Bischof Hans-Jörg Voigt war am 9. Sonntag nach Trinitatis, den 02.08.2026, in der Gemeinde Balhorn zu Gast. Er hielt zunächst die Predigt des Gottesdienstes zu 1. Kön. 3,5-15, als Gott dem König Salomon im Traum erscheint, dieser ihn um Gehorsam und Weisheit bittet und daraufhin von Gott nicht nur diese, sondern auch noch viele andere Segensgaben erhält. Voigt beschrieb die sprichwörtliche salomonische Weisheit als „Zuhören mit dem Herzen“ und „Kunst des Brückenbauens“ und ließ seine Betrachtungen in die Beschreibung der „Brücke“ münden, die Gott uns durch die Umkehr aller menschlichen Weisheit im Kreuzestod seines Sohnes Jesus Christus baut.
Nach dem Gottesdienst fand im Gemeindesaal ein „Kirchenkaffee“ mit Gespräch zwischen Bischof und Gemeinde statt, zu dem sich rund fünfzig Gemeindeglieder eingefunden hatten. Nach einer Begrüßung durch Gerhard Löber vom Altenstädter Kirchenvorstand, der den Austausch moderierte, dankte der Bischof der Gemeinde zunächst für die Einladung und stellte sich und seinen Werdegang vor. Friedrich Bernhardt vom Balhorner Kirchenvorstand gab anschließend einen Impuls zum Thema „Kompromisse ermöglichen Einheit“ anhand eines konkreten Beispiels aus der Geschichte der Balhorner Gemeinde. Abschließend wies er auf die Altarinschrift der Balhorner Kirche hin: „Kommet her zu mir alle.“ – Ein Jesuswort, das deutlich macht, dass unsere Differenzen vor Gott nicht zählen.
Voigt stellte in einem kurzen Statement zur Lage der Kirche heraus, dass nicht in allen theologischen Fragen Kompromisse möglich seien und nannte als Beispiele die Frage nach der leiblichen Auferstehung Jesu oder die Abendmahlslehre. Dass die Frauenordination ebenfalls zu den Themen gehört, bei denen es seiner Meinung nach keine Kompromisse geben kann, bestätigte er später im Gespräch. Er verwies darauf, dass 14 neue Kirchglieder in der Gemeinde München Bibelunterricht erhielten, dass in Hannover drei Kirchglieder an Ostern getauft worden seien und auch in Hamburg neue Gemeindeglieder zur SELK hinzugekommen seien. Auf die seit Jahren stattfindenden Kirchenaustritte ging er nicht ein.
Er erklärte, dass die Strukturen unserer Kirche keine demokratischen im Sinne unseres politischen Staates seien. Er erläuterte, dass Änderungen der Ordnungen zwar möglich seien, aber in der Frage der Frauenordination zunächst der APK einen entsprechenden Beschluss fassen und dieser dann durch die Kirchensynode zu bestätigen sei. Friedrich Kugler vom Kirchenvorstand Balhorn stellte klar, dass diese Rechtsauffassung umstritten sei und dass etwa der erste Bischof der SELK die Meinung vertrat, die Synode könne als oberstes Entscheidungsorgan unserer Kirche sehr wohl auch eigenständig über Fragen der Lehre entscheiden, die Grundordnung entsprechend ändern und so die Einführung der Frauenordination ermöglichen.
Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurden zahlreiche Themen von Gemeindegliedern angesprochen, unter anderem wurde die positive Entwicklung der Ökumene zwischen landeskirchlicher und SELK-Gemeinde im Ort betont und deutlich gemacht, dass die Ablehnung der Frauenordination das gute Miteinander belastet. Voigt bestätigte die Beobachtung, dass es in der SELK eine einseitige Toleranz der Befürwortenden der Frauenordination gebe, die nach 54 Jahren nun auch auf Toleranz von der anderen Seite wartete, ging aber nicht weiter darauf ein.
Auf die Frage danach, wie Bischof Voigt das Brückenbauen in der SELK konkret angehe, also was er jetzt tue und wir gemeinsam tun könnten, erwiderte er, dass wir uns an kirchliche Ordnungen halten und andere Themen als die Frauenordination bearbeiten sollten. Er erklärte weiterhin, dass die Kirchenleitung möglicherweise Pfarrer Heicke aus Balhorn abberufen werde, wenn die Gemeinde in Folge des Vorbehalts, unter den sie ihre Zahlungen an die Allgemeine Kirchenkasse ab der Synode für 2027 gestellt habe, ihre Zahlungen einstellen werde. Da diese Darstellung dem Balhorner Beschluss nicht entspricht, wurde das Ziel des „AKK-Vorbehalts“ daraufhin erläutert (das auch auf dieser Plattform in verschiedenen Beiträgen immer wieder dargestellt wurde, etwa hier), nämlich die solidarische Finanzierung unserer Kirche trotz massiver Frustration von Kirchgliedern sicherzustellen, die angesichts der Stagnation in Bezug auf das Thema Frauenordination ihre Zahlungen einstellen oder die Kirche gleich ganz verlassen bzw. dies beabsichtigen. Auf dieses gravierende und drängende Problem der Gemeinde ging der Bischof nicht weiter ein.
In seinem Grußwort an die diesjährige Synod Convention (Synodalsitzung) der US-amerikanischen Lutheran Church-Missouri Synod (wir berichteten hier) hatte Voigt vor Kurzem auf die nachkommende Generation von Pfarrern in der SELK hingewiesen, die die Frauenordination mehrheitlich ablehnten. Gefragt, wie diese Entwicklung aus seiner Sicht mit der zunehmend liberalen Entwicklung der Gemeinden zusammenpasse, die die Frauenordination mehrheitlich befürworten, bestätigte Voigt eine gegenläufige Entwicklung. Wie dieser Herausforderung zu begegnen sei, erklärte er nicht, stattdessen deutete er an, dass seiner Meinung nach die Gruppen Pro und Contra Frauenordination sich die Waage hielten. Eine Wahrnehmung, die von den Voten zur Frauenordination aus den Gemeinden nicht bestätigt wird. Er wiederholte seine an anderer Stelle getätigte Aussage, dass eine Kirche nicht auf Dauer gegen die erklärte Meinung ihrer Glieder zu leiten sei. Auf die Frage, ob er die Lösung der Frauenordinationsfrage auf die Zeit nach seinem Renteneintritt verschiebe, erwiderte er, dass er sich diese Frage jeden Tag stelle. Eine Antwort gab er nicht.
Der beim Gespräch ebenfalls anwesende ehemalige Balhorner Pfarrer und Propst Manfred Holst bezeichnete es als Tragik der aktuellen Situation in der SELK, dass es für manche Kirchglieder wichtiger sei, an der Ablehnung der Frauenordination festzuhalten, als die Einheit der Kirche zu wahren, was von den Befürwortenden nicht nachvollzogen werden könne.
Der Austausch, der trotz sehr unterschiedlicher Positionen und teils großer Emotionalität stets höflich und respektvoll geführt wurde, endete nach zwei Stunden mit einem Gebet des Balhorner Pfarrers Johannes Heicke und einem gemeinsamen Vaterunser.
(ms)
04.08.2026
Beitragsbild Foto von Gerhard Löber.

Sehr geehrter Herr Sommer,
ihr Bericht von meinem Besuch in Balhorn ist sehr einseitig und gefärbt. Dass Sie zum Beispiel die Wortmeldung entfallen lassen, die dem Umlagezahlungsvorbehalt der Gemeinde energisch widersprochen hat, kann ich ja vielleicht aus Ihrem Blickwinkel noch nachvollziehen. Auch die Wortmeldung, dass die Ordination von Frauen die leeren Bänke der landeskirchlichen Gemeinde in Balhorn auch nicht gefüllt habe, müssen Sie natürlich weglassen.
An einer Stelle ist Ihr Schriftsatz falsch. Sie schreiben: „Auf die Frage, ob er die Lösung der Frauenordinationsfrage auf die Zeit nach seinem Renteneintritt verschiebe, erwiderte er, dass er sich diese Frage jeden Tag stelle. Eine Antwort gab er nicht.“ Ich habe aber inhaltlich geantwortet und zwar durchaus sehr persönlich: Mein Sohn studiere derzeit Theologie und ich möchte jeden Tag daran arbeiten, dass er in Zukunft einer lebensfähigen Kirche dienen könne.
Bischof Hans-Jörg Voigt
Sehr geehrter Herr Bischof Voigt,
danke für Ihren Kommentar. Dass Sie den Bericht als „sehr einseitig und gefärbt“ empfinden, bedaure ich und danke Ihnen für die Ergänzungen. Natürlich ist jede einzelne Wortmeldung es wert, wiedergegeben zu werden. Gleichwohl muss ein Bericht stets das Wichtigste zuerst benennen. Die Balhorner Gemeinde hat sich nicht nur im Gespräch am vergangenen Sonntag, sondern auch in ihrem Votum 2024 einmütig für die Frauenordination ausgesprochen und den AKK-Vorbehalt einmütig beschlossen. Und dann gibt es noch die beiden von Ihnen genannten Stimmen.
Danke für den Hinweis darauf, dass Sie die Frage nach der Arbeit an einer Lösung der Frauenordinationsfrage beantwortet haben. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, lautet Ihre Antwort, dass Sie jeden Tag an der „Lebensfähigkeit“ der SELK arbeiten. Bitte verzeihen Sie meine Schwerfälligkeit, aber in welcher Weise beantwortet das die ursprüngliche Frage? Sie haben im Gespräch an anderer Stelle deutlich gemacht, wir sollten gerade NICHT an einer Lösung in der Frage der Frauenordination arbeiten. Ist das Ihre Antwort?
Abschließend noch eine wichtige Bitte. Wenn Sie konkrete Hinweise haben, dass im hier kommentierten Bericht oder anderswo auf unserer Seite MITTEN AUS DER SELK fehlerhafte Informationen veröffentlicht werden, freuen wir uns über sachliche Kritik und werden uns nach Kräften bemühen, Fehler zu korrigieren.
Herzliche Grüße
Michael Sommer
Vielen Dank für den Bericht!
Zuerst eine Frage – auf Grund welcher kirchlichen Ordnung kann die Kirchenleitung eine Pastoralreferentin/einen Pfarrer aus der Gemeinde abrufen? Die Pfarrerdienstordnung kennt Fälle in denen eine Pastoralreferentin oder einen Pfarrer sanktioniert werden kann. Aber auf Grund welcher Ordnung kann eine Gemeinde durch die Abberufung ihrer Pastoralreferentin/ihres Pfarrers sanktioniert werden? Die AKK-Beschlüsse wurden ja von den Gemeinden in ihrer Gemeindeversammlung beschlossen.
Sonst ist es sehr schade, dass der Bischof anscheinend nicht wirklich in Gespräche eingestiegen ist. Diese wurden ja von der Kirchenleitung angekündigt.
Es geht nicht um eine akademische Frage, es geht um unsere Kirche. Viele sind unzufrieden damit, was gerade passiert. Die Voten haben die Meinung vieler belegt. Die größte Gemeinde der SELK hat sich erneut für die Frauenordination ausgesprochen.
Augen zu und durch wir hier nach menschlichem Ermessen nicht helfen. Wir brauchen einen Kompromiss und der entsteht in Gesprächen und wenn alle Seiten zum Kompromiss bereit sind.
In der Hoffnung, dass allen bewusst ist, wohin der Weg sonst führt.
Thomas Hartung
Die Überschrift dieses Beitrags stimmte mich hoffungsvoll. Doch beim Lesen stellte ich schnell fest, dass die Kirchenleitung an einem Kompromiss oder an einer Art Brückenbau nicht interessiert ist, im Gegenteil, mit der Androhung der Abberufung des Gemeindepfarrers wird hier der Gemeinde die Pistole auf die Brust gesetzt. Das ist äußerst bedauerlich und nach meiner Ansicht auch rechtlich sehr sehr fragwürdig.