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Geschlossene Gesellschaft? – Infotag Fundamentalismus in Frankfurt

Geschlossene Gesellschaft?

Info- und Workshoptag zu Fundamentalismus in Kirche und Gesellschaft
von Aufbruch SELK e. V. in Kooperation mit der Trinitatisgemeinde Frankfurt am Main der SELK

Samstag, den 19. September, 09.30 – 16.00 Uhr,
in den Räumen der Trinitatisgemeinde Frankfurt am Main der SELK
Theobald-Christ-Straße 23-25
60316 Frankfurt am Main

Die Teilnahme ist kostenlos, wir bitten um Anmeldung unter https://t1p.de/geschlossene-gesellschaft . Die Zugangsdaten zur Online-Teilnahme bzw. Links zum Livestream werden kurz vor der Veranstaltung per E-Mail versendet.

Fundamentalistische Strömungen prägen seit einigen Jahren gesellschaftliche und kirchliche Debatten in vielen Ländern und Konfessionen. Sie begegnen uns in sozialen Medien, in politischen Bewegungen und zunehmend auch in christlichen Gemeinden. Dabei handelt es sich nicht um ein Phänomen bestimmter Länder oder Religionen, sondern um eine Herausforderung, die uns alle betrifft.

Auch innerhalb der SELK nehmen viele Menschen Entwicklungen wahr, die Fragen aufwerfen: Wie gehen wir mit unterschiedlichen Bibelverständnissen um? Welche Rolle spielen Autorität, Tradition und Auslegung? Wie verändert der Einfluss digitaler Medien und religiöser Influencer*innen unsere Gemeinden? Wo liegen die Chancen einer klaren Orientierung im Glauben – und wo entstehen Risiken für Gesprächsfähigkeit, Offenheit und kirchliche Gemeinschaft?

Mit dem Informationstag „Geschlossene Gesellschaft?“ möchten der Verein Aufbruch SELK und die Trinitatisgemeinde Frankfurt Raum für eine sachliche, respektvolle und fundierte Auseinandersetzung mit diesen Fragen schaffen. Dabei ist uns wichtig: Wenn wir über „Fundamentalismus“ sprechen, dann über Positionen und Vorgänge in Kirche und Gesellschaft. Es geht ausdrücklich nicht darum, Menschen zu kritisieren, zu etikettieren oder gegeneinander auszuspielen.

Wir sind überzeugt, dass unsere Kirche von offenen Gesprächen, theologischer Reflexion und gegenseitigem Zuhören lebt. Gerade dort, wo Entwicklungen Sorge auslösen oder unterschiedliche Wahrnehmungen aufeinandertreffen, brauchen wir Räume, in denen Erfahrungen ausgesprochen und Fragen gestellt werden können, ohne dass dies als Angriff oder Loyalitätsbruch verstanden wird.

Der Informationstag möchte dazu beitragen, Wissen zu vermitteln, Erfahrungen auszutauschen und Orientierung für den praktischen Umgang mit fundamentalistischen Tendenzen zu gewinnen – in Gemeinden, in kirchlichen Strukturen und im persönlichen Umfeld.

Den Auftakt bildet ein Vortrag von Dr. Daniel Rudolphi, Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Im Anschluss besteht die Gelegenheit zur gemeinsamen Diskussion. Dieser Vortrag sowie das Abschlussplenum werden per Livestream übertragen.

Am späten Vormittag steht der Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt. In kleinen Gruppen laden wir dazu ein, ins Gespräch darüber zu kommen, wo Menschen fundamentalistische Einstellungen oder Praktiken wahrnehmen, welche Auswirkungen sie erleben und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt. Hierzu wird es ebenfalls ein Online-Angebot geben.

Am Nachmittag vertiefen mehrere Arbeitsgruppen unterschiedliche Themenfelder:

  • Lutherische Hermeneutik und Fragen der Schriftauslegung
  • Das Konzept der sog. „Schöpfungsordnung“, Geschlechterrollen und Familienleben
  • Christlicher Nationalismus in den USA und mögliche Entwicklungen in Deutschland
  • Rechte und fundamentalistische Influencerinnen und Influencer und ihr Einfluss auf kirchliche Diskurse

Die Arbeitsgruppen werden von fachkundigen Referent*innen begleitet und verbinden inhaltliche Impulse mit praktischen Perspektiven für die Gemeindearbeit.

Wir laden alle Interessierten herzlich ein – unabhängig davon, ob sie unsere Wahrnehmungen teilen, ihnen kritisch gegenüberstehen oder sich zunächst orientieren möchten. Unser Ziel ist nicht die Polarisierung, sondern das gemeinsame Nachdenken darüber, wie wir als Kirche eine Kultur des Zuhörens, der theologischen Verantwortung und der gegenseitigen Wertschätzung stärken können. Denn die Zukunft unserer Kirche entscheidet sich nicht daran, ob wir schwierige Fragen vermeiden, sondern daran, wie wir miteinander über sie sprechen.

Aufbruch SELK e. V. und Trinitatisgemeinde Frankfurt am Main
Juli 2026

Rückfragen zur Veranstaltung bitte an: veranstaltungen@aufbruch-selk.de

Das Beitragsbild wurde von der Redaktion unter Verwendung der KI ChatGPT erstellt.

Informationsmaterialien:

Ein Aushang zum Ausdrucken für das Schwarze Brett der Gemeinde oder zum Auslegen/Mitnehmen kann hier heruntergeladen werden.

 

 

 

 

 

 

 

Die folgende Kurzfassung der Ankündigung kann für Gemeindebriefe verwendet werden. Sie kann ohne Rückfrage abgedruckt und auch verändert oder erweitert werden. Bitte informieren Sie uns, wenn Sie den Veranstaltungshinweis veröffentlicht haben (E-Mail an veranstaltungen@aufbruch-selk.de)

Geschlossene Gesellschaft?
Info- und Workshoptag zu Fundamentalismus in Kirche und Gesellschaft

Fundamentalistische Strömungen prägen zunehmend gesellschaftliche und kirchliche Debatten – auch innerhalb christlicher Gemeinden. Wie beeinflussen Bibelverständnis, Autorität, Tradition und soziale Medien unsere Kirche? Wo liegen Chancen einer klaren Orientierung im Glauben, wo entstehen Risiken für Gesprächsfähigkeit und kirchliche Gemeinschaft?

Der Verein Aufbruch SELK e. V. und die Trinitatisgemeinde Frankfurt am Main der SELK laden deshalb zu einem Informationstag ein, der Raum für eine sachliche, respektvolle und fundierte Auseinandersetzung mit diesen Fragen schaffen möchte. Dabei geht es ausdrücklich nicht um die Bewertung von Personen, sondern um die Reflexion von Entwicklungen und Positionen in Kirche und Gesellschaft.

Den Auftakt bildet ein Vortrag von Dr. Daniel Rudolphi, Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, mit anschließender Diskussion. Darüber hinaus gibt es Gesprächsgruppen und Workshops zu Themen wie Schriftauslegung, Geschlechterrollen, christlichem Nationalismus sowie dem Einfluss religiöser Influencer*innen.

Samstag, 19. September 2026, 9.30–16.00 Uhr
Trinitatisgemeinde Frankfurt am Main der SELK
Theobald-Christ-Straße 23–25, 60316 Frankfurt am Main

Die Teilnahme ist kostenlos und vor Ort oder online möglich. Wir bitten um Anmeldung unter: https://t1p.de/geschlossene-gesellschaft

Weitere Informationen unter https://mitten-aus-der-selk.de/geschlossene-gesellschaft

Das Beitragsbild kann ebenfalls für Gemeindebriefe verwendet werden, Download hier, ebenso kann ein QR-Code zur Anmeldung hier heruntergeladen werden. Die Materialien sind frei verwendbar.

15 Kommentare zu „Geschlossene Gesellschaft? – Infotag Fundamentalismus in Frankfurt“

  1. Allen, die sich besonders für das Thema der ersten Arbeitsgruppe interessieren, kann ich zur Vorbereitung dieses Buch empfehlen: Krieser, Matthias: Warum die Bibel missverstanden wird: wie man hermeneutische Fallen vermeiden und die Bibel richtig verstehen kann. https://www.sola-gratia-verlag.de/007.htm . Auf 135 Seiten wird das Thema kurz, aber ausführlich genug und gut verständlich für den theologischen Laien behandelt.

  2. Vielen Dank Frau Krieser, dass sie auf die Veranstaltung hinweisen. Alle Themen sind für unsere Kirche sehr wichtig.
    Als Literatur zur Vorbereitung auf die Arbeitsgruppe ist ein Papier besonders zu empfehlen – das Hermeneutikpapier der SELK:
    https://www.selk.de/download/Biblische-Hermeneutik-2011.pdf

    Es ist sicher gut, dass Bibelverständnis in der Kirche und unseren Schwesterkirchen zu betrachten.
    Denn wie ist er zu begründen, dass beim Thema Scheidung ein Herrenwort umgangen wird?
    https://mitten-aus-der-selk.de/scheidung
    In dem ILC (International Lutheran Council) rechtefertig die LCMS (Lutheran Church Missouri Synod) die Todesstrafe biblisch. Das ist offensichtlich in der SELK keine vorherrschende Meinung, bei uns wird das Gegenteil biblisch begründet:
    https://www.lcms.org/about/beliefs/faqs/lcms-views#death-penalty
    In verschiedenen Anträgen, die für die Synode der LCMS, die im Juli stattfindet, wird die Kirche aufgefordert andere Kirche des ILC, so auch die SELK, zu maßregeln. Ist es biblisch begründet, sich so über andere Glaubensgeschwister zu stellen?

    Eine weitere gute Vorbereitung auf die ganze Veranstaltung ist die Beschreibung von Fundamentalismus und Biblizismus auf dieser Homepage:
    https://mitten-aus-der-selk.de/fundamentalismus-begriffsbestimmung

    Thomas Hartung

    1. Ich halte tatsächlich das Thema „Lutherisches Schriftverständnis/Hermeneutik“ für das das wichtigste der vier Arbeitsgruppen, da es grundlegend und damit weichenstellend für künftige Entscheidungsprozesse unserer Kirche ist. Sie haben sich viel vorgenommen, das Thema auf Ihrem Infotag in Frankfurt abzuhandeln.
      Zum Thema Ehescheidung hat die Bibel klare Worte, die Jesus in der Bergpredigt nochmals bekräftigt. Unserer Kirche lehrt hier auch nichts anderes. Allerdings geht es hier andrerseits Seelsorge am einzelnen Menschen im geschützten Raum unter vier oder sechs Augen. Manchmal kann dann bei seelsorgerlichem Rat nur noch zwischen zwei Übeln abgewogen werden. Kirche ist eben immer auch ein großes „Krankenhaus …“
      Zur Frage der Todesstrafe gibt es in der Bibel kein Verbot – nicht einmal von Jesus Christus. Allerdings halte ich persönlich es für gut und richtig, wenn sie in einer modernen Demokratie keinen Platz mehr hat. Hier handelt es sich aber m.E. um eine ethisch-politische Frage, die nicht kirchentrennend sein sollte – ebenso wie die Fragen des Wehrdienstes, der Organspende u.a.
      In Ihrem langen Fundamentalismus-Artikel gibt es viel Gutes und Richtiges zu entdecken, allerdings fiel mir auch manches an Halbwissen auf, was den Leser auf eine falsche Fährte locken könnte. Im Detail darauf einzugehen, würde hier zu weit führen. Bei einem so wichtigen Thema wäre es sicher gut gewesen, sich vor Veröffentlichung nochmals mit einem Theologen unserer Kirche zusammenzusetzen.

      1. Das Thema Scheidung ist sehr interessant, weil hier immer wieder in der Argumentation Herrenworte mit Seelsorge zusammengebracht werden. Bei der Frauenordination geht es um Worte von Paulus, Jesus hat sich hierzu nicht geäußert, die unterschiedlich ausgelegt werden können und auch die Seelsorge. Denn schließlich wird Frauen die Umsetzung ihrer Berufung verwehrt und sie geraten dadurch in seelische Not. Sie resignieren, ziehen sich zurück, verlassen ihre in eigentlich lieb und werte Kirche – also echte Seelsorgefälle. Für sie ist die Kirche kein Krankenhaus.

        Eine Auslegung der Scheidungsworte, die zu der geltenden SELK-Reglung führt, ist nur dann möglich, wenn man die in dem von Ihnen beworbenen Buch verneinten Methoden benutzt, der biblische Text an sich ist eindeutig. Es ist interessant zu sehen, wie die Regelung in der SELK theologisch hergeleitet wurde.

        Die Todesstrafe verbietet sich allein schon durch das 5. Gebot. Es ist für die LCMS nicht nur ein ethisch-politisches Thema, sondern wird biblisch begründet.

        Wie sie hier auf das Thema Kirchentrennung kommen, erschließt sich mir nicht. Ich habe für die Synode in Fulda 2025 den Antrag zur Todesstrafe geschrieben und darin wird das Gespräch mit den Glaubensgeschwistern angeregt. Kirchentrennung ist ein scharfes Schwert, Gespräch und Kompromiss sind eigentlich die Mittel unter Glaubensgeschwistern.

        Warum die ILC das Thema Frauenordination als kirchentrennend ansieht, ist nicht verständlich. Zu vielen Themen sind unterschiedliche kirchliche Regelungen möglich, auch bei dem Thema Scheidung („Herrenwort!“) – hier hat die LCMS eine andere Regelung als die SELK. Was macht das Thema Frauenordination zu einem Besonderen? Warum wird hier eine Kirchentrennung propagiert und im Falle der australischen, neuseeländischen und japanischen Glaubensgeschwistern auch vollzogen?

        Im ILC gibt es unterschiedliche Regelungen zur Scheidung, zur Todesstrafe und in der Leitungsform der Kirchen. Und das alles wird biblisch begründet. Nur bei der Frauenordination ist kein Unterschied möglich, das soll also das verbindliche Erkennungsmerkmal der Kirchen sein. Das ist nicht nachzuvollziehen.

        1. Dass junge begabte Frauen die SELK verlassen, ist sehr traurig, mir aber auch unverständlich. Es mangelt in unserer Kirche doch nicht nur an Pfarrern, sondern ebenso an zahlreichen anderen Diensten – insbesondere an ehrenamtlich ausgeübten. Wir sind eine materiell nicht besonders reiche Kirche und können viele Arbeiten nicht bezahlen, auch wenn wir das gern wollten. Aber wir haben den großen Schatz, dass wir uns als reformatorische Kirche auf festem Glaubensgrund sehen. Auf diesem Grund halten wir immer noch die Ordnung hoch, dass laut biblischem Zeugnis das Pfarramt nur Männern übertragen werden kann – und tun gut daran, dies auch weiter zu tun. Wir wollen doch weiterhin gemeinsam auf diesem festen Glaubensgrund als einem sicheren Fels verbleiben und ihn nicht in schwankenden, trügerischen Moorboden verwandeln. Und jede dieser jungen Frauen hat aus freien Stücken von Herzen „Ja“ zu dieser unserer Kirche gesagt – bei ihrer Konfirmation oder auch bei ihrer Taufe oder bei ihrem Übertritt in die SELK.
          Leider ist mir bisher keine einzige junge Frau begegnet, die gern Pfarrerin in der SELK werden möchte. Ich würde sie zuallererst dazu ermutigen, den wichtigsten und schönsten Dienst einer christlichen Frau zu suchen – den einer Ehefrau und insbesondere Pfarrfrau und – so Gott will – auch den einer Mutter. Auch für unverheiratete Frauen gibt es ein weites Aufgabenfeld im diakonisch-missionarischen Bereich zur ehrenamtlichen Betätigung.Darüber hinaus brauchen wir auch engagierte Religionslehrerinnen oder christliche Psychologinnen, die traumatisierten Menschen auch mit dem Wort Gottes aufrichten können.
          Ich könnte diese jungen Frauen nur ermutigen: „Kommt herüber zu uns nach Berlin und helft uns! Lernt z.B. Farsi, wenn ihr sprachbegabt seid und Freude im Umgang mit Menschen habt! Geht hin zu den Müttern und helft ihnen, ihre Kinder christlich zu erziehen! Bietet Mütterkreise in den Gemeinden an! Gründet Hauskreise und führt darüber Menschen zur Kirche! Besucht regelmäßig Einsame, Alte, Arme, Kranke, Sterbende! Schenkt Kindern eure Zeit, wenn die Eltern wenig davon haben! Begleitet Menschen auf dem Weg zur Heiligen Taufe!“ Ich sehe tagtäglich so viel Arbeit allein in der Hauptstadt unseres Landes – und viele, die sie anpacken, sind schon im Seniorenalter. Möge Gott den jungen Frauen in unserer Kirche die Augen und das Herz gerade auch für das weite Aufgabenfeld jenseits des Pfarrberufs öffnen.

          1. Liebe Frau Krieser,
            Dieser Kommentar muss für Frauen, denen Sie offensichtlich in Ihrem Leben nicht begegnen, klingen wie ein Hohn, obwohl ich weiß, dass sie es nicht so meinen. Aber wie anmaßend ist es denn, dass Sie anderen Frauen erklären wolle, was deren Berufung ist. Und wie überheblich ist es, dass Sie Ihre eigene Berufung und ihren Weg auf alle Frauen der SELK übertragen wollen.
            Das Verbot der Ordination von Frauen gehört eben nicht zum festen Glaubensgrund unserer Kirche und ist daher auch in keinem Bekenntnis verankert. Und die Rolle als Frau und Mutter ist keinesfalls Voraussetzung für die Existenz einer christlichen Frau in der SELK.
            Sie haben also als Mitglied der Synode und als Verfechterin eines rückwärtsgewandten Frauenbildes noch nie mit unseren Pastoralreferentinnen, die Pfarrerinnen werden wollen, über deren Berufung gesprochen und raten ihnen Pfarrfrauen zu werden? Ihr Ernst? Was für ein Armutszeugnis!
            Freundliche Grüße,
            Thomas Krüger

          2. Liebe Frau Krieser,
            Ihr Frauenbild scheint mir aus einer anderen Zeit zu sein, es ist so weit weg von der Lebensrealität vieler Frauen und läßt mich sprachlos zurück.

            LG
            Gerd Kleinau

  3. Liebe Frau Krieser,
    das von Ihnen empfohlene Buch ist im Zusammenhang der Ausgangsfrage leider wenig erhellend.

    Zum einen ordnet der Autor noch in der Einleitung (S. 10) das für das Verstehen des Wortes Gottes entscheidende Wirken des Heiligen Geistes dem intellektuellen Zugang zur Schrift unter: „Der spirituelle Aspekt des Bibellesens ist zwar von größter Bedeutung,
    dennoch möchte ich auch auf ihn nicht näher eingehen, denn er entzieht sich weitgehend einer sachlichen Analyse. So wichtig das Gebet des Bibel lesenden Christen ist und so sehr der Heilige Geist beim rechten Verstehen helfen muss, so wenig kann man untersuchen, auf welche Weise Gebet und Geist mit den intellektuellen
    Vorgängen des Verstehens zusammenwirken.“ Das übereinstimmende Zeugnis der Bibel aber betont gerade das Wirken des Heiligen Geistes als grundlegend für das wahre Verständnis des Wortes Gottes. „Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig“ sagt der Apostel Paulus in 1 Kor 3,6. Wahrheit ohne Geist bleibt für den Glauben wirkungslos und endet irgendwann in Ideologie und Rechthaberei.

    Zweitens verschweigt der Autor bei der geforderten Erschließung des Wortsinns durch den unzweifelhaft notwendigen intellektuellen Zugang zur Bibel leider die größte und schwerwiegendste Falle im Umgang mit der heiligen Schrift, nämlich die unreflektierte und unmittelbare wörtliche Anwendung von Bibelworten auf Fragestellungen der heutigen Zeit ohne geeignete hermeneutische Methodik. Wenn der Gesamtkontext, also der Bedeutungszusammenhang des Textes nicht ausreichend erschlossen und betrachtet wird, führt das zu einer willkürlichen Verwendung von Einzelstellen der Heiligen Schrift, die sich eher den eigenen Wunschvorstellungen unterordnet als dem eigentlichen Wortsinn.
    Daher ist die Anwendung nachvollziehbarer hermeneutischer Werkzeuge und Methoden für die schriftgemäße Auslegung unerlässlich.

    Freundliche Grüße,
    Thomas Krüger

  4. Lieber Herr Krüger,
    ich kann Sie nur von Herzen dazu ermutigen, ein wenig Zeit zu investieren und das oben empfohlene Buch in Gänze aufmerksam und langsam zu studieren. Dann wird Ihnen klar, dass der Autor eben nicht den menschlichen Intellekt über den Heiligen Geist beim Bibellesen stellen will. Mir ist nicht so ganz klar geworden, wie Sie diesen Schluss aus der von Ihnen zitierten Passage der Einleitung herleiten.
    Wenn Sie das ganze Buch lesen, dann werden Sie auch verstehen, dass diesem der reformatorische Grundsatz zu Grunde liegt: „Die Schrift legt sich selbst aus.“ Es geht also gerade nicht darum, einzelne Sätze oder gar Wörter aus dem Kontext zu reißen, sondern um eine Zusammenschau der ganzen Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments als dem lebendigen Wort Gottes, bei der sich einzelne Stellen gegenseitig beleuchten und erklären.
    Wir dürfen aber auch nicht in die Falle tappen, so wie die Pharisäer und Sadduzäer „spitzfindige“ Fragen zu einzelnen biblischen Aussagen zu stellen in der Hoffnung, Gottes Wort damit irgendwie umgehen oder für uns moderne Menschen unglaubwürdig hinzustellen – z.B.: „Wenn es außer Adam und Eva und ihren Kindern damals keine weiteren Menschen auf der Erde gegeben haben soll: Wo haben dann Adams Söhne ihre Frauen hergenommen?“
    Ich halte das Buch für eine gute Ergänzung zum SELK-Hermeneutikpapier und vor allem für Laien leichter verständlich geschrieben!
    Viele Grüße
    Angelika Krieser

  5. Das von Thomas Hartung empfohlene Hermeneutikpapier der SELK empfehle auch ich allen, die sich in die Grundsätze der christlichen Bibelauslegung vertiefen möchten. Das darin entfaltete Schriftverständnis „leitet insbesondere dazu an, – die Schrift in ihrem eigenen Wortlaut so auszulegen, dass Christus als ihr Herr und König erkannt ist; – die Schrift in der Gewissheit auszulegen, dass das, was sie sagt und wirkt, Wahrheit und Wirklichkeit ist und nicht trügt; …“ (aus der Präambel). Unter anderem werden darin auch sachgemäße von abwegigen Vorverständnissen beim Hören auf Gottes Wort unterschieden. Mit den verschiedenen Vorverständnissen habe ich mich ausführlich in meinem Buch „Warum die Bibel missverstanden wird“ auseinandergesetzt. Es mag sein, dass meine Ausführungen ihrerseits hier und da missverstanden sind oder gar Fehleinschätzungen enthalten; darüber kann man sich im Einzelnen gern unterhalten. Ich verstehe allerdings nicht die grundsätzliche Kritik von Thomas Krüger an meinem Buch. Er meint, dass der „Gesamtkontext, also der Bedeutungszusammenhang des Textes nicht ausreichend erschlossen und betrachtet wird“. Gerade darum geht es jedoch in den zehn Kapiteln, die den Hauptteil des Buches ausmachen. Ebenso unverständlich ist mir Thomas Krügers Behauptung, ich ordne das für das Verstehen des Wortes Gottes entscheidende Wirken des Heiligen Geistes dem intellektuellen Zugang der Schrift unter; er dementiert das dann aber gleich wieder faktisch mit einem Zitat aus meinem Buch, das dem spirituellen Aspekt des Bibellesens größte(!) Bedeutung zubilligt. Ich bin allerdings überzeugt davon, dass der Heilige Geist nicht neben dem Sinn der biblischen Texte lehrt und wirkt (oder gar gegen ihn), sondern in den von ihm inspirierten Worten und durch den Sinn, der sich aus ihnen ergibt.

  6. Reinhard Borrmann, Berlin

    Wie können wir miteinander ins Gespräch kommen. Eine Gruppe ist meistens nicht so geschlossen, wie sie scheint. Was uns verbindet ist doch, dass wir Kinder Gottes sind. Und Gott arbeitet an uns und durch das Leben mit dem lebendigen Gott, unserem Vater im Himmel, werden wir verändert. Durch den gemeinsamen Gottesdienstbesuch, den Andachtszettel lesen und das Gespräch mit Gott im Gebet.

    Unser Gott schaut auf uns und denkt sicherlich: was zanken sie sich denn so. Geschwister dürfen doch verschieden sein, das ist doch ein Reichtum in Gottes Reich. Unser Gott verändert uns doch, wir sind Ton in der Hand unseres Schöpfers.
    Es ist schwer, eine abweichende Meinung zu den führenden Mitgliedern einer Gruppe zu haben und das Salz zu sein.

    Mein Chef in der Firma hat in großer Runde gesagt: „die Firma bringt euch alle dazu so zu sein, wie es die Firma will, außer zwei.“ Und das waren die Christen. Wir haben doch Gottes Wort und sollen das beachten und Salz sein.

    Vor 80 Jahren übernahmen die deutschen Christen in vielen Kirchen die Macht. Mit klugen Methoden eroberten sie Synoden. Heute wissen wir, dass die Bekennende Kirche richtig gehandelt hat, auch wenn das für Manche Gefängnis bedeutet hat.
    Für eine Synode der SELK wurde ermittelt, wie unsere drei Freikirchen in der Zeit gehandelt haben. Ich habe diesen Synodenbericht gelesen. Ich habe die alte SELK, die Hermannsburger bewundert. Sie haben klugen Widerstand geleistet.
    Wie können wir so handeln, dass sich Jesu über uns freut. Die Frage ist nicht einfach zu beantworten.
    Mir ist es ein Anliegen, Begegnungen zu ermöglichen zwischen verschiedenen Gruppen. z.B. beim Kirchenkaffee oder gemeinsamen Projekten in der Arbeit für Gott.

    Gott hat doch auch einen Saulus berufen und verändert. Und kämpfende Islamanhänger, die dann Jesus gefunden haben und seine Mitarbeiter wurden. Wo wir verschiedene Meinungen haben ist doch dagegen was Kleines und das Gemeinsame ist doch viel größer. Deshalb arbeite ich seit vielen Jahren in der Ökumene mit, damit Verständnis wächst für den Glauben der Menschen in anderen Kirchen. Wir werden doch Christen aus anderen Kirchen in Gottes Himmel wiedersehen.

    Gott, unser Vater im Himmel leite uns. Liebe Grüße: Reinhard Borrmann

  7. Das oben genannte Papier zur Biblischen Hermeneutik ist zwar inhaltlich gut und vielseitig, bedarf aber einer Weiterentwicklung. Es fehlt die Dimension des Betrachters fast vollständig. Da der Infotag stark darauf Bezug nimmt, möchte ich ein paar Worte dazu verlieren, die ich im Hinblick auf den Fundamentalismus für relevant halte.

    „Der hermeneutische Erkenntnisprozess lässt sich beschreiben als geistgewirktes Geschehen unter Indienststellung menschlicher Logik. … Der instrumentale Gebrauch der Vernunft dient dabei der Rechenschaftsfähigkeit (Plausibilität) des Glaubens und der Schriftauslegung.“

    „Logik“ und „Vernunft“ implizieren eine trügerische Objektivität. Gerade die in den letzten Jahren verstärkt diskutierten Themen außerhalb des Kerns der lutherischen Rechtfertigungslehre zeigen Argumentationslogiken, die in hohem Maße subjektiv sind.
    Nicht nur die Logik bringt der Mensch mit in seine Auslegung. Auch sein Weltbild, welches gesellschaftlich und möglicherweise auch ideologisch geprägt ist, färbt die Wahrnehmung des Auslegers.
    Zudem bringt der Mensch auch seine eigene Psyche als Rahmenwerk mit, innerhalb dessen sich seine Gedanken formen. Formen der Angst sowie Verlangen nach Freiheit oder Bindung sind starke Kräfte, die unbewusst eine Auslegung formen.
    Logik hat letztlich den geringsten Anteil an dem Vorgang der Auslegung. Viel stärker wirken Weltbild und Lebensstil bzw. Charakter des Auslegers auf die kausalen Schlüsse und das Grundverständnis über den unverständlichen Gott.
    Jeder Mensch kommt in der großen Menge an Einzelfragen in Bezug auf Gottes Wort zu leicht anderen Schlüssen und auch unterschiedlichen Tiefen des Verständnisses. Die Annahme eines homogenen Schriftverständnisses innerhalb der Kirche ist irrig und muss prinzipiell irrig sein: Gott zeigt sich unscharf genug, um jedem Menschen einen individuellen Zugang und Beziehung zu ihm zu ermöglichen. Nur so kann Gott seine vielen unterschiedlichen Kinder um sich versammeln. Nur unter dieser Prämisse können wir gemeinsam Bibel lesen, ohne uns permanent zu streiten. Anspruchsvoll ist nun die Frage, wo die Grenze der Pluralität gegenüber der kircheneinenden Wahrheit gezogen werden muss.

    Ich halte es für hilfreich, dem Artikel „Biblische Hermeneutik“ diese Prämisse im Abschnitt „Wahrheit und Erkenntnis“ beizufügen. Im Abschnitt „Methodenlehre“ sollte entsprechend eine psychologische Komponente erwähnt werden, die – wenn auch nicht gestaltend – wenigstens als Korrektiv jeder Methodik zur Seite gestellt sein sollte. Der Mensch darf sich nicht aus der Methodenlehre herauskürzen. Im Abschnitt 4.1 heißt es „die menschliche Vernunft ist der Schrift nicht übergeordnet“. Zu schnell wird vergessen, dass wir unbewusst unseren eigenen Charakter der Schrift überordnen. Auch das wäre ein Fehler, auf den hingewiesen werden muss.

    Die Individualpsychologie nach Alfred Adler gibt wertvolle Hinweise auf diesen Wirkmechanismus. Adler und seine Schule sprechen von der privaten Logik: Jeder Mensch entwickelt eigene, häufig unausgesprochene Schlussfolgerungen über die Welt. Sie können subjektiv folgerichtig sein, ohne objektiv oder sozial angemessen zu sein. Der Mensch sieht die Welt nicht einfach, wie sie ist, sondern im Licht seines persönlichen Lebensentwurfs. Gleiches gilt für sein Bibelverständnis: Der Mensch liest die Bibel nicht einfach mit geisteswissenschaftlichen Methoden, sondern im Licht seines persönlichen Lebensentwurfs.

    Matthias Krieser mag vielleicht jetzt auf die „postmoderne Falle“ verweisen, nämlich die Behauptung, dass es keine absoluten Wahrheiten gäbe. Dieser echten Gefahr muss man sich bewusst sein. Individuelle Wahrheiten formen kein Bekenntnis und liefern letztlich auch nicht den Trost, den wir als in Christus gerechtfertigte und erlöste Christen haben. Umso mehr müssen wir uns die Arbeit machen, kircheneinende Wahrheiten von individuellen Wahrheiten zu trennen. Der erste Schritt besteht darin, die Existenz und Macht individueller Wahrheiten anzuerkennen. Der Leser bringt sich mit in das Gelesene ein. Nur in diesem Bewusstsein funktioniert Hermeneutik unter Konfliktparteien.

  8. Lieber Reinhard,
    DANKE für Deinen Beitrag.
    Das ist so wichtig zu erkennen, dass es einen klaren ev.-luth. KERN gibt und es nicht um Unterschiede in Einzelfragen geht. Lasst uns das jeden Tag neu bewusst machen.
    Dazu gehört auch, die Geschwister in der Ökumene als solche (und nicht als Gegner oder Feinde! Manche sagen so etwas leider) wahrzunehmen (DANKE auch für Dein Engagement dort!) – auch wenn es Unterschiede gibt, die uns zu verschiedenen Kirchen gehören lassen. Aber eben mit Respekt. Schwierig wird es, wenn manche meinen, nur sie wüssten, mit welchem Glauben wir in den Himmel kommen können und nicht in der Lage sind, sich ernsthaft mit den Argumenten und Gedanken anderer auseinanderzusetzen.
    Ich bin dankbar, dass am Jüngsten Tag unser Herr Jesus Christus auf dem Richterstuhl sitzen wird.
    Bis dahin lasst uns frohe Christen sein und als Licht der Welt und Salz der Erde leben.

  9. Lieber Herr Krüger,
    immerhin hat das „rückwärts gewandte Frauenbild“ dazu geführt, dass die SELK in früheren Jahren sich weder über einen Mangel an Kindern und Jugendlichen noch an Pfarrern beklagen musste. Und: Nein, ein Muss für Ehe und Kinder kann und darf daraus für Frauen nicht abgeleitet werden, auch im 21. Jh. nicht, auch nicht für christliche Frauen nicht. Die Sache ist nur die: Wenn im großen (!) Stil sich Frauen immer weiter von Männern unabhängig machen und auf der anderen Seite Männer ihrer Verantwortung, liebevoll für Frauen und ggf. Kinder zu sorgen (auch in geistlicher Hinsicht), immer weniger nachkommen wollen, können oder auch dürfen, dann haben wir in der ganzen Gesellschaft ein Problem. Hier könnten wir als Christen es anders machen – und viele tun dies auch bereits, zum Segen von Gemeinde, Kirche und ganzer Gesellschaft.
    Unverheiratete Frauen können wiederum ebenso zum Segen für Gemeinde, Kirche und Gesellschaft werden, und auch darin haben wir ein Geschenk.
    In der Synode vertrete ich die Ansicht vieler Frauen und Männer in der SELK, dass laut biblischem Zeugnis AT und NT das gemeindeleitende Amt nur Männern übertragen werden kann. Ich vertraue hier einfach kindlich Gottes Weisheit, dass dies auch noch im 21. Jh. für uns so gilt und Gott seine Gründe dafür hat, dass es so ist. Andere mögen das anders sehen – und genau das ist ja die Aufgabe unserer „Einheitskommission“ einen guten gemeinsamen Weg zu finden, wie auch immer dieser aussehen wird.
    Viele Grüße
    Angelika Krieser

  10. Liebe Frau Krieser,
    Zu den Ursachen zurückgehender Zahlen von Kindern und Jugendlichen in der SELK und in der Gesellschaft möchte ich mich nicht weiter äußern. Ihre unbelegten Annahmen und Spekulationen dazu greifen jedenfalls zu kurz, soviel ist sicher.
    Aber wie kommen Sie eigentlich auf den seltsamen Gedanken, dass das, was Sie aus der Bibel herauslesen, Gottes Weisheit sei?
    Freundliche Grüße,
    Thomas Krüger

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