiedliche Meinungen von Menschen in unseren Gemeinden mit immer schärferen dogmatischen Glaubenssätzen gleichschalten und die Meinungsvielfalt bekämpfen. Das ist nicht die Einheit, die in Jesus Christus ist und an der wir durch den Glauben an seine Erlösung geschenkt bekommen.
Die Apostelgeschichte und die Briefe des Paulus zeigen im Gegensatz dazu ganz deutlich, wie diese Einheit in Christus über teilweise gravierende Meinungsverschiedenheiten der ersten Christenheit steht und wie diese in der christlichen Kirche gelöst werden können. Zwei Beispiele:
1. Ein großer Streitpunkt in den Gemeinden waren die jüdischen Reinheitsgebote und Speiseregeln, die in der jüdisch-christlichen Tradition weiter eine bedeutende Rolle spielen. Paulus macht in Rö 14 klar, dass diese Regeln eigentlich gar nicht mehr gelten, aber er ruft zu gegenseitiger Toleranz und Rücksichtnahme auf. Er zwingt weder die eine Seite, ihre Regeln aufzugeben, noch die andere Seite, dass sie die im Glauben gewonnene Freiheit aufgeben müssen. Sie sollen Rücksicht nehmen auf Überzeugungen der Andersdenkenden, aber letztlich ist jeder nur seinem eigenen Gewissen vor Gott verantwortlich. Beide Meinungen können nebeneinander bestehen bleiben und es werden in gegenseitiger Rücksichtnahme Lösungen gesucht, die beiden Seiten gerecht werden und die dem Frieden dienen. Die Einheit in Christus steht über allem: „Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn“ (Rö 14, 8).
2. Noch schwerwiegender für die jüdisch-christlichen Gemeinden war die Frage der Beschneidung. Diese war für diese Gemeinden weiterhin die unabdingbare Voraussetzung der Zugehörigkeit zur Gemeinde und zur Errettung, während in den griechischen Gemeinden keine Beschneidung praktiziert wurde (Apg 15). Der darüber entbrannte Streit zwischen Petrus und Paulus wurde dadurch gelöst, dass je nach Gemeindetradition beide Praktiken zugelassen wurden (wobei die o.g. Speisegeln noch aufrechterhalten wurden, wofür ja Paulus aus Rücksichtnahme gegenüber der judenchristlichen Tradition an der vorher genannten Stelle auch wirbt). Grundlage für diesen wegweisenden Kompromiss war die Erkenntnis des Petrus, dass Gott keinen Unterschied macht zwischen Judenchristen und Heidenchristen und dass der Glaube an das Evangelium längst auch erfolgreich unter Nichtjuden verbreitet wurde (Apg 15, 6-11).
An diesen beiden Beispielen sieht man doch sehr deutlich, wie die erste Christenheit mit solchen Meinungsverschiedenheiten umgegangen ist und dass die Einheit in Christus durchaus unterschiedliche Meinungen erträgt, Herr Krieser. Und das waren damals beileibe keine Nebensächlichkeiten (Adiaphora)! Das waren ursprünglich heilsrelevante Kernfragen des Glaubens. Könnten wir uns doch in unseren Fragen daran ein Beispiel nehmen! Unsere Einheit besteht in Christus und nicht gleichen Meinungen in Einzelfragen des Glaubens.
Nun ist aber der Glaube allerdings auch nicht beliebig und wir bekennen uns ja alle zum lutherischen Bekenntnis. Und auch Paulus wendet sich ja an anderen Stellen vehement gegen bestimmte abweichende Meinungen. Worin besteht der Unterschied? Wenn wir genauer hinschauen, erkennen wir, dass es vor allem die neuen Gesetzeslehrer sind, gegen die sich Paulus wendet (1. Tim 1). Das sind also diejenigen, die über den Glauben an die Erlösung Christi hinaus (wieder) zusätzliche Glaubenssätze oder die Einhaltung von bestimmten Gesetzen zur Voraussetzung für die Einheit mit Gott und Christus machen.
Wir sollten in den derzeitigen Auseinandersetzungen mehr Rücksicht aufeinander nehmen und unseren Einheitsbegriff überdenken. Nicht andere Meinungen und Meinungsvielfalt sind die Gefahr für die Einheit in Christus, sondern eine neue Gesetzlichkeit und fehlende Liebe.
Freundliche Grüße,
Thomas Krüger
Lieber Herr Krüger,
die christliche Einheit beschränkt sich nicht auf die Einigkeit „in Heilsfragen“, wie Sie meinen, sondern umfasst den gesamten Willen Gottes, wie er uns in der Heiligen Schrift offenbart ist. Jesus betont in seinem hohepriesterlichen Gebet, dass die Einheit der Gläubigen auf der Übereinstimmung mit dem Wort des Vaters, des Sohnes und seiner Apostel beruht (Joh 17,17-21). Um diese Einheit zu bewahren und vor unausbleiblichen Angriffen zu verteidigen, hat Gott neben dem Priestertum aller Gläubigen das Hirtenamt eingesetzt. Dies wird u. a. in den Abschiedsworten des Apostels Paulus an die „Ältesten“ bzw. „Bischöfe“ der Gemeinde Ephesus deutlich (vgl. Apg 20,28-30). In diesem Zusammenhang möchte ich auch ein Missverständnis von Herrn Herbers ausräumen: „Kirchenleitende Männer, denen Gott das Hirtenamt anvertraut hat,“ sitzen nicht nur in der Kirchenleitung der SELK; und die Frauen, die da sitzen, haben nicht das Hirtenamt anvertraut bekommen. In Ihren weiteren Ausführungen warnen Sie, Herr Krüger, davor, „dass wir unterschiedliche Meinungen von Menschen in unseren Gemeinden mit immer schärferen dogmatischen Glaubenssätzen gleichschalten und die Meinungsvielfalt bekämpfen“. Sie nennen dann zwei neutestamentliche Beispiele (Speisegebote und Beschneidung), die Sie ausdrücklich nicht zu den „Adiaphora“ rechnen. Das lutherische Bekenntnis sieht das anders, dort werden im 10. Artikel der Konkordienformel gerade diese beiden biblischen Beispiele als Adiaphora bezeichnet (d.h. „Mitteldinge“ bzw. „Kirchengebräuche, welche in Gottes Wort weder geboten noch verboten sind“). In diesen Dingen kann es in der Christenheit durchaus eine „Meinungsvielfalt“ geben, was allerdings keineswegs bedeutet, dass es egal ist, wie man sich zu ihnen verhält. Deutlich davon abzugrenzen sind jedoch die „Dogmen“ oder verbindlichen Lehren der Kirche einschließlich der verbindlichen Weisungen, die Gott in der Bibel ausdrücklich und allgemeinverbindlich geboten oder verboten hat. Meine früheren Aussagen über „Meinungen“, die vor Christi und der Apostel Lehre zurückstehen müssen, bezogen sich selbstverständlich auf Letzteres. Das Neue Testament warnt übrigens nicht nur vor Gesetzlichkeit, sondern auf der anderen Seite ebenso vor einer Missachtung der göttlichen Gesetze.
Eine ausführliche Erörterung der von Ihnen angeführten Argumente würde den Rahmen dieses Kommentars sprengen. Eine gründliche Bearbeitung und Klärung nicht nur der FO-Frage, sondern auch der dahinter liegenden theologischen Konzepte scheint mir in der SELK dringend notwendig. Als einen Beitrag dafür habe ich vor ein paar Monaten das Buch veröffentlicht: „Eins bleiben! Die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche in der Zerreißprobe“. Es kann als kostenloses E-Book aus dem Internet heruntergeladen werden: sola-gratia-verlag.de/049.htm
Lieber Herr Krieser,
Ihr Kommentar macht deutlich, wie wichtig es ist, den historischen Kontext zu beachten. Es ist ja richtig: Für die Christenheit nach dem Apostelkonzil ist die Frage der Beschneidung nur noch ein Adiaphoron, aber eben weil diese Streitfrage durch einen Kompromiss zwischen jüdischen und griechischen Gemeinden gelöst wurde, der beide Sichtweisen zugunsten der Einheit nebeneinander duldet. Obwohl es für die jüdische Christenheit zu dem Zeitpunkt heilsrelevant war. „Wenn ihr euch nicht beschneiden lasst nach der Ordnung des Mose, könnt ihr nicht selig werden!“ heißt es in Apg 15,1.
Petrus hat aber aufgrund der Ereignisse in den griechischen Gemeinden erkannt, dass der Heilige Geist auch bei Unbeschnittenen wirkt und sie zum Glauben führt und stellt fest (Apg 15,11): „Vielmehr glauben wir, durch die Gnade des Herrn Jesus selig zu werden, ebenso wie auch sie.“ Dem ist nichts hinzuzufügen und das reichte offensichtlich zum Erhalt der Einheit.
Und auch im hohepriesterlichen Gebet Jesu Joh 17 lese ich nirgends dass Voraussetzung für die Einheit mit Gott und Christus die Einhaltung aller Glaubenssätze ist. In der Stelle auf die Sie verweisen ist ja von einer viel tieferen Einheit die Rede: „Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein.“ Und wieder geht die Einheit von Jesus aus wie man in Vers 22 lesen kann: „Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind.“ Sicherlich beinhaltet diese tiefe Einheit auch die Einhaltung des Willens Gottes, aber sie ist hier nicht Voraussetzung für die Einheit, sondern eher umgekehrt!
Ich stimme ihnen zu, dass wir in Bezug auf die Frauenordination die dahinter liegenden theologischen Fragen und auch den Begriff und die Grundlage der Einheit der Kirche klären. Dabei sollten wir weniger auf ihr Buch schauen, als vielmehr auf das Vorbild der Apostel und auf Jesus. Dann können sogar strittige Heilsfragen zum Segen werden, anstatt zur Zerreißprobe!
Mit geschwisterlichen Grüßen in Christus,
Thomas Krüger
Lieber Herr Krüger,
Sie weisen darauf hin, wie wichtig es ist, beim Verständnis der Heiligen Schrift den „historischen Kontext“ zu beachten. Dem stimme ich zu, wenn mit „historischem Kontext“ nicht einfach kirchengeschichtliche Entwicklungen und angebliche Kompromisse zwischen widerstreitenden theologischen Lehrmeinungen gemeint sind, sondern Gottes Heilsgeschichte, mit der er sein Volk vom alten zum neuen Bund geführt hat. Die Beschneidung ist ein gutes Beispiel dafür. Im alten Bund hatte sie als göttlich gebotenes Bundeszeichen die Funktion, die Zugehörigkeit zu Gottes altem Bundesvolk Israel deutlich zu machen, war also im alten Israel tatsächlich kein Adiaphoron. Zu Ostern und Pfingsten hat Gott gezeigt, dass die Beschneidung (als äußerlicher chirurgischer Eingriff) ausgedient hat, um die Zugehörigkeit zu Gottes Bund zu kennzeichen; an ihre Stelle ist die Taufe getreten, die Wiedergeburt aus Wasser und Geist. In Kol 2,11-12 wird sie eine „Beschneidung, die nicht mit Händen geschieht“, genannt. Dieses neutestamentliche Bundeszeichen ist ebenfalls kein Adiaphoron, wie das Augsburger Bekenntnis in Artikel 9 klar bezeugt. Aber indem die Taufe die (chirurgische) Beschneidung abgelöst hat, ist letztere nun zu einem Adiaphoron geworden. Wir sehen hier, wie wichtig es ist, auf den Gesamtzusammenhang der Heiligen Schrift zu achten, besonders in heilsgeschichtlicher Hinsicht. Die Apostelgeschichte dokumentiert nicht entsprechende menschliche Entscheidungen, sondern sie dokumentiert, wie Gott die Apostel und die Urchristenheit zur klaren Erkenntnis seines Willens geführt hat. Lassen Sie uns an dieser Apostellehre festhalten – auch in allen anderen Fragen, die je für sich im gesamtbiblischen Kontext und heilsgeschichtlich betrachtet werden müssen.
Lieber Herr Krieser,
wollen Sie damit sagen, dass kirchengeschichtliche Entwicklungen und Auseinandersetzungen einfach ausgeblendet werden sollten? Die Heilsgeschichte Gottes vollzieht sich doch an konkreten geschichtlichen Ereignissen, aus denen wir auch lernen können. Das Ringen der Apostel um die Frage der Beschneidung wird in den biblischen Texten mehr als deutlich. Lesen Sie daraufhin einmal den Galaterbrief. Da wird greifbar wie heftig die Auseinandersetzung zwischen Petrus und Paulus war und wie sehr die Judenchristen an der Beschneidung festgehalten haben. Und wenn seit Pfingsten die Taufe die Beschneidung abgelöst hat, warum lässt Paulus dann den Timotheus beschneiden (Apg 16,3)?
Im Ergebnis und heilsgeschichtlich hat Paulus nach Gottes Willen Recht behalten, richtig, aber so klar und einheitlich, wie sie das behaupten, war die Apostellehre damals (noch) nicht. Und es bleibt dabei: In der damaligen Situation hat nur der Kompromiss geholfen. Hätten die Judenchristen auf der Beschneidung bestanden oder hätte Paulus die Beschneidung abgelehnt, wäre die Einheit nicht erhalten geblieben. Nur weil jede Seite mit dem Blick auf das Wesentliche die jeweils andere toleriert hat und weil anerkannt wurde, dass beide Seiten allein durch den Glauben an Jesus Christus selig werden, konnten beide Traditionen nebeneinander bestehen bleiben und der Streit um diese Frage befriedet werden. Paulus sagt selbst, dass er den Juden ein Jude und den Griechen ein Grieche geworden ist.
Das kann uns heute durchaus auch als Vorbild für den Umgang mit unseren Streitfragen dienen.
Ich finde es schwierig, die Frage der Beschneidung und die Frage der Frauenordination auf eine Ebene zu stellen:
– An keiner Stelle des NT wird die Beschneidung ausdrücklich verboten. Mit dem Kommen Christi und der Taufe zur Sündenvergebung und Zeichen des Neuen Bundes ist sie schlicht überflüssig geworden. Außerdem macht Paulus deutlich, dass eine nur äußerliche Beschneidung ohne innere Erneuerung des Herzens zu Gott nichts nützt. Dass Paulus den Timotheus beschneiden lässt, tut er aus Rücksicht auf die Judenchristen. In der damaligen Situation der jungen Kirche war dieser Schritt sicherlich gleichermaßen taktvoll und taktisch richtig.
– Die Beschneidung war keine Ordnung, die Gott den Menschen aller Zeit und Welt seit Beginn der Schöpfung gegeben hatte. Es war und ist das Zeichen des Alten Bundes und damit des jüdischen Volkes von Abraham an.
– Anders die Ordnung Gott – Mann – Frau, die bereits in der Schöpfung angelegt ist und somit für die gesamte Menschheit aller Zeit und Welt gültig ist. Im Neuen Testament wird diese Ordnung in Christus – Mann – Frau bekräftigt. Außerdem gibt es ein klares Verbot des öffentlichen Lehrens einer Frau vor der versammelten Gemeinde, das Paulus sogar nach eigener Aussage als ein „Herrenwort“ – also als direkte Weisung des auferstandenen Herrn an ihn – empfangen hat. Paulus hat diese Ordnung selbstverständlich als verbindlich für alle damaligen Gemeinden angesehen, egal ob sie aus Juden- oder Heidenchristen bestanden. Das ist insofern interessant, als die römische Welt um Paulus Gladiatorinnen, Unternehmerinnen, Ärztinnen und Priesterinnen kannte. Paulus sieht sich hier aber an die Weisung Christi gebunden, auch wenn diese im Widerspruch zur fortschrittlichen Gesellschaft seiner Zeit steht.
– Die Frage der Beschneidung und die Frage der Frauenordination müssen also unterschiedlich betrachtet und im Konfliktfall auch unterschiedlich beantwortet/gelöst werden.
Zum Thema Aufbruch in der Selk!
Bin selbst erst seit etwa einem Jahr Mitglied in der Martini-Gemeinde Radevormwald.
Da ich durch mein Elternhaus leider evangelikal-baptistisch sozialisiert bin, habe ich im Laufe meines Lebens nach Alternativen gesucht. Die Erfahrungen in der evangelischen Landeskirche ergaben, dass man sich dort auf der Suche um Mitglieder immer mehr von dem Mainstream leiten lässt, wie das auf den Kirchentagen dokumentiert wird.
So habe ich den Weg zur Martini-Gemeinde gefunden, über den ich sehr dankbar bin.
Mir gefallen die klar gegliederten Gottesdienste und die Stärkung, die ich dort im Glauben erfahre.
Daher würde ich es sehr bedauern, wenn diese kleine aber feine Kirchengemeinschaft an einer Aufholjagd vermeintlicher, gesellschaftlicher Errungenschaften zerbrechen würde.
Die Aktionsfraktion mit dem Titel „Frauenordination“ unter dem Schirm von „Aufbruch SELK“, die offensiv mit T-Shirts mit der bewusst doppeldeutig gewählten Aufschrift die SELK sei feminin, sowie der alternativlosen Bereitschaft zur Trennung, von den Andersdenkenden zu diesem Thema in der SELK, empfinde ich als selbstzerstörerisch.
Mit Andersdenkende meine ich die Teile der SELK , die nicht unbedingt mit der Frauen Ordination mitgehen wollen und zwar insbesondere deshalb nicht, weil der Initiator Herr Sommer, die Umsetzung dieses Anliegens nur in der unweigerlichen Trennung innerhalb der bestehenden SELK verbindet. Natürlich bin ich auch nicht gegen mehr Offenheit in dieser Frage, jedoch nicht um den Preis der Trennung unserer Kirche. Einer kleinen Kirchengemeinschaft, mit gerade einmal 30.000 Mitgliedern in Deutschland, dürfte doch in der Folge einer Zersplitterung der SELK drohen.
Herr Pfarrer Herbers weist doch zu Recht auf die bereits vorhandene Mitwirkung weiblicher Mitglieder in den verschiedenen Gremien hin.
Am Rande sei noch mein Erlebnis in der ersten von zwei Gemeindeversammlungen angemerkt, zu der unser Bischof extra aus Hannover angereist war: Es ging um das unerwartete Verbot, dass ein Gremium gegenüber unserer Pastoralreferentin Hauschild, (deren Predigten ich sehr schätze!!), untersagte, die Segnung im Hinblick auf die kommende Konfirmationsfeier durchzuführen. Die Atmosphäre gegenüber unserem Bischof war sehr aufgeheizt. Da in dem geschilderten Problem keine Klarheit gewonnen werden konnte, erklärte sich Bischof Vogt bereit, selbst zu dem Datum der Feierlichkeit anzureisen, um den Segen auszusprechen.
Nach einer Stunde, den Bischof sehr angreifender emotionaler Wortbeiträge, präsentierte der Kirchenvorstand einen Pfarrer, der zuvor bereits eingewiesen wurde, die strittige Segnung durchzuführen. Das hätte man auch bereits eingangs kundtuen können und fand das Herrn Voigt gegenüber nicht ganz fair.
Es wäre sehr traurig, wenn dann der „Aufbruch SELK“ eventuell in der Folge zu einem „Abbruch SELK“ führen würde. Eine Aufspaltung in eine Vielzahl halb so großen Gemeinden, erfordern einen entsprechend höheren Personal- Gebäudeinstandhaltungs-und allgemeine Verwaltungsaufwand.
Wie soll das gehen?
Die Haushaltslage in der jetzigen SELK-Gemeindelandschaft ist bereits äußerst angespannt.
Mit freundlichen Grüßen
Hanns-Peter Dürholt
Lieber Herr Dürholt,
wie schön, dass Sie sich in der Martini-Gemeinde Radevormwald wohlfühlen und angekommen sind.
Ich stimme Ihnen zu, dass eine Spaltung der Selk sehr traurig wäre .
Als Mitglied der „Aktionsfraktion“, wie Sie es nennen, möchte ich aber betonen, dass es zu keiner Zeit eine alternativlose Bereitschaft zur Trennung gab.
In vielen Gesprächen habe ich bei den Beteiligten von „Aufbruch SELK“ und „Mitten aus der SELK“ eine große Liebe zu ihrer Kiche gespürt, ein jahrzehntelanges Ringen und Suchen nach einem gemeinsamen Weg innerhalb der Selk. Die Selk ist für all diese Menschen auch ihr geistliches Zuhause.
Insbesondere Michael Sommer hat sich in vielen Gesprächen und Informationsveranstaltungen dafür eingesetzt, Wege aufzuzeigen und Beispiele anzuführen, wie ein gemeinsamer Weg gelingen könnte (z. B. Vorbild Australien). Die Umsetzung des Anliegens der Frauenordination hat er nie „nur in der unweigerlichen Trennung innerhalb der bestehenden SELK“ gesehen.
Ich nehme ehrlich gesagt eher wahr, dass Menschen, die sich massiv gegen die Frauenordination äußern, keine große Bereitschaft zur Suche nach Alternativen zeigen. Das zerstört dann auch etwas: Menschen verlassen Gemeinden, da sie keine Hoffnung auf Veränderungen mehr sehen. Dies zu erleben, schmerzt und gerade deshalb setzen wir uns für eine Erneuerung der SELK ein.
Wenn aber nach so vielen Jahren kein gemeinsamer Weg gefunden werden kann, kommt es vielleicht zur Trennung, diese Realität muss auch benannt werden.
Zum Schluss noch eine kleine persönliche Anmerkung zu Kirchentagen: Dieses Jahr fand der Ev. Kirchentag in Hannover statt. In diesen Tagen habe ich viel Inspirierendes, Verbundenheit, Anregendes, Mutmachendes, Fröhliches und eine Stärkung meines Glaubens erlebt. Zu sehen, wie bunt, vielfältig und relevant Kirche sein kann, tat mir gut.
Ute Weingarten